20.12.2024 - Die Rheinpfalz -
Nach Schulschluss kein Weg nach Hause
Weil keine Züge fuhren, mussten mehr Schüler aus Contwig und Dellfeld auf Busse umsteigen als sonst. Die waren dann oft so voll, dass viele Kinder nicht mitgenommen wurden. Von Gerhard Müller
Contwig/Dellfeld/Zweibrücken. Mehrfach sind Contwiger Kinder in den vergangenen Wochen nach Schulschluss in Zweibrücken nicht mehr in ihren Bus gekommen. Was zum Beispiel nach der sechsten Stunde im Hofenfels-Gymnasium oder in der Mannlich-Realschule Plus der Fall war. War der Bus der Linie 240 voll, schloss der Fahrer die Türen. Schüler, die im Fahrzeug keinen Platz mehr fanden, wurden draußen stehengelassen. Das Busunternehmen sagt, es habe keine andere Wahl gehabt. Der Ursprung des Problems liegt bei der Bahn und den Fahrplänen der Ersatzbusse entlang der Strecke, die anstelle der Züge fuhren.
Die Kinder aus dem Schwarzbachtal kommen normalerweise mit dem Zug nach Zweibrücken in die Schule. Doch als die Züge zwischen Zweibrücken und Pirmasens Anfang Dezember wegen Bauarbeiten ausfielen, wichen die Kinder aus Contwig, Stambach und Dellfeld auf die Busse der Linie 240 Zweibrücken-Pirmasens aus. Die Bahn hatte zwar anstelle der Züge Busse eingesetzt, die fuhren aber zu anderen Zeiten ab als die Züge, weil die Busse für die Strecke länger brauchen. Dadurch passten die Zeiten für die Schüler nicht mehr. „Denn die Schienenersatzbusse, die die Bahn bereitstellt, sind in Zweibrücken oft zu Uhrzeiten abgefahren, als der Unterricht noch nicht vorbei war“, hat Andreas Rauch von Klagen betroffener Schüler und deren Eltern erfahren. Er ist der Sprecher der Busgesellschaft QNV. Die betreibt über ihr Tochterunternehmen Regionalbus Zweibrücken GmbH (RBZ) das Linienbündel Zweibrücken-Umland.
Ersatzbusse richten sich nicht nach dem Schulschluss
„Für die Zugreisenden, die etwa von Pirmasens nach Saarbrücken unterwegs sind, muss der Ersatzverkehr entlang der gesperrten Gleise entsprechend früher losfahren, damit die Leute in Zweibrücken rechtzeitig Anschluss an die Bahn haben. Die fährt von dort ja fahrplanmäßig nach Saarbrücken ab“, erklärt Rauch. Weil Busse länger als Züge unterwegs sind, seien in Zweibrücken die Bahnersatzbusse nach Pirmasens schon losgefahren, als die Contwiger Schüler noch in der Rosenstadt im Klassensaal saßen.
Was wiederum dazu führte, dass nach Schulschluss mehr Contwiger und Dellfelder Schüler in den Bus der RBZ-Linie 240 nach Pirmasens drängten, als dieser aufnehmen konnte. Die Leidtragenden waren vor allem die Hofenfels- und Mannlich-Schüler aus dem Schwarzbachtal. Denn als die Busse der Linie 240 an deren Haltestelle ankam, waren die Busse voller als sonst, weil auch Schüler des Helmholtz-Gymnasiums drinsaßen, die normalerweise den Zug genommen hätten.
