12.10.2025 - Die Rheinpfalz

Dampflok und Zugtaufe: Großer Bahnhof für Start der Strecken-Wiederbelebung

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Gerhard Müller
Ab Ende 2028 soll die S-Bahn zwischen Zweibrücken und Homburg rollen. Am Samstag machten zwei Ministerpräsidenten und eine Dampflok schon mal tüchtig Werbung.

Die Schaulustigen kamen zu Hunderten – darunter viele Papas mit dem Sohnemann an der Hand –, um bloß nicht die Einfahrt der Dampflok in den Zweibrücker Hauptbahnhof zu verpassen. Chronisten aus Zeiten, als solche qualmenden Ungetüme bei Deutschlands Eisenbahnen noch Standard waren, hätten die Zweibrücker Bahnsteige am Samstagnachmittag als „schwarz vor Menschen“ bezeichnet.

Dicht und vielstimmig drängten sich die Besucherscharen auf engem Raum, lautstark beschallt von der Dixie-Kapelle „Wandermusikanten“. Da ging in all dem Trubel der offizielle Akt fast ein wenig unter, zu dem der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer und seine saarländische Amtskollegin Anke Rehlinger an den Zweibrücker Hauptbahnhof gereist sind. Waren die an diesem Tag angebotenen Dampfzug-Fahrten als Teil des Jubiläums „150 Jahre Eisenbahnen in der Südwestpfalz“ gedacht, trafen sich die beiden Länderchefs, um hier den Startschuss für die Bauarbeiten zur Reaktivierung der Schienenstrecke von Zweibrücken nach Homburg zu geben. Diesen Startschuss symbolisierte die Taufe eines S-Bahn-Zuges auf den Namen „Zweibrücken“. Gemeinsam enthüllten Schweitzer und Rehlinger den Namensschriftzug der Lok, und Oberbürgermeister Marold Wosnitza bespritzte das Zugfahrzeug mit Sekt aus einer geschüttelten Flasche. So, wie man das von der Siegerehrung bei Formel-1-Rennen her kennt.

Immer noch Skepsis im Saarland

Alles andere als rasant hatte sich die Vorgeschichte der Bahnreaktivierung abgespielt. Seit 1999 stillgelegt, erwies sich der Schienenstrang über viele Jahre hinweg als Prüfstein für die saarländisch/rheinland-pfälzische Zusammenarbeit. Selbst nachdem sich die Mainzer Landesregierung bereiterklärt hatte, große Teile der Finanzierung auch auf saarländischem Boden zu übernehmen, blieb die Skepsis jenseits der Landesgrenze lange groß. Was Anke Rehlinger beim Festakt am Samstag zugab: „Ja, bei diesem Projekt war die Begeisterung unterschiedlich stark ausgeprägt. Und ja, es hat lange gewährt. Aber es wird gut. Davon bin ich überzeugt.“

Noch immer, so die Ministerpräsidentin, gebe es „im Saarland Leute, die die Streckenreaktivierung ablehnen. Ich habe dafür wenig Verständnis.“ Wer aus Eigensinn gegen ein Verkehrsprojekt sei, das die Menschen und Wirtschaftsräume zusammenführe, der handle „unverantwortlich“, so Rehlinger. „Ich bin dankbar dafür, dass wir die Finanzierung zusammen hinbekommen haben.“

Ab Ende 2028 soll die S-Bahn im Stundentakt von Homburg nach Zweibrücken fahren und damit die Südwestpfalz an den Raum Kaiserslautern und die Metropolregion Rhein-Neckar anbinden. Geplant ist, dass künftig täglich 17 Züge hin und zurück pendeln. Die Reaktivierung der Zweibrücker Schienenstrecke verlängert die S-Bahnlinie S1 über Homburg hinaus bis in die Südwestpfalz. Im Fahrplan wird dafür die Zeitspanne genutzt, in der der Zug bislang im Homburger Hauptbahnhof stillsteht. Schweitzer: Das sollte uns die Kosten wert sein

