21.03.2025 - Die Rheinpfalz -

S-Bahn nach Zweibrücken kommt voran

Nach etlichen Verzögerungen kommt der Ausbau der S-Bahn Rhein-Neckar nach Zweibrücken nun in Gang. Erste Arbeiten laufen schon. Wenn die Strecke in Betrieb geht, werden die Züge allerdings wohl nicht nach Osterburken fahren, sondern hinter Heidelberg ein anderes Ziel ansteuern.
Von Eckhard Buddruss und Gerhard Müller

Zweibrücken. Nach einem politischen Entscheidungsprozess, der sich vor allem wegen des, gelinde gesagt, anfangs nicht sehr ausgeprägten Engagements der Saar-Landesregierung über Jahrzehnte hinzog, und diversen Verzögerungen im Planungsprozess steht nun ein konkreter Zeitplan für die Bauarbeiten zwischen Homburg und Zweibrücken.

Richard Lutz, der Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn (DB), hatte schon 2022 anlässlich des Jubiläums „175 Jahre Eisenbahn in Rheinland-Pfalz“ besonders gewürdigt, dass zwischen Homburg und Zweibrücken eine Bahnstrecke gleichzeitig reaktiviert und elektrifiziert wird – eine seltene Kombination.

Für Bahnchef Lutz eine „Herzensstrecke“ Zu einem Treffen mit Saar-Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) in Saarbrücken brachte Lutz nun in der vergangenen Woche den Zuwendungsbescheid des Bundes mit, der 90 Prozent der auf rund 80 Millionen Euro veranschlagten Baukosten abdeckt. Dass der Bund einen so hohen Teil der Kosten übernimmt, war 2017, als die politische Entscheidung in Mainz und Saarbrücken über das Projekt fiel, noch nicht absehbar. Lutz, der in Landstuhl geboren wurde, im westpfälzischen Kindsbach aufgewachsen ist und in Saarbrücken studiert hat, sagte in diesem Kontext, Homburg–Zweibrücken sei für ihn als Verbindung zwischen Pfalz und Saarland eine „Herzensstrecke“.

Der verantwortliche Projektleiter bei der Infrastruktursparte DB-InfraGo Sebastian Ottrembka sagte bei einer Informationsveranstaltung in Homburg: „Die S-Bahnlinie S1 verläuft durch die Pfalz bis nach Osterburken, das liegt ein gutes Stück hinter Heidelberg. So weit reicht also das Einzugsgebiet der Menschen, die in den Zug steigen und künftig zum Beispiel in Schwarzenacker aussteigen können, um das Römermuseum zu besuchen.“ Das Römermuseum liegt in unmittelbarer Nähe des künftigen S-Bahn-Haltepunkts. Ab Ende 2028 sollen an jedem Werktag 17 Zugpaare das reaktivierte Streckenstück passieren, an Sonn- und Feiertagen sollen es 16 Zugpaare sein.

Im Januar 2026 sollen die Bauarbeiten an Schienen und Oberleitungen beginnen. Bereits im Februar 2025 haben Arbeiter in Beeden erstes Gestrüpp vom Gleisbett weggeschnitten. Dieser Rückschnitt setzt sich entlang der Trasse etappenweise fort. „Geschnitten wurde auch schon in der Nähe des Gleisdreiecks zwischen Homburg und Beeden“, sagte Ottrembka, „weil wir dort für die Zeit der Bauarbeiten Übergangslebensräume für Reptilien herstellen müssen. Die Haselmaus wurde schon im letzten Sommer umgesiedelt.“

Etwas missverständlich ist der Verweis auf den aktuellen S-Bahn-Linienendpunkt Osterburken. Derzeit ist nämlich geplant, dass sich mit der für Ende 2026 vorgesehenen Inbetriebnahme des neuen Tiefbahnhofs in Stuttgart viele Zugfahrpläne in Baden-Württemberg ändern. Dann verändert sich auch die Linienführung der S-Bahn Rhein-Neckar. Seit deren Start fahren die beiden in Kaiserslautern oder Homburg beginnenden Linien S1 und S2 rechtsrheinisch weiter ins Neckartal. Endbahnhof der S1 ist Osterburken, der S2 Mosbach. Die Linien S3 und S4, die anfangs in Speyer und dann in Germersheim starteten, fahren rechtsrheinisch weiter über Heidelberg nach Bruchsal und teilweise bis Karlsruhe.

Die rechtsrheinische Weiterführung soll sich ab Ende 2026 ändern. Die Züge aus Homburg und Kaiserslautern fahren ab Heidelberg nicht mehr weiter ins Neckartal, sondern nach Bruchsal und Karlsruhe. Nach Osterburken oder Mosbach fahren stattdessen die Züge aus Richtung Germersheim. An den S-Bahn-Fahrzeiten in der Pfalz selbst soll sich nichts ändern. Die in Zweibrücken beginnende Linie (die möglicherweise dann nicht mehr S1 heißen wird) führt also über Kaiserslautern, Neustadt, Ludwigshafen und Mannheim nach Heidelberg. Direkt fahren kann man also von Zweibrücken auch nach Heidelberg, allerdings nur bis zum Hauptbahnhof, nicht zum Bahnhof Heidelberg Altstadt an der Strecke im Neckartal, der günstiger zu den touristisch besonders interessanten Stellen Heidelbergs liegt.

Zweibrücken bekommt dafür aber aller Voraussicht nach stündlich einen S-Bahn-Zug, der über Heidelberg und Bruchsal nach Karlsruhe fährt. Diese Strecke ist allerdings ein großer Umweg im Vergleich zu den früheren Schnell- und Eilzügen, die von Zweibrücken über Pirmasens Nord, Annweiler und Landau direkt nach Karlsruhe fuhren.


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