12.10.2025 - Pfälzischer Merkur
Dampflok-Nostalgie trifft auf S-Bahn-Euphorie
Zweibrücken · Am Samstag ist am Zweibrücker Hauptbahnhof die Wiederbelebung der Strecke nach Homburg gestartet und das 150-jährige Bestehen der Eisenbahnverbindung nach Landau gefeiert worden. Von Rainer Ulm
Die Weichen für die Reaktivierung des 1991 stillgelegten und teilweise demontierten gut elf Kilometer langen Streckenabschnitts zwischen Zweibrücken und Homburg wurden bereits vor einiger Zeit gestellt. Nun, an diesem Samstag, gaben die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger und ihr rheinland-pfälzischer Amtskollege Alexander Schweitzer (beide SPD) sozusagen das Abfahrtsignal. Dem symbolischen Akt wohnten hunderte von Eisenbahnfreunden von nah und fern bei. Er markiert den Start der Arbeiten an der Verlängerung der S-Bahn-Linie S 1, die wieder eine direkte Verbindung zwischen den beiden Städten herstellen wird – und zwar im Einstunden-Takt. Bahnverbindung 1857 eingerichtet
Rückblende: Die im Jahr 1857 als Anschluss an die einst von Ludwigshafen bis nach Bexbach führende Pfälzische Ludwigsbahn in Betrieb genommene Strecke zwischen Homburg und Zweibrücken war mit der Betriebseinstellung im Jahr 1989 und der Stilllegung des Teilstücks von Homburg bis Einöd im Jahr 1991 unterbrochen worden. Damit war die direkte Verbindung zwischen Rheinland-Pfalz und dem Nachbarland – zumindest an dieser Stelle – vorerst Geschichte. Bestehen blieb die Bahnstrecke von Zweibrücken nach Saarbrücken sowie die Strecke nach Landau, die im Jahr 1875 in Betrieb gegangen war. Weshalb am vergangenen Wochenende auch deren 150-jähriges Bestehen gefeiert wurde.
Seit den 90ern Ringen um Reaktivierung
Bereits kurz nach dem Aus für die direkte Zugverbindung zwischen den beiden Städten, also vor fast drei Jahrzehnten begannen die Diskussionen über das Für und Wider einer möglichen Reaktivierung der Bahnlinie. Es gab ab und an in dieser Angelegenheit auch Verhandlungen auf höherer politischer Ebene, bei denen zumeist die Vertreter des Saarlandes im Bremserhäuschen saßen. Von Anfang an dabei waren auch die Eisenbahnfreunde des Vereins zur Förderung des Schienenverkehrs in und um Zweibrücken, die unbedingt erreichen wollten, dass die Strecke wiederbelebt wird. „Wir haben uns immer gewundert, warum diese Strecke dichtgemacht wurde“, sagte der Vereinsvorsitzende Bernhard Marschall am Samstag im Gespräch mit unserer Zeitung. „Sie war doch mal die Lebensader für Zweibrücken.“ Um so mehr freue er sich, dass man mit der Streckenreaktivierung „endlich zur Realität zurückkehrt“, sagte der 72-Jährige.
Wosnitza würdigt Schienenfreunde
Die schier unermüdliche Arbeit der Vereinsmitglieder lobte während des Festakts am Samstag Zweibrückens Oberbürgermeister Marold Wosnitza (SPD) mit den Worten: Sie hätten „nie aufgegeben“ und die Stadtverwaltung ständig gedrängt, „uns noch mehr ins Zeug zu legen, die Reaktivierung auf den Weg zu bringen – und das mit einer Penetranz, die schon wehgetan hat“. Ohne den „Anschub“ durch diesen Verein, hätte „das Ganze“ wohl noch länger gedauert, war sich Wosnitza „hundertprozentig“ sicher. Um sich dann sofort „riesig“ zu freuen: „Heute ist für uns ein großer Tag, auf den wir lange gewartet haben.“ Weil die Reaktivierung der Bahnstrecke „mehr als ein Verkehrsprojekt“ sei: „Sie ist ein Signal für die Zukunft der Region“, betonte der Verwaltungschef. Die wiederbelebte Strecke stärke den Wirtschaftsstandort Zweibrücken, unter anderem „weil es die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer“ entlaste, die täglich zwischen Saarland und Rheinland-Pfalz „rein und raus pendeln“. Und nicht zuletzt könnten die hiesigen Fußballbegeisterten künftig „auf den Betze nach Kaiserslautern fahren, ohne umzusteigen“, sagte der Oberbürgermeister.