„Deutschland wartet auf ein Update seiner Infrastruktur“, zeigte sich Alexander Schweitzer überzeugt, „dass dieses bedeutende länderübergreifende Bahnprojekt unsere gemeinsame Region stärkt“. Der Ministerpräsident sprach von einem „Plus an Mobilität“ und einem „emotionalen Signal an die Region und die Beschäftigten beiderseits der Ländergrenze. Das sollte uns die Kosten wert sein.“

Diese sind auf 78 Millionen Euro veranschlagt. 90 Prozent werden vom Bund übernommen; den Rest teilen sich Rheinland-Pfalz und das Saarland sowie der ÖPNV-Zweckverband Rheinland-Pfalz Süd und der Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) .

Informationsveranstaltung in Zweibrücken

Die Deutsche Bahn, so deren Bevollmächtigter Klaus Vornhusen, werde demnächst in Zweibrücken zu einer Informationsveranstaltung einladen, um die Bürger mit den baulichen Details und dem Zeitplan für die Strecken-Wiederbelebung vertraut zu machen. Er ließ durchblicken, dass man bei Homburg auf 6760 Quadratmetern Fläche entlang der Saarbrücker Straße Haufen aus Totholz aufgeschichtet habe, in die man rechtzeitig vor dem Winter „868 Mauereidechsen und zwölf Haselmäuse“ vom Baustellenbereich umgesiedelt habe. „Zudem haben wir dort 4,5 Kilometer Reptilienschutzzaun gezogen. Sie sehen also, wie ernst wir auch den Naturschutz nehmen.“ Im Dezember werde damit begonnen, Gestrüpp von den zugewucherten 6,3 Kilometern Gleis zwischen Homburg und Einöd zu schneiden. Vornhusen hegt keinen Zweifel daran, dass die S-Bahn wirklich wie geplant ab Dezember 2028 von und nach Zweibrücken rollt.

Bis dahin werde man den Streckenverlauf von Homburg über Einöd bis nach Zweibrücken mit elektrischen Oberleitungen bestückt haben. In den beiden Nachbarstädten sowie im Bahnhof Einöd werde die Leit- und Sicherungstechnik angepasst; hinzu kommt der Neubau eines elektronischen Stellwerks in Einöd. Auf Homburger Seite werden die Haltepunkte Beeden und Schwarzenacker wiederbelebt. Die Station Einöd ist für den Umbau zum Umsteigebahnhof mit Mittelbahnsteig vorgesehen. Im Zweibrücker Hauptbahnhof soll der Bahnsteig 1 erhöht werden.

Zug „Zweibrücken“ ist kein Neubau

Mit der Taufe des Triebwagens „Zweibrücken“ hat erstmals ein Eisenbahnzug den Namen einer Stadt erhalten, deren Anbindung ans S-Bahn-Netz Rhein-Neckar noch in der Zukunft liegt. Fabrikneu ist das Schienenfahrzeug ET 425 319 aber nicht: Bereits seit August 2004 als S-Bahn zwischen Homburg und Osterburken unterwegs, hat der Zug, der jetzt „Zweibrücken“ heißt, schon mehr als 3,4 Millionen Kilometer zurückgelegt. Das entspricht etwa 86 Erdumrundungen.

Vor seiner Taufe wurde der Zug aufgefrischt und mit Namen und Wappen der Rosenstadt verziert. Im Innern gab es kleinere Überarbeitungen und einige neue Bildmotive.

Umstellung auf Elektrobetrieb

Nach Angaben des Nahverkehrs-Zweckverbandes Rheinland-Pfalz Süd werden bis zur Betriebsaufnahme der S-Bahn nach Zweibrücken die Bahnverkehre in der Südwestpfalz fast vollständig auf elektrischen Zugbetrieb umgestellt. Bis auf die saisonalen Züge ins Wieslautertal im Dahner Felsenland sollen dann alle Regionalbahnen rund um Pirmasens und Zweibrücken mit batterieelektrischen Zügen fahren. Zwischen Zweibrücken und Pirmasens sollen bereits ab Mitte 2026 erste Akkuzüge der Herstellerfirma Stadler rollen.