07.09.2024 - Die Rheinpfalz -

Schnell von Zweibrücken bis Karlsruhe

2029 fahren ein halbes Jahr lang keine Züge zwischen Saarbrücken und Mannheim. Was jetzt erst mal nicht so toll klingt, könnte eine Chance für Zweibrücken sein. Und das hat mit Regionalexpresszügen zu tun.
Von Thomas Büffel

Wenn Ende 2028 tatsächlich wieder Züge von Zweibrücken nach Homburg und weiter über Kaiserslautern, Neustadt und Mannheim fahren, dann könnte das vorerst nur ein kurzes Vergnügen sein: Bereits 2029 soll die Ost-West-Verbindung durchs Saarland und die Pfalz für ein halbes Jahr komplett gesperrt werden. Von Forbach in Frankreich über Saarbrücken, St. Ingbert, Homburg, Kaiserslautern bis in die Vorderpfalz. Die Strecke wird generalsaniert. Der Verein zur Förderung des Schienenverkehrs in und um Zweibrücken, der ein Vierteljahrhundert für die Reaktivierung der Strecke Zweibrücken-Homburg gekämpft hat und fast am Ziel ist, erneuert deshalb einen Vorschlag, der ihm schon länger am Herzen liegt: ein Regionalexpress von Saarbrücken über Zweibrücken bis Karlsruhe.

Wenn die Ost-West-Achse 2029 gesperrt wird, „ist die gesamte Westpfalz komplett abgeschnitten“, sagt der Zweibrücker Peter Schehl, der sich in dem Verein engagiert. Über den Regionalexpress von Saarbrücken über Neunkirchen, Bad Kreuznach und Mainz nach Frankfurt sei das Saarland weiter an Köln, Hamburg und Berlin angebunden. „Aber der Zugang zum Süden, der fehlt vollkommen“, bemängelt er.

Grenzgebiet ist ein weißer Fleck

Einen Regionalexpress von Saarbrücken über St. Ingbert, Zweibrücken, Pirmasens Nord (Biebermühle) und Landau bis Karlsruhe fordert der Förderverein schon länger. Im Gespräch mit der RHEINPFALZ im August 2022 hatten der Vorsitzende Bernhard Marschall aus Rieschweiler-Mühlbach und sein Mitstreiter Dieter Franck aus Zweibrücken darauf verwiesen, dass es in Rheinland-Pfalz und dem Saarland über 20 Regionalexpress-Linien gebe, aber das Grenzgebiet im Süden noch ein weißer Fleck sei.

Der große Vorteil der Regionalexpresszüge: Sie sind schnell, da sie anders als die Regionalbahnen nicht an jedem Bahnhof halten. Ein Regionalexpress Saarbrücken-Karlsruhe hätte zudem den Vorteil, dass die Umstiege entfallen. Wer derzeit von Zweibrücken nach Karlsruhe möchte, muss in Pirmasens Nord und Landau umsteigen. Wer einen Anschlusszug verpasst, muss oft eine Stunde warten.

Zweckverband hat schon mit dem Landkreis gesprochen

Dass es den Wunsch nach diesem Regionalexpress (RE) gibt, weiß auch der Zweckverband Öffentlicher Personennahverkehr Rheinland-Pfalz Süd (ZÖPNV), der die Weiterentwicklung des Zugverkehrs zwischen Landau und Saarbrücken vor einem Jahr in einer Videokonferenz mit Vertretern des Landkreises Südwestpfalz besprochen hat. In der Zusammenfassung heißt es dazu unter anderm: „Die RE-Linie Karlsruhe – Landau – Pirmasens Nord – Zweibrücken – Saarbrücken würde zweistündlich verkehren [...] so dass sich damit für den Landkreis Südwestpfalz umsteigefreie Verbindungen zu den Oberzentren Karlsruhe und Saarbrücken ergeben würden.“

Obwohl das auch das Anliegen von Bernhard Marschall und Peter Schehl ist, sehen die beiden die Vorschläge des ZÖPNV in Teilen kritisch: Das Papier sieht vor, den Regionalexpress außer in St. Ingbert, Zweibrücken, Pirmasens Nord, Annweiler und Landau außerdem noch in Würzbach, Lautzkirchen, Thaleischweiler-Fröschen, Rodalben, Münchweiler, Hauenstein Mitte, Wilgartswiesen und Rinnthal halten zu lassen und dafür Fahrten der Regionalbahn zu streichen.

