13.05.2026 - Die Rheinpfalz
Es fährt kein Zug...
Acht Monate Sperrung der Bahnstrecke zwischen Ludwigshafen und Saarbrücken: Damit wird Kaiserslautern 2028 und 2029 auf der Ost-West-Achse komplett abgehängt. Die Stadt versucht noch, das Schlimmste zu verhindern. Von Gundula Zilm
Schon seit gut zehn Jahren wird an der Strecke Ludwigshafen – Kaiserslautern – Saarbrücken gebaut und saniert. Deswegen plagen sich Fahrgäste immer wieder mit kurzfristigen Zugausfällen, notdürftigen Ersatzverkehren, Verspätungen und überfüllten Zügen. Nun plant die Bahn-Tochter DB InfraGo eine sogenannte Generalsanierung auf der Strecke bis nach Fohrbach an der französischen Grenze – mit monatelanger Komplettsperrung. Vorbild ist die Generalsanierung der Riedbahn zwischen Mannheim und Frankfurt. Dieser Abschnitt war 2024 für fünf Monate gesperrt, der Verkehr lief nur mit dem Ersatzbus.
Die Ost-West-Strecke durch die Pfalz will die Bahn nun im Herbst 2028 für rund acht Wochen und nochmals im Jahr 2029 vom 22. Juni bis zum 7. Dezember komplett sperren. Bleibt es bei diesen Planungen, wären Kaiserslautern und die Westpfalz insgesamt knapp acht Monate vom Schienenverkehr auf dieser Achse abgehängt. Problematisch ist zudem, dass – anders als bei der Riedbahn – der Bahnverkehr durch die Pfalz nicht so einfach durch einen Bus über die Autobahn ersetzt werden kann wie zwischen Mannheim und Frankfurt. Aufteilung der Arbeiten in Abschnitte gefordert
Viele der rund 40.000 Einpendler nach Kaiserslautern sowie etwa 19.000, die zur Arbeit aus Kaiserslautern herausfahren, nutzen täglich die Bahn. Für die RPTU mit ihrem Standort Landau ist eine gute Bahnanbindung wichtig. Und Besucher der FCK-Heimspiele kommen zu 25 Prozent auf der Schiene, argumentiert die Stadt. In der Stadtratssitzung im Februar hatte Michael Heilmann, Direktor des Zweckverbandes Öffentlicher Personennahverkehr (ZÖPNV) Rheinland-Pfalz Süd, die Bahn-Pläne bereits vorgestellt und gewarnt, dass eine gesamte Region abgehängt werde. Der Unterstützung des Stadtrats bei dem Vorhaben, die Bahn zu einer Änderung ihrer Pläne zu bewegen, war er sich sicher. Hauptziel war schon damals, die Arbeiten in mehrere Abschnitte zu unterteilen, statt die gesamte 136 Kilometer lange Strecke monatelang stillzulegen.
Oberbürgermeisterin Beate Kimmel (SPD) hatte eine Petition angeregt, die von der Verwaltung in Abstimmung mit dem ZÖPNV ausgearbeitet und dem Stadtrat am Montag nun zum Beschluss vorgelegt wurde. In sechs Punkte ist die Forderung an die DB InfraGO gegliedert.
Die Hauptforderung lautet, den Ablauf der Bauarbeiten mit den geplanten Sperrungen dahingehend zu überprüfen, dass Vollsperrungen auf „ein absolutes Mindestmaß begrenzt werden“. Die Generalsanierung soll nicht gleichzeitig für die gesamte über 130 Kilometer lange Strecke durchgeführt werden, sondern „in sinnvolle Abschnitte aufgeteilt werden“, zum Beispiel Ludwigshafen – Kaiserslautern, dann Kaiserslautern – Forbach. Vor allem die Strecke Neustadt – Kaiserslautern sei mit Ersatzverkehr nicht zu bedienen, wenn die Bundesstraße nicht zur Verfügung stehe.
