10.04.2026 - Die Rheinpfalz
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Kiosk am Bahnhof: Äpfel, aber keine Briefe

„Snacks Stopp“ seit zwei Monaten geöffnet – Warum sich die Betreiberin dort sicher fühlt und warum sie von der Post enttäuscht ist
Von Cynthia Schröer

„Ich bin zufrieden hier. Es läuft gut“, lautet das Fazit von Aida Dawoud. Seit zwei Monaten betreibt sie den Kiosk „Snacks Stopp“ am Zweibrücker Bahnhof und hat sogar schon Stammkundschaft. Anfangs sei der Betrieb nur langsam angelaufen, sagt sie. „Weil die Leute nicht wussten, dass es wieder einen Kiosk am Bahnhof gibt.“ Aber langsam würden sich immer mehr Kunden an ihrer Verkaufstheke einfinden.

Aktuell sei allerdings nur weniger Betrieb, weil Ferien sind. Ihre Hauptkundschaft bestehe nämlich aus Schülern. „Die kommen vor der Schule und nach Schulschluss zu mir. Die meisten holen sich belegte Brötchen oder eine Brezel.“ Mittags seien aber auch Pommes bei der jungen Kundschaft beliebt. Für Kinder und Jugendliche hat Dawoud eigens einen Schülertarif mit günstigeren Preisen eingeführt.

Aber auch bei den Erwachsenen hat Dawoud bereits Stammkunden: „Zum Beispiel jeden Morgen, wenn der Zug gegen 7.13 Uhr kommt. Dann holt sich der Zugführer immer einen Kaffee bei mir“, erzählt die 53-Jährige und lächelt. Der ÖPNV bestimme auch am Wochenende die Stoßzeiten am „Snacks Stopp“. So kämen auch sonntags ab 12 Uhr viele Leute zu ihr, die die Flix-Busse nutzen.

Überraschungstüte statt Wegwerfen

Dawoud passe ihr Angebot immer an die Bedürfnisse ihrer Kunden an, betont sie. Daher gebe es jetzt auch Äpfel bei ihr zu kaufen, weil sich das einige Passanten gewünscht hätten. Außerdem hat sie eine Spielecke für Kinder vor ihrem Kiosk eingerichtet, damit sich kleine Kinder beschäftigen können und ihre Eltern in aller Ruhe bei Dawoud einen Kaffee und Snacks zu sich nehmen können. „Die Spielecke ist für alle, nicht nur für meine Kunden, sondern für alle“, betont die Kurdin, die 2015 mit ihrer Familie nach Zweibrücken gekommen ist. „Draußen an den Gleisen zu warten ist zu gefährlich für Kinder. Wegen der Züge“, sagt die fünffache Mutter.

Nachhaltigkeit ist Dawoud wichtig: Als besonderes Angebot gibt es am „Snacks Stopp“ am Bahnhof manchmal ab 17.30 Uhr – eine halbe Stunde vor Schluss – die Überraschungstüte. „Da sind ein oder zwei Brötchen drin und etwas Süßes. Je nachdem, was übrig geblieben ist vom Tagesverkauf. Ich werfe nichts weg. In der Tüte sind Speisen drin im Wert von etwa acht Euro. Die Tüte gibt’s für fünf Euro.“

Der Paketshop, um den sich ihr Sohn Kammal kümmert, werde rege genutzt, sagt Dawoud. Mehr als 20 Pakete gingen pro Tag über die Theke. Aber er könnte besser laufen: „Wir nehmen nur DPD und GLS an. Aber viele Passanten wollen einfache Briefe abgeben. Deshalb habe ich die Deutsche Post schon zweimal angefragt. Aber ich habe immer noch keine Antwort“, sagt die Kioskbetreiberin.

Ansonsten habe sie keine Änderungswünsche an ihrem Standort im Bahnhofsgebäude. Auch, was die Sicherheit angeht, die von vielen Zweibrückern in dieser Ecke immer wieder kritisiert wird. Bedrohliche Situationen oder Kriminalität habe sie in den ersten zwei Monaten an ihrem Kiosk nicht erlebt. „Ich fühle mich hier sicher“, betont sie. Auch, weil die Polizei regelmäßig kontrolliere. „Wir haben hier keine Angst.“ Damit meint sie sich selbst, ihren 26-jährigen Sohn Kammal und ihre 15 und 17 Jahre alten Töchter Sima und Joudi, die ebenfalls am Kiosk aushelfen.

Dawoud hat ihr Angebot nicht nur erweitert, seit sie ihren Kiosk eröffnet hat, sondern auch Dinge gestrichen. So gebe es keine Lachsbrötchen mehr, weil sie nicht gefragt waren. Obwohl auch der Kaffee mit Pistazienaroma kaum bestellt werde, will Dawoud dieses Angebot aber nicht aufgeben, sondern nur abändern: „Im Sommer biete ich Eiskaffee in verschiedenen Geschmacksrichtungen an. Da schmeckt Pistazie bestimmt besser“, plant sie schon ihr Sommerangebot.