04.12.2024 - Die Rheinpfalz -
Stundentakt für die Zellertalbahn rückt näher
Gutachten ergibt sehr gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis – Neue Direktzüge Kaiserslautern–Mainz über die Alsenzbahn ab 3. Februar Von Eckhard Buddruss
Neustadt. Die Pläne für eine Vollintegration der Zellertalbahn in den Rheinland-Pfalz-Takt bekommen Rückenwind durch eine neue Nutzen/Kosten-Untersuchung.
Bei der Versammlung des für den öffentlichen Nahverkehr in der Pfalz zuständigen Zweckverbands, die am Dienstag im Neustadter Rathaus stattfand, wurde eine neue Machbarkeitsstudie vorgestellt. Matthias Auth vom Unternehmen ZIV in Darmstadt, erläuterte die wichtigsten Ergebnisse. Die Voraussetzung dafür, dass das Projekt weiterverfolgt wird, ist ein Wert von über 1. Das Vorhaben, die Eistalbahn zwischen Eiswoog und Enkenbach zu reaktiveren, war jüngst an dieser Hürde gescheitert.
Dagegen führte die Untersuchung für die Zellertalbahn, die einen Stundentakt zwischen Worms und Kaiserslautern zugrunde legt, in zwei Varianten zu einem hervorragenden Ergebnis. In der Variante , die einen Betrieb mit Dieseltriebwagen vorsieht, wurde ein Wert von 1,86 erreicht, die Variante mit Akku-Hybrid-Triebwagen kam trotz etwas höherer Invest-Kosten sogar auf 2,03. Dieser Wert, der sich nicht zuletzt durch das Potenzial der Strecke für den Güterverkehr erklärt, ist noch besser als der, der vor gut einem Jahr für das Südpfälzer Reaktivierungsprojekt Landau–Germersheim ermittelt wurde.
Für Dietmar Seefeldt (CDU), der am Dienstag in Neustadt einstimmig zum neuen Vorsteher des Zweckverbands gewählt wurde, sind diese beiden Reaktivierungsprojekte ein Schwerpunkt seiner künftigen Arbeit. Während die Strecke zwischen Landau und Germersheim abschnittsweise für einen touristischen Draisinenbetrieb genutzt wird und ansonsten nicht befahrbar ist, rückt bei der Zellertalbahn immerhin eine Wiederaufnahme des Ausflugsverkehrs näher, für den die Strecke 2001 reaktiviert worden war. Seit 2017 war die Strecke nicht befahrbar. Nachdem die Landesregierung 2020 Mittel für die Erneuerung der Gleisanlagen bewilligt hatte, wurde schon einiges in die Strecke investiert. Noch nicht erfolgt ist eine automatisierte Sicherung der Bahnübergänge. Bis dieses Problem gelöst ist, wird es zunächst nur einen Ausflugsverkehr geben.
Mittelfristig könnte die Zellertalbahn eine wichtige Rolle als Umleitungs- und Entlastungsstrecke spielen, vor allem bei Bauarbeiten auf der Hauptstrecke von Neustadt nach Kaiserslautern. Eine monatelange Totalsperrung der Strecke von Ludwigshafen über Saarbrücken nach Forbach wird von der Deutschen Bahn (DB) neuerdings für die zweite Jahreshälfte 2028 angepeilt. Die Finanzierung dieses Großbaustellenprojekts ist aber bisher noch völlig ungeklärt.
Die ungeklärte Finanzierung ist auch das zentrale Problem bei der Zukunft des Deutschlandtickets. Seefeldt hofft, dass sich Bund und Länder im kommenden Jahr auf eine vernünftige Lösung einigen, um das „Erfolgsmodell Deutschlandticket“ fortzusetzen. Ähnlich sieht das auch Fritz Brechtel (CDU), sein Vorgänger an der Spitze des Zweckverbands. Brechtel meint zwar, dass es besser gewesen wäre, erst einmal in die Verbesserung der Infrastruktur zu investieren. Nachdem man das Deutschlandticket aber eingeführt habe und es zu einem „Riesenerfolg“ geworden sei, wäre eine Abschaffung für niemand nachvollziehbar. Brechtel meint, dass auch beim Preis nach der für 2025 beschlossenen Erhöhung von bisher 49 Euro auf 58 Euro monatlich „nicht mehr viel Luft nach oben“ sei.
Die wegen Personalmangels bei der Deutschen Bahn (DB) mehrfach verschobene Einführung zusätzlicher Direktzüge von Kaiserslautern nach Mainz über die Alsenzbahn ist nun für 3. Februar vorgesehen. Derzeit gibt es nur ein direktes Zugpaar zwischen Kaiserslautern und der Landeshauptstadt. Hinzu kommen sollen montags bis freitags drei Züge von Kaiserslautern nach Mainz und vier in der Gegenrichtung. Leitartikel