Andreas Rauch erinnert daran, dass ein Bus seine zulässige Passagier-Höchstkapazität nicht überschreiten darf. „Wir sind von der Kreisverwaltung bestellt, um eine bestimmte Personenanzahl von A nach B zu transportieren. Leider richtet sich der Schienenersatzverkehr der Deutschen Bahn nicht nach den Schulschlusszeiten, sondern nach dem Fahrplan der Zuglinie. Dann drängen Schüler, die sonst den Zug nehmen, deren Ersatz-Bahnbus aber schon abgefahren ist, in unsere RBZ-Busse. Die sind aber nur für etwa 90 bis 100 Personen ausgelegt“, erklärt der Sprecher. „Und wenn die Kinder alle einen Rucksack oder Ranzen auf dem Rücken tragen, ist unser Bus schon mit 85 Passagieren voll.“ Dann dürfe man jene Schüler, die vor der Tür noch warten, nicht mehr mitnehmen.
Das Busunternehmen dürfe seine Fahrzeuge nicht überfüllen, also so vollstopfen, „dass wir in die Illegalität kommen“, wie Rauch es ausdrückt. Zu solch kritischen Zeiten einfach einen zusätzlichen Bus auf die Reise zu schicken, gehe aber auch nicht: „Das wäre über unseren Beförderungsauftrag vom Landkreis Südwestpfalz nicht abgedeckt.“
Deutsche Bahn bittet um rechtzeitige Informationen
Und die Deutsche Bahn? Könnte die zu Stoßzeiten nicht einen zweiten Schienenersatzbus fahren lassen? Im Gespräch mit der RHEINPFALZ beteuert die Frankfurter Bahnsprecherin, dass das Unternehmen darauf achte, „sowohl die Interessen unserer Bahnkunden als auch die Schülerverkehre zu berücksichtigen“. Gebe es aber „einmal Grund zu Beanstandung“, bitte die Bahn zumindest für die Zukunft um genaue Nennung des Orts und der betreffenden Schule, um Hinweise an die zuständigen Kollegen weitergeben können. Weil in den vergangenen Wochen auch am Bahnübergang in Falkenbusch gearbeitet wurde, hatten die Busse die Haltestelle am dortigen Bahnhof nicht angefahren.
21.12.2024 Kommentar von Thomas Büffel: Ich bin der Meinung, ... dass man Kinder nicht
in der Kälte stehen lässt. Kinder stehen nach der Schule an der Haltestelle, kommen nicht heim, weil der Bus zu voll ist, und niemand hat was falsch gemacht. Das gibt es, wie wir gestern berichtet haben. Weil Anfang Dezember Züge ins Schwarzbachtal ausfielen, hat die Bahn Ersatzbusse eingesetzt. Die brauchten für die Strecke zwischen Zweibrücken und Pirmasens länger, so dass die Abfahrtszeiten nicht mehr auf den Schulschluss abgestimmt waren. Schüler aus der Innenstadt, die normalerweise den Zug nehmen, wichen dann nicht auf die Ersatzbusse aus, sondern auf die Buslinie 240, auf die auch die Schüler vom Hofenfels und der Mannlich-Realschule angewiesen sind. Dort war der Bus dann aber so voll, dass der Fahrer irgendwann keinen mehr reinließ. Darf er auch nicht. Wäre ein Unfall passiert, wäre der Fahrer in Teufels Küche gekommen.
Die Bahn hat für Ersatzbusse gesorgt, die sich nach dem Zugfahrplan richten. Und nach Aktenlage alles richtig gemacht. Nutzt dem Schulkind aber nichts, das hungrig in der Kälte steht und eine Stunde später heimkommt. Dass die Busse viel länger brauchen als die Züge, darauf weist die Bahn schon selbst hin. Es war also klar, dass sie entweder zu früh oder zu spät abfahren. Nicht klar war der Bahn, welche Auswirkungen das vor Ort hat.
Es ist wie mit den Baustellen zwischen Zweibrücken und Homburg. Die Ampel in Ernstweiler war Sache von Rheinland-Pfalz, die gesperrte Brücke bei Einöd Sache des Saarlandes, und die Lärmschutzwand auf der Autobahn, die baut der Bund. Da hat jeder für sich alles richtig gemacht, und der eine kann nichts dafür, wenn’s bei dem anderen länger dauert. Nutzt aber den Autofahrern nichts, die jeden Tag im Stau stehen.