24.11.2024 - Die Rheinpfalz -
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Unter Denkmalschutz: Der imposante Bahnhof ziert die Poststraße

Von Maria Rimbrecht
Es ist eines der schönsten Zweibrücker Gebäude: das Bahnhofsgebäude in der Poststraße. 1872/73 wurde es nach dem Deutsch-Französischen Krieg im klassizistischen Stil erbaut. Die zentrale Empfangshalle in der Mitte hatte zwei Geschosse. Sie wurde von zwei zweigeschossigen Flügelbauten umrahmt. Der Bahnhof trug 70 Jahre lang nur den Namen „Zweibrücker Bahnhof“.

Viele ältere Zweibrücker wissen, dass der Bahnhof in der Poststraße nicht der erste in Zweibrücken war. Dieser befand sich nämlich in der Dinglerstraße gegenüber der Maschinenfabrik von Christian Dingler. Die erste Bahnstrecke wurde von der Pfälzischen Ludwigsbahn-Gesellschaft gebaut und führte ab 1857 von Zweibrücken nach Homburg. Die elf Kilometer lange Strecke gehörte zu den ältesten in der damaligen Rheinpfalz. Sie war zweigleisig und nur eine Stichstrecke, es gab keine Anschlussmöglichkeit. Trotzdem war sie für die Wirtschaft von großer Bedeutung. Die Zweibrücker waren hocherfreut, dass sie endlich eine Eisenbahn hatten und feierten das mit einem Umzug und einem Festball. Nun schlug nicht nur die Kirchenuhr den Zweibrückern die Stunde, sondern auch eine Bahnhofsuhr.

In einem Bogen um die Stadt herum

13 Jahre später – mit dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 – hatte sich vieles geändert. Nicht nur die neue Waffentechnik und die Industrie hatten im Krieg eine bedeutsame, eine wichtige Rolle gespielt, sondern auch die Eisenbahnen mit ihren schnellen Transportmöglichkeiten. Zudem änderte sich nach dem Sieg über Frankreich auch die Lage im Grenzgebiet. Das Elsass und Teile Lothringens wurden dem Deutschen Reich angeschlossen und es wurden immer mehr Eisenbahnlinien gebaut. Die Stadt war sich ihrer neuen Bedeutung bewusst: Man wollte einen neuen Bahnhof. Aber wo? Schließlich wurde man fündig: Zwischen der Stadt und Bubenhausen gab es ein geeignetes Wiesental. Allerdings musste dort die Bahnlinie in einem Bogen um die Stadt herumgeführt werden. So entstand der allseits bekannte Eisenbahneinschnitt.

Schon vor der Inbetriebnahme neuer Strecken – direkt nach dem Sieg über Frankreich – war das beeindruckende Bahnhofsgebäude gebaut worden: ein Zeugnis des neuen Machtbewusstseins. Im imposanten Empfangsgebäude gab es eine Vorhalle mit drei Türen und drei Wartesälen, einer für Nichtraucher, einer für Reisende der zweiten und einer für Reisende der dritten Klasse. Zweibrücken war gerüstet für die neuen Bahnstrecken. Saarbrücken wurde mit Landau und Germersheim und dem Gebiet über dem Rhein verbunden. Die Strecke Landau-Zweibrücken wurde 1875 fertiggestellt. Sie hatte eine wichtige Funktion als Abfuhrstrecke für Kohle aus der Saargegend. Nun war Zweibrücken Durchgangsstation und nicht mehr nur Kopfstation. Das Bahnhofgebäude wie wir es heute kennen, nämlich mit den dreigeschossigen Eckbauten, wurde erst 1918 fertiggestellt. Den alten Bahnhof gegenüber dem Fahrenberg kaufte die Dingler-Fabrik. Sie erhielt einen eigenen Gleisanschluss und konnte sich stark vergrößern.

Eine traurige Rolle im Zweiten Weltkrieg

Zunächst war der neue Zweibrücker Bahnhof in der Poststraße von großer Bedeutung. Wieder spielte der Krieg mit Frankreich eine Rolle. Diesmal war Deutschland der Verlierer. Nach dem Ersten Weltkrieg lagen alle Orte entlang der Bahnstrecke im Saargebiet – bis auf Zweibrücken. So war es auch nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Orte gehörten zum Saarland und die Strecke verlor an Bedeutung. Die Nationalsozialisten hatten dem Zweibrücker Bahnhof 1941 noch den Namen Zweibrücker Hauptbahnhof verliehen

. Ein Jahr vorher spielte der Zweibrücker Bahnhof eine traurige Rolle. Von den 18 noch in Zweibrücken lebenden Juden wurden am 22. Oktober 1940, vier Monate nach der französischen Kapitulation, am Laubhüttenfest 16 jüdische Mitbewohner direkt aus Zweibrücken deportiert. Mit ihnen wurden weitere 144 Juden aus der Südpfalz und der Südwestpfalz mit Transportzügen nach Oloron gebracht und dann mit Lastwagen in das Lager der französischen Stadt Gurs am Fuße der Pyrenäen transportiert. Die nationalsozialistischen Behörden hatten die Deportation der gesamten verbliebenen jüdischen Bevölkerung von Baden und der Pfalz nach Gurs angeordnet. Ausgeführt wurde die Aktion vom Gauleiter der Saarpfalz, Josef Bürckel, und dem Badens, Robert Wagner. Im Frühjahr 1941 wurden die Gefangenen von Gurs in verschiedene Lager in Südfrankreich verteilt. Ab Juli 1942 rollten die Züge in die Vernichtungslager im Osten. Insgesamt waren in Gurs 1500 pfälzische Juden interniert. Nur wenige von ihnen überlebten.

