30.11.2024 - Saarbrücker Zeitung -
Zum ArtikelDroht bald Bahnchaos im Saarland?
Saarbrücken • In den kommenden Jahren will die Bahn die Strecke Forbach nach Ludwigshafen sanieren – unter Vollsperrung. Wird rechtzeitig nach sinnvollen Alternativen für Bahnreisende gesucht? Es gibt Zweifel. Von Eric Kolling Redakteur
In der zweiten Hälfte des Jahres 2028 droht dem Saarland ein großes Problem in Sachen Bahnverkehr: Zwischen 7. Juli und 8. Dezember will die Deutsche Bahn im Rahmen ihrer Netz-Generalsanierung auch den „Hochleistungskorridor“ Forbach-Ludwigshafen beackern. Heißt: Im Saarland wird dann die Route zwischen Saarbrücken und Mannheim monatelang voll gesperrt, das Land vom schnellen Zugverkehr ein gutes Stück abgekoppelt. Müssen Bahnreisende dann gar ewig mit dem Bus von Saarbrücken nach Mannheim tuckern, um zum Anschluss-ICE zu kommen?
Vollsperrung von vermutlich fünf Monaten
Nach ersten Plänen hatte das Verkehrsunternehmen die zweite Jahreshälfte 2029 für die Maßnahme im Saarland angepeilt, Ende Oktober datierte es sie in einer Meldung um ein Jahr auf 2028 vor. Wegen europäischer Richtlinien muss die ausführende Bahntochter DB Infra-Go baubedingte Kapazitätseinschränkungen rechtzeitig anzeigen. Inzwischen läuft eine einjährige Konsultationsphase, in der die Eisenbahnverkehrsunternehmen zu den Plänen Stellung nehmen können.
Einer, der fürchtet, dass die vermutlich fünfmonatige Vollsperrung in dreieinhalb Jahren „völlig überraschend“ daherkommen könnte, ist Peter Schehl. Er engagiert sich seit vielen Jahren in Bahnangelegenheiten, vor allem für die Reaktivierung der Strecke zwischen Homburg und Zweibrücken. Diese soll im Dezember 2028 in Betrieb gehen. Einen entsprechenden Finanzierungsvertrag haben kürzlich Rheinland-Pfalz, Saarland, DB AG und beteiligte Verkehrsbetriebe unterschrieben
Vordatierung macht ihm Sorgen
Dann hätte es über 20 Jahre gedauert, bis diese Idee umgesetzt ist, die vor der Sommermärchen-WM 2006 geboren wurde. Schehl hat das alles miterlebt und kennt bestens die Verzögerungen, Unsicherheiten und Unwägbarkeiten, die mit Bahn-Projekten einhergehen. Insbesondere die Vordatierung der Sanierung im Saarland von 2029 auf 2028 macht ihm Sorgen. Denn das Einrichten einer Regional-Express-Verbindung von Saarbrücken über Neunkirchen, Homburg, Zweibrücken, Pirmasens Nord und Landau zum ICE-Haltepunkt Karlsruhe wäre in seinen Augen für das Saarland und die Südwestpfalz eine Zugangs-Option zum ICE-Verkehr Richtung Süden und Südosten. Schehl: „Dass jedoch schon bis Juli 2028 die Schienenverbindung Homburg nach Zweibrücken wieder in Betrieb ist und damit die geplante S-Bahn wirklich fährt, das ist nach den vielen Verzögerungen und Erfahrungen der letzten zwei Jahrzehnte fraglich, es steht in den Sternen.“
Was die Sanierung im Saarland für die Bahnfahrer bedeutet, ist laut Bahn völlig offen. Valide Details könnten voraussichtlich erst ein Jahr vor Beginn der Arbeiten vorgestellt werden. Ein Konzept werde „gemeinsam mit allen Beteiligten sukzessive konkretisiert und detailliert ausgearbeitet“. Dazu gehöre auch, dass Szenarien mit Kommunen und weiteren Beteiligten geplant würden. Ziel: Rechtzeitig im Vorfeld gemeinsam entwickelte, tragfähige Konzepte zu haben, damit Fahrgäste während der Bauphasen mit öffentlichen Verkehrsmitteln mobil bleiben und Güter weiter an ihre Ziele gelangen
Das sagt die Deutsche Bahn
Eine Bahnsprecherin betont vor allem die Vorteile einer Generalsanierung. „Anstatt vieler kleinerer Baustellen und Reparaturen erneuert die DB sämtliche Gewerke gebündelt in einer konzertierten Aktion: Von Gleisen und Weichen über Oberleitungen, Signaltechnik, Brücken und Bahnübergänge bis zu den Stationen und Bahnsteigen wird einmal alles komplett überholt und auf den neusten Stand gebracht. Größere Bauarbeiten sind über mehrere Jahre hinweg nicht mehr erforderlich“, schreibt die Sprecherin. Störungen auf sanierten Korridoren reduzierten sich deutlich. Seit Juli wird als Pilotprojekt die Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim entsprechend saniert. Am 14. Dezember soll sie fertig sein. Bahn-Aktivist Peter Schehl widerspricht, es werde nicht alles komplett überholt. Vielmehr würden nicht mehr aufschiebbare Baumaßnahmen zusammen ausgeführt. Die gleichzeitige Koordination der Gewerke und mögliche Störungen auf Umleitungsstrecken könnten schnell zu einem Verkehrschaos führen.
Siehe auch: Baustelle 2029