19.02.2026 - Pfälzischer Merkur
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Kritzeleien überwuchern Wandgemälde

Die Bahnhofsunterführung in Zweibrücken war einige Monate lang eine der schönsten ihrer Art. Mittlerweile sind die Wände großflächig mit Graffiti bedeckt. Die Bahn verspricht Abhilfe – irgendwann demnächst.
Von Jan Althoff, Redaktionsleiter Pfälzischer Merkur

Der inoffizielle Verein der Wändebekritzler Sektion Zweibrücken (VWZ) hat am Hauptbahnhof der Rosenstadt mittlerweile alle Hemmungen verloren. Waren die im Sommer 2023 flächendeckend angebrachten Wandgemälde in den ersten Monaten fast unberührt geblieben, sieht es dort jetzt aus wie in jeder anderen Unterführung in diesem unserem Lande: unschön. Es herrschen kryptische Buchstabenfolgen, gerne mit schwarzem Filzstift aufgetragen. Der Geruch hängt vom Wetter und dem Besuchstag im Verhältnis zum für Laien leider etwas rätselhaften Reinigungszyklus ab.

Die farbenfrohen Motive, von Schülern der Jugendkunstschule und der Zweibrücker Gymnasien aufgetragen (sogar eine leibhaftige OB-Kandidatin hat hier dereinst den Pinsel geschwungen), sollten dieses typisch triste Bahnhofs-Unterführungs-Flair aufbrechen. Man kann heute festhalten: Der VWZ hat die Herausforderung angenommen. Er scheint fest entschlossen, das Areal in die Durchschnitts-Scheußlichkeit zurückzukritzeln – Edding für Edding, Sprühdose für Sprühdose.

Was sagt eigentlich die Deutsche Bahn dazu? Die war ja als Hausherrin bereits bei der Gestaltung mit im Boot. Sogar eine Schutzschicht war aufgebracht worden, um Schmierereien einfacher entfernen zu können. Eine Dame in der Pressestelle, die nur als „eine Bahnsprecherin“ zitiert werden möchte, antwortet auf eine entsprechende Anfrage wie folgt: „Die wiederholt auftretenden Schmierereien sind uns bekannt und führen immer wieder zu Problemen. Wir sind bemüht, diese im Rahmen unseres Tagesgeschäfts zu beseitigen (in der Regel durch Malerarbeiten oder Entfernung). Die Vielzahl der Vorfälle, die wir in den vergangenen Monaten erlebt haben, ist jedoch nicht ‚nebenbei‘ zu bewältigen. Der erwähnte Graffitischutz bedeutet außerdem nicht, dass sich jede Farbe rückstandslos entfernen lässt. Je häufiger gereinigt wird, desto mehr nimmt auch der Schutz ab. Die Kosten für die bisherige Entfernung von kleineren Graffitis lassen sich nicht konkret beziffern.“

Das klingt nicht so, als wäre in den nächsten Tagen mit einem Reinigungskommando aus Saarbrücken zu rechnen. Warum Saarbrücken? In der saarländischen Landeshauptstadt sitzt die für Zweibrücken zuständige so genannte 3-S-Zentrale (Sauberkeit, Sicherheit, Service).

Aber es wird etwas geschehen. Wenn schon nicht das von Zarah Leander mit viel Schmelz herbeigesungene Wunder(r), so doch das „Sofortprogramm“ der Deutschen Bahn. In dessen Rahmen, so die Bahnsprecherin, werde „eine umfassende Sonderreinigung der Bahnsteige und Personenunterführungen erfolgen“. Teil dieses Programmes, wenn auch laut Bahn-Onlineseite nicht Teil der 25 Start-Bahnhöfe, sei der Zweibrücker Hauptbahnhof. „Im Zuge dessen“ (da sage noch jemand, die Bahn habe keinen Humor) würden auch die aktuellen Schmierereien wieder entfernt. „Sag mir quando, sag mir wann?“, möchte man mit Peter Alexander und Caterina Valente fragen. Die Antwort: „Einen konkreten Termin für die Durchführung können wir [...] derzeit noch nicht nennen.“