Mehreren Angriffen ausgesetzt

Auch für zahlreiche Gefangene aus der Zweibrücker Haftanstalt war der Zweibrücker Bahnhof Ausgangspunkt ihrer Deportation – sei es in andere Gefängnisse oder zu Arbeitseinsätzen, zum Beispiel beim Autobahnbau. Zwangsarbeiter aus verschiedenen Ländern, Sinti und Roma und andere Ausgestoßene lernten den Zweibrücker Bahnhof kennen.

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges war der Zweibrücker Bahnhof mehrmals feindlichen Angriffen ausgesetzt. Am 28. September 1944 wurden Sprengbrandbomben über den Gleisanlagen des Güterbahnhofs abgeworfen. Zwei Kesselwagen wurden in Brand gesetzt und explodierten. 70 Häuser wurden komplett zerstört, viele schwer beschädigt. Einige Menschen verloren ihr Leben. Am 7. Januar 1945 kam es zu einem weiteren Angriff auf die Bahnanlagen und auf zahlreiche Industrieanlagen im Stadtgebiet. Auch beim großen Angriff am 14. März 1945 wurden der Bahnhof und das repräsentative Bahnhofsgebäude stark in Mitleidenschaft gezogen. Gleise und Eisenbahnwaggons wurden zerstört. Die Umbaumaßnahmen zogen sich wegen des Mangels an Arbeitskräften und Material bis 1960 hin.

Im Munzinger-Express nach Mainz

1949 wurde die Deutsche Bundesbahn (DB) gegründet. Der Zweibrücker Hauptbahnhof wurde – wie alle Betriebsstellen innerhalb des neu gegründeten Bundeslandes Rheinland-Pfalz – der Direktion Mainz zugewiesen. Lange herrschte viel Betrieb am Zweibrücker Hauptbahnhof. Zwar wurden immer wieder Strecken stillgelegt, aber bis in die 1980er Jahre verkehrten Fernzüge – zum Beispiel konnte man von Zweibrücken direkt nach Mainz, München oder Stuttgart fahren. Und es gab den sogenannten Munzinger-Express: Oberbürgermeister Oskar Munzinger hatte sich stets für diese Schnellbahnverbindung zwischen Mainz und Zweibrücken eingesetzt, die er als Landtagsabgeordneter selbst nutzte.

Seit 1982 entfielen nach und nach mehre Verbindungen. Der Eisenknotenpunkt Zweibrücken verlor an Bedeutung. Von der Gleisanlage mit ehemals 40 Gleisen blieben schließlich drei. Alle Fern- und Güterzüge fielen weg. Gleise wurden sogar demontiert. Vor 35 Jahren fuhr der letzte Personenzug von Homburg nach Zweibrücken.

Erinnerung an Glanz und Elend

Aber das Bahnhofsgebäude gibt es noch. Es steht heute unter Denkmalschutz. Es erinnert an Glanz und Elend vergangener Zeiten. Mittlerweile ist es an private Investoren verkauft – die M4 Holding GmbH. Die Gesellschaft für Immobilienentwicklung ist in Engelstadt im Kreis Mainz-Bingen beheimatet und in Zweibrücken mit einigen Projekten bekannt. Der Bahnhof werde als Eisenbahnstation und seine Halle mit den dort eingemieteten Geschäften und Einrichtungen für die Öffentlichkeit erhalten bleiben, versichert die Gesellschaft.

Heutzutage fahren Züge stündlich nach Saarbrücken und Pirmasens. Morgens um 6 Uhr fährt auch ein Zug über Landau nach Neustadt und um 6.43 Uhr einer nach Landau. Außerdem soll ein langgehegter Wunsch in Erfüllung gehen. Auf der Strecke Homburg-Zweibrücken könnten ab 2028 die ersten S-Bahnen fahren. Das teilte die Deutsche Bahn mit. Start der Bauarbeiten soll im Oktober 2025 sein. Die Baukosten sollen 77 Millionen Euro betragen.

Übrigens: Der Zweibrücker Bahnhof kommt sogar in einer US-amerikanisch-französisch-italienischen Filmproduktion vor: im Film „Der Zug“ (The Train) von John Frankenheimer, 1964 gedreht. Inhalt: Die Wehrmacht möchte Beutekunst von Paris ins Reichsgebiet bringen. Mitglieder der Résistance wollen den Zug aufhalten. Sie fälschen die Bahnhofsschilder und können ihn so in ein einsames Tal im Elsass umlenken. Er rollt dadurch statt durch den Zweibrücker Bahnhof, wie es die Wehrmacht vorgesehen hatte, durch Vitry-le-François süd-östlich von Reims.