19.08.2026 - Die Rheinpfalz Zum Artikel
Was die S-Bahn nach Homburg der Berliner Siemensbahn voraus hat
Gerhard Müller Die Deutsche Bahn bleibt dabei: Ab Ende 2028 rollen die Züge von Zweibrücken nach Homburg. Es soll sogar noch etwas früher losgehen als bislang angekündigt.
Am ersten August-Wochenende haben Verantwortliche der Deutschen Bahn AG die ersten 800 neu verlegten Schienenmeter abgenommen. Dort wurden zuletzt an drei Wochenenden die alten Gleise abgetragen und durch neue ersetzt. „Damit ist der erste Bauabschnitt für die Wiederbelebung der elf Kilometer langen Bahnstrecke von Homburg nach Zweibrücken fertig hergerichtet“, sagte Projektleiter Sebastian Ottrembka vorigen Freitag auf der Rosengarten-Bühne beim Sommerempfang der Stadt Zweibrücken. Der für den 14. Dezember 2028 geplanten Wiederaufnahme des Schienenverkehrs zwischen den beiden Nachbarstädten stehe nichts im Wege. Mit den Arbeiten liege man gut im Zeitplan, so der Ingenieur vom Bahn-Tochterbetrieb DB InfraGo. „Wir gehen davon aus, dass die S-Bahn-Züge sogar schon ab 8. Dezember 2028 rollen: Für diesen Tag ist der Fahrplanwechsel vorgesehen.“ Am Tag der Inbetriebnahme der derzeit noch stillgelegten Bahnstrecke werde man sich sicherlich eine Feier mit Teilnehmern aus den beteiligten Orten Zweibrücken, Homburg, Einöd, Schwarzenacker und Beeden gönnen.
Von Schlingnattern und chinesischen Brücken
Bis zum Frühjahr, so Ottrembka, sei auf dem rund fünf Kilometer langen Trassenstück zwischen Einöd und der Saarbrücker Straße in Homburg das Gleisbett von Gestrüpp freigeschnitten worden. „Im Frühling 2027 gehen dann die Bauarbeiten entlang der Strecke weiter.“ Unter anderem mit der Elektrifizierung – auch auf den verbleibenden Kilometern von Einöd bis nach Zweibrücken.
Mit dem Planfeststellungsbeschluss im Jahr 2023 sei die endgültige Entscheidung für die Bahn-Reaktivierung gefallen. „Wer jetzt bemängelt, dass das alles so viele Jahre dauert, während in China in kürzester Zeit ganze Brücken neu hochgezogen werden, dem sage ich, dass wir hier allein zwei Jahre lang wichtige Naturschutzmaßnahmen betrieben haben“, bat der Projektleiter um Verständnis. Neben den Gleisen seien umzäunte Ausgleichszonen für Eidechsen und Schlingnattern angelegt worden; Haselmäuse habe man umgesiedelt.
Kostenschätzung drastisch nach oben korrigiert
Dank der Anbindung ans westpfälzische S-Bahn-Netz, so Ottrembka, werde man künftig im Zug von Zweibrücken bis nach Mannheim und weiter durchfahren können; nach Umstieg in Homburg sei auch die Bahnreise etwa nach Mainz, Frankfurt oder Berlin möglich.
Zu den Kosten der Streckenreaktivierung berichtete der Bahn-Verantwortliche, dass erste Schätzungen im Jahr 2022 noch von einem Finanzaufwand in Höhe von 39 Millionen Euro ausgegangen seien. „Dann kamen Corona und gewaltige Kosten- und Preiserhöhungen im Bausektor. Deshalb musste anschließend der Kostenrahmen deutlich auf 78 Millionen Euro heraufgesetzt werden. Ich kann Ihnen aber versichern, dass wir in diesem Budget immer noch stabil drin sind. Im Moment liegen wir sogar ein wenig darunter. “
Wo fünf Bahnkilometer noch viel teurer sind
Sebastian Ottrembka sagte, er könne verstehen, dass mancher angesichts der Zahl von 78 Millionen Euro erst mal schlucken müsse. „Zum Vergleich kann ich Ihnen aber verraten, dass die aktuelle Reaktivierung der Siemensbahn in Berlin, die knapp fünf Kilometer lang ist, sogar 500 Millionen Euro kosten wird.“ Eine Erkenntnis, die die Bahnarbeiter bei ihrer Tätigkeit im saarpfälzischen Gleisbett gewonnen haben, wollte der Projektleiter den Zuhörern im Rosengarten nicht vorenthalten: „Wir mussten dort rund 70 Tonnen Müll rausholen. Auch das gehört zur Wahrheit.“
Wer sich ein Bild vom jeweils aktuellen Stand des Baufortschritts verschaffen möchte, dem rät Ottrembka, immer wieder mal unter bauprojekte.deutschebahn.com/p/homburg-zweibruecken auf dem Internet-Infoportal der Deutschen Bahn vorbeizuschauen. Diese Webseite mit Bildern und Plänen werde laufend aktualisiert.