Zudem soll sichergestellt werden, dass der Hauptbahnhof Kaiserslautern aus den Richtungen Pirmasens, Alsenzbahn, Lautertalbahn und Kusel durchgehend anfahrbar bleibt. Ein weiteres Problem ist die Finanzierung des Ersatzverkehrs, für die die DB InfraGo sorgen soll. Denn „jenseits der Sperrphase in 2029 muss nach aktuellem Stand der ZÖPNV Rheinland-Pfalz Süd den außerordentlich teuren Ersatzverkehr selbst finanzieren“. Nicht vergessen werden sollte, ausreichend Buskapazitäten für Veranstaltungen wie FCK-Spiele und Weinfeste sicherzustellen. Als letzten Punkt fordert die Resolution, den Zeitplan der Sanierung der Personenunterführung des Bahnhofs Einsiedlerhof mit der von der Stadt geplanten Erneuerung der Jacob-Pfeiffer-Brücke abzustimmen, damit die beiden nördlich und südlich der Schienen gelegenen Stadtteile nicht voneinander abgeschnitten sind.
Grünen-Stadtratsmitglied Holger Munderloh hatte zwei Ergänzungen. „Bei der Sanierung sollte darauf geachtet werden, dass der Bahnhaltepunkt Einsiedlerhof barrierefrei wird.“ Außerdem forderte er, „die Strecke so zu ertüchtigen, dass in den nächsten Jahren keine weiteren Arbeiten nötig sind“. Er nannte die Sanierung der Strecken Hamburg - Berlin und Köln - Wuppertal - Hagen als Beispiel, wo nachträglich eine Digitalisierung vorgenommen werde. Oberbürgermeisterin Kimmel meinte zwar, dass sie „wenig Hoffnung“ dafür sehe, man dies aber ins „Wünsch-dir-was“ der Petition aufnehmen könne. SPD-Sprecher Patrick Schäfer unterstützte die Forderung nach Barrierefreiheit im Einsiedlerhof. Andreas Jacob (Freie Wähler) fragte, ob man andere Städte an der Strecke wie Neustadt und Ludwigshafen mit ins Boot holen könne und gemeinsam eine Forderung an die Bahn richtet. Kimmel wolle auf Anregung von Walfried Weber (CDU) sogar den aus Rheinland-Pfalz stammenden Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder einbeziehen. Der Rat war sich in den Forderungen an die Bahn einig.
Kommentar: Ade, Verkehrswende
Von Gundula Zilm Eine Sanierung der Bahninfrastruktur ist dringend nötig. Doch mit der langen Komplettsperrung verprellt die Bahn sogar hartgesottene Kunden.
Welcher Bahnfahrer wünscht es sich nicht: ohne ständige Verspätungen und Zugausfälle wegen unzähliger Reparaturen und technischen Versagens wie geplant ans Ziel zu kommen. Was die DB InfraGo nun jedoch plant, ist für Dauerbahnfahrer eine Zumutung statt Erleichterung. Klar, alles in einem Abwasch zu erledigen, ist für die Bahn am einfachsten. Für jene, die auf das Verkehrsmittel angewiesen sind, jedoch ein Schlag ins Gesicht. In kleinen Häppchen wäre es vielleicht noch machbar. Aber insgesamt fast acht Monate am Stück, mit einer noch unpraktischeren langen Unterbrechung, die Strecke komplett stillzulegen, ist für viele Pendler im Alltag kaum oder gar nicht bewältigbar. Wer kein Auto hat, muss sich für solch eine lange Zeit wohl eins zulegen. Wenn er es sich leisten kann. Oder muss halt den Job kündigen? Oder umziehen? Die Strecke durchs Neustadter Tal monatelang täglich mit dem Bus zu fahren, ist selbst für Bahnpendler – die schon hart im Nehmen sind! – ein zu großer Zeitfresser. Die Gefahr, nach einem eigentlich temporären Umstieg (zurück) aufs Auto dabei zu bleiben, ist nicht gering. Und wer vielleicht gerade überlegte, auf die Bahn umzusteigen – das Deutschlandticket hat ja einiges in diese Richtung bewegt –, der wird nun die Finger davon lassen. Was die Politik nicht vermasselt, schafft die Bahn nun selbst: Ade, Verkehrswende!
Gundula Zilm ist Redakteurin in der Lokalredaktion Kaiserslautern