Ohne Umstieg von Saarbrücken nach Landau

Die stündliche Regionalbahnverbindung Landau-Pirmasens auszudünnen könne nicht der Ansatz sein, finden Marschall und Schehl. Der RE solle zusätzlich fahren, die ganzen Haltepunkte zwischendurch gehörten gestrichen. Alleine über einen Halt in Hinterweidenthal Ost als Zubringer zum Dahner Tal könne man noch nachdenken. Die Regionalbahnen müssten als Zubringer weiterhin stündlich fahren.

Peter Schehl geht sogar noch weiter: Er würde die Regionalbahnlinien Saarbrücken-Pirmasens und Pirmasens-Landau zu einer Linie zusammenlegen, sagt er. Derzeit fahren pro Stunde sechs Züge zwischen Pirmasens und Pirmasens Nord, drei hin, drei zurück. Sie verbinden Pirmasens mit Kaiserslautern, Landau und Saarbrücken. Das koste unnötig Geld und Personal, findet Schehl. Eine Linie Landau-Zweibrücken-Saarbrücken sei zudem zuverlässiger, weil der Umstieg in Pirmasens Nord entfallen würde.

Bernhard Marschall hat auch Ideen für Zweibrücken, von denen seiner Ansicht nach nicht nur die Fahrgäste etwas haben könnten, sondern auch Firmen und die Stadt selbst: Wenn am Ixheimer Nagelwerk wieder Güterverkehr verladen werden könnte, würde davon auch die Bundeswehr und damit der Standort Zweibrücken profitieren. Den Güterverkehr könnte auch John Deere wieder nutzen. Und Marschall verweist auf die Kartonagenfabrik in Petersberg und die Müllverbrennungsanlage in Pirmasens als weitere mögliche Nutzer des Güterverkehrs.

„So günstig kommenwir nicht mehr dran“

Im Vordergrund dieser Ideen steht aber die Forderung nach einem Regionalexpress Saarbrücken-Zweibrücken-Karlsruhe. Angesichts der geplanten Sperrung der Strecke Saarbrücken-Mannheim in fünf Jahren sei nun ein günstiger Zeitpunkt, dies anzugehen: „So günstig kommen wir nicht mehr dran“, sagt Bernhard Marschall. Und ergänzt: „Wenn die B10 ausgebaut ist, wird das noch mal einen Schub geben für den Autoverkehr.“

Der Verein zur Förderung des Schienenverkehrs hat durch seine Hartnäckigkeit großen Anteil daran, dass die Bahnstrecke nach Homburg reaktiviert und Zweibrücken Ende 2028 an die S-Bahn-Linie Richtung Kaiserslautern und Mannheim angeschlossen wird. Aber den Mitgliedern ist klar, dass sie ohne Hilfe der Politik nicht weiterkommen. „Von der Stadt müsste mehr passieren“, findet Marschall und ergänzt: „Wir haben keine Lobby in Mainz. In der Vorderpfalz geht mehr.“ Zweibrückens Oberbürgermeister Marold Wosnitza ist stellvertretender Verbandsvorsteher des Zweckverbandes Schienenpersonennahverkehr Rheinland-Pfalz Süd. „Er wäre der richtige Mann, um alle zusammenzutrommeln und ein gemeinsames Schreiben an die Landesregierung zu verfassen. Das wäre mal eine Initiative“, findet Marschall.

Schlüsselfiguren aus der Politik

Mit „alle zusammenzutrommeln“ meint Marschall die politischen Schlüsselfiguren der Südwestpfalz und der Saarpfalz: die Landtagsabgeordneten Christoph Gensch, Christoph Reichert und Alexander Fuhr, Landrätin Susanne Ganster, den Pirmasenser Oberbürgermeister Markus Zwick, die Bundestagsabgeordneten Angelika Glöckner (Pirmasens) und Markus Uhl (Homburg). Auch Peter Schehl sagt: „Wenn man nicht die Schlüsselspieler aus der Politik hinter sich kriegt, dann ist das alles nichts.“