09.02.2026 - Die Rheinpfalz
„Komplett abgehängt“
Die Bahn will die Strecke von Ludwigshafen nach Saarbrücken generalsanieren. Sechs Monate wird die Trasse im Jahr 2029 vollgesperrt – wenn es sich nicht noch verhindern lässt. Von Christian Clemens
Kaiserslautern. Die Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim ist das Vorbild. 2024 hatte die Deutsche Bahn den 70 Kilometer langen Abschnitt vollgesperrt und erneuert – und ein Jahr nach Abschluss der Arbeiten eine positive Bilanz gezogen. „Die Deutsche Bahn ist dazu übergegangen, Generalsanierungen zu machen“, erläuterte Michael Heilmann, der Direktor des Zweckverbandes Öffentlicher Personennahverkehr Rheinland-Pfalz Süd mit Sitz in Kaiserslautern, vergangene Woche im Stadtrat. Vom Grundsatz sei das eine sinnvolle Idee. Alle Gewerke, an denen auf einer Strecke Arbeiten anstehen, werden gebündelt: Weichen, Gleise, Oberbau, Bahnhöfe, Oberleitungen.
Laut Heilmann wurde das bei der Riedbahn zum ersten Mal so umgesetzt. Es habe einen umfangreichen Schienenersatzverkehr gegeben. Doch man könne die Riedbahn nun mal nicht mit der 136 Kilometer langen Strecke von Ludwigshafen nach Saarbrücken vergleichen. Oberbürgermeisterin Kimmel regt Petition an
Die Strecke möchte die Bahn vom 22. Juni bis 7. Dezember 2029 voll sperren und ebenfalls generalsanieren. Sechs Monate würde dann dort kein Zug rollen. Doch: „Der Weg durch das Neustadter Tal ist für einen Schienenersatzverkehr alles andere als brillant“, betonte Heilmann. Etliche Dinge müssten da berücksichtigt werden, auch schnelle Routen über die Autobahn angeboten werden.
„136 Kilometer sind wahnsinnig viel“, so Heilmann. Deshalb sei man als Verband derzeit in Gesprächen mit der Deutschen Bahn, um darauf hinzuwirken, dass die Sanierung in für Kunden sinnvollen Teilabschnitten umgesetzt wird. „Man muss schauen, dass man nicht ganze Räume abhängt“, so Heilmann. Der Unterstützung des Stadtrates bei diesem Vorhaben kann sich der Verbandsdirektor gewiss sein. „Wir müssen auch als Stadt sehr deutlich machen, dass diese Generalsanierung bedeutet, dass wir komplett abgehängt sein werden. Es gibt von hier aus keine Ausweichstrecken nach Mannheim oder Richtung Saarbrücken. Das würde bedeuten, es geht erstmal nichts mehr“, sagte Holger Munderloh (Grüne). Er stellte zudem die Frage, welche Arbeiten denn eine sechsmonatige Vollsperrung notwendig machten. Schließlich habe es 2006 den S-Bahn-Ausbau gegeben, die Trasse sei für den TGV ertüchtigt worden und im Grunde seit Jahren eine Dauerbaustelle. Eben diese Fragen habe man auch gestellt, erklärte Heilmann. Über jedwede politische Unterstützung sei man daher dankbar. Oberbürgermeisterin Beate Kimmel (SPD) regte daher an, eine Petition abzustimmen, um den Zweckverband im Bemühen zu unterstützen, dass die Arbeiten in Teilabschnitten umgesetzt werden. Kimmel betonte außerdem, dass man „seit vielen Jahren für die Attraktivität dieser Strecke, auch für den TGV“ kämpfe. Man müsse alles unternehmen, dass auch nach einer Generalsanierung an der Strecke festgehalten werden. Die Sperrung dürfe nicht dazu führen, dass Fernverkehr, etwa die TGV-Verbindung nach Paris, dauerhaft über Ausweichstrecken geführt werde. Zellertalbahn soll 2026 in Betrieb gehen
Grünen-Fraktionssprecher Tobias Wiesemann fragte, ob denn die Zellertalbahn Kaiserslautern während der Sperrung an das übrige Schienennetz anschließen könne. Heilmann betonte, dass es Ziel des Verbandes sei, dass die Zellertalbahn in diesem Jahr ihren Betrieb wieder aufnimmt und dann auch in einen täglichen Rheinland-Pfalz-Takt eingebunden werde. Schließlich sei die Strecke eine direkte Verbindung der Städte Worms und Kaiserslautern. Allerdings müsse mit der Bahn jeweils im Detail verhandelt werden, welche Nebenstrecken während einer Generalsanierung die Knotenbahnhöfe noch bedienen könnten. Dafür müssten die Weichen noch funktionieren. Das beträfe mit Blick auf Kaiserslautern nicht nur die Zellertalbahn, sondern beispielsweise auch die Strecke von Pirmasens kommend, so Heilmann: „Unser Ziel ist es, so wenig wie möglich zu sperren.“
Marc Fuchs (CDU) wollte wissen, wie eine ausreichende Kapazität beim Schienenersatzverkehr für Schüler und Pendler bereitgestellt werden soll und ob man auf Erfahrungen der Riedbahn-Sperrung zurückgreifen könne. Die Heimspiele des FCK kämen als weitere Herausforderung hinzu. Heilmann machte deutlich, dass zwar Erkenntnisse der Riedbahn-Sperrung übernommen werden, aber die Strecken geografisch nicht zu vergleichen seien. Wie der Schienenersatzverkehr ausgestaltet werde, hänge auch davon ab, ob es eine Komplettsperrung gebe oder in Teilabschnitten gearbeitet werde. Das werde sich voraussichtlich im Laufe des Jahres klären. Die DB fokussiere sich aktuell auf die Generalsanierungen der rechten Rheinstrecke 2026 und der linken Rheinstrecke 2028, vor der Bundesgartenschau 2029 im Oberen Mittelrheintal. Bis Anfang der 2030er Jahre plane die Bahn jährlich zwei bis drei solcher großen Generalsanierungen in ganz Deutschland. Bei allen Belastungen hätten die Arbeiten auch einen positiven Aspekt: „Die wenigen Bahnsteige, die noch nicht barrierefrei ausgebaut sind, werden dann ausgebaut“, sagte Heilmann. Das sei eine gute Nachricht für den Einsiedlerhof, betonte Moritz Behncke (SPD), der dort lebt. Dort kämpfe man schon lange für den barrierefreien Ausbau.