Erste Züge ab Dezember 2028
Ja, auf der saarpfälzischen Strecke, die größtenteils auf saarländischem Gebiet verläuft, werden bald wieder Züge rollen – voraussichtlich ab Dezember 2028. Auf der dann elektrifizierten Bahnlinie soll auch ein moderner S-Bahn-Triebwagen zum Einsatz kommen, der ebenfalls am Samstag vorgestellt und von Oberbürgermeister Wosnitza am Gleis 1 mit ein paar kräftigen Spritzern aus einer Sektflasche auf „Zweibrücken“ getauft wurde. Unmittelbar vor der Taufe hatte der Mainzer Regierungschef den hinter dem Führerstand auf rotem Grund prangenden Namen samt Wappen der Rosen- und Rosse-Stadt enthüllt. Eine Deutschland-Premiere: Laut DB ist es das erste Mal, dass ein Fahrzeug den Namen einer Stadt trägt, die ans S-Bahn-Netz angebunden wird. Bei dem „Täufling“ handelt es sich übrigens um einen frisch lackierten und mit einem übergroßen S-Bahn-Signet aufgepeppten Elektrotriebzug der Baureihe ET 425, der nach Bahn-Angaben im S-Bahn-Netz Rhein-Neckar mehr als 3,4 Millionen Kilometer zurückgelegt hat – was etwa 86 Erdumrundungen entspricht./p>
Startschuss für Arbeiten
Ministerpräsident Schweitzer nannte die Wiederbelebung der Bahnstrecke von Zweibrücken nach Homburg „ein Projekt, das Regionen verbindet“. Und er war sich sicher: „Die Menschen wollen umsteigen, wenn es ihnen attraktiv gemacht wird.“ Amtskollegin Rehlinger frohlockte: „Was lange währt, wird endlich gut.“ Es sei „ein wichtiges Projekt, das für die hervorragende Zusammenarbeit des Saarlandes und des Landes Rheinland-Pfalz steht“. Und die Regierungschefin stellte dazu fest: „Wer Fahrgastzahlen verdoppeln will, muss die Menschen im wörtlichen Sinne irgendwo abholen.“ Gleichwohl räumte die Saarländerin ein, dass es „bei diesem Projekt einige Fragen zu klären“ gegeben hatte: „Denn die Begeisterung dafür war unterschiedlich ausgeprägt – in einigen Landesteilen ist sie es immer noch.“ Aber das Vorhaben werde, hoffte die Ministerpräsidentin, „wenn es gestartet ist, vielleicht noch die letzten Zweifler überzeugen können“.
Kosten von rund 80 Millionen Euro
Den Realisierungs- und Finanzierungsvertrag über die Reaktivierung des Streckenabschnitts hatten Vertreter der beiden betroffenen Bundesländer, der Bahn und der Verkehrsverbünde im August vergangenen Jahres unterzeichnet (wir berichteten). Demnach belaufen sich die Kosten für das Infrastrukturprojekt auf rund 80 Millionen Euro, wovon Rheinland-Pfalz, das Saarland und der Zweckverband Verkehrsverbund Rhein-Neckar vereinbarungsgemäß zusammen zehn sowie der Bund den Mammutanteil von 90 Prozent übernehmen. Hingegen sollen die Betriebskosten der nächsten 20 Jahre nach Inbetriebnahme unter den beiden Bundesländern aufgeteilt werden.
Nach Angaben des Konzernbevollmächtigten der Deutschen Bahn (DB) für Rheinland-Pfalz und das Saarland, Klaus Vornhusen, werden ab April 2026 auf der Strecke konkret sieben Kilometer Oberbau, je fünf Bahnüberführungen und Bahnübergänge errichtet, elf Kilometer Oberleitung angebracht, zwei Weichen eingebaut, drei Haltepunkte verlegt sowie – nicht zuletzt – die Bahnsteige in Zweibrücken auf S-Bahn-Niveau erhöht. Doch seit der Vertragsunterzeichnung im August 2024 habe sich bereits einiges getan, unterstrich Vornhusen. So seien in der Gemarkung Homburg auf 6760 Quadratmetern Totholzhaufen als Winterquartiere für artgeschützte Tiere angelegt worden – „bevor man Eisen und Schotter verbaut“, erläuterte der DB-Bevollmächtigte. Inzwischen seien 868 Mauereidechsen und ganze zwölf Haselmäuse gefunden und umgesiedelt sowie ein 4,5 Kilometer langer Reptilienschutzzaun gezogen worden.
„Rückschnittarbeiten“ ab Dezember
Mit den notwendigen „Rückschnittarbeiten“ an dem stillgelegten Gleis auf der über die Jahrzehnte hinweg zugewachsenen „Strecke 3283“ zwischen der Homburger Stadtgrenze und Einöd werde im Dezember begonnen. Und ab April 2026, so Vornhusen, werde zunächst „an Weiche 100“, dem Abzweig nach Zweibrücken hinter dem Homburger Hauptbahnhof, gearbeitet: „Anschließend kommen alle Abschnitte zwischen besagter Weiche und Einöd dran. Im November 2026 wird damit angefangen und dort bis Dezember 2028 gearbeitet“, kündigte der DB-Bevollmächtigte an. Und Vornhusen war zuversichtlich: Bei der Inbetriebnahme der Linie Ende 2028 „werden all die Mühen der Vergangenheit vergessen sein“.