16.08.2026 - Pfälzischer Merkur Zum Artikel
Erste neue Gleise von Homburg nach Zweibrücken fertig Bahn-Reaktivierung liegt im Zeit- und Kosten-Plan
Zweibrücken/Homburg • Die Reaktivierungs-Kosten für die Bahnstrecke Zweibrücken–Homburg können auf den ersten Blick erschreckend wirken. Verglichen mit einer ähnlich langen Strecke in Berlin sind sie ein Schnäppchen. Von Lutz Fröhlich Redakteur
„Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Bahnstrecke Zweibrücken–Homburg reaktiviert werden sollte.“ Mit diesem Satz hatte der von 2004 bis 2012 amtierende Zweibrücker Oberbürgermeister Helmut Reichling (parteiunabhängig) so gut wie jede Rede beendet. Sein Nach-Nachfolger Marold Wosnitza (SPD) musste am Freitagabend beim Zweibrücker Sommerempfang 2026 nicht mehr reden – denn jetzt sind Nägel mit Köpfen gemacht, nämlich erste Schienen ins Gleisbett gehämmert worden.
Wosnitza beschränkte sich in seiner Jahresrede denn auch auf die Anmerkung, dass man 30 Jahre auf diesen Moment gewartet habe – und übergab zum Sachstands-Update an Projektleiter Sebastian Ottrembka von der Deutschen Bahn (DB InfraGO AG).
„Wir sind stabil drin im Terminplan“, der 2023 nach dem Planfeststellungsbeschluss aufgestellt wurde, zeigte sich Ottrembka sehr zuversichtlich, dass nachdem 1989 der letzte Zug zwischen den Nachbarstädten rollte, pünktlich zum Fahrplanwechsel am 8. Dezember 2028 die S-Bahn 1 nicht mehr in Homburg enden wird, sondern nach Zweibrücken weiterrollen kann. Nachdem die Deutsche Bahn am alten Gleisbett „anderthalb Jahre Umweltschutz betrieben“ habe, unter anderem mit Eidechsen-Umsiedlungen, seien nun die ersten 800 Meter neue Gleise verlegt, und zwar in Homburg vom Hauptbahnhof bis zur Saarbrücker Straße.
Dieses Frühjahr seien die zugewucherten alten Gleise weiter Richtung Einöd freigeschnitten worden (und dabei auch siebzig Tonnen Müll entfernt), „damit dort nächstes Frühjahr die letzten fünf Kilometer neuen Gleise verlegen können“. (Von Einöd bis Hauptbahnhof Zweibrücken werden bekanntlich die Gleise der Regionalbahn-Saarbrücken-Strecke genutzt.)
Auf Wosnitzas Kosten-Frage antwortete Ottrembka: „Wir sind im Budget des ersten Bauabschnitts drin – sogar ein bisschen darunter.“ Weniger erfreulich sei zwar, dass die Gesamtkosten für die Reaktivierung der Strecke ZW–HOM von im Jahr 2021 geschätzten 39 Millionen auf 78 Millionen Euro gestiegen sind (vor allem wegen Preissteigerungen seit der Corona-Pandemie). Aber die Reaktivierung der ähnlich langen „Siemensbahn“ in Berlin koste 500 Millionen.
Die Investition in die Reaktivierung nutze nicht nur den Bürgern, sondern auch dem Klima, betonte Ottrembka bei dem von der Sommerhitze geplagten Openair-Empfang im Zweibrücker Rosengarten: „Die Bahn verursacht zwei Drittel weniger CO2-Ausstoß wie das Auto. Das wird wegen des Klimawandels immer wichtiger.“
„Alle interessierten Bürger:innen“ lädt die DB InfraGO AG für Donnerstag, 5. November, 17.30 bis 18.30 Uhr, zu einer weiteren „Projektinformationsveranstaltung“ über die Reaktivierung der Zweibrücken-Strecke ein, diesmal im Rathaus Homburg, Am Forum 5.