16.11.2024 - Die Rheinpfalz -
Generalsanierung geplantEine Bahn-Reaktivierung, die gar keine ist
Die Studie, wie und zu welchem Preis die Bliestalbahn reaktiviert werden könnte, ist fertig. Die „neue“ Bliestalbahn hat dabei kaum etwas mit der Alten zu tun. Und teuer wird das Projekt auch noch. Von Paul Helmut Kreiner
Saarpfalz-Kreis/Blieskastel. Früher führte die alte und „richtige“ Bliestalbahn vom Zweibrücker Hauptbahnhof über Einöd, Bierbach und Blieskastel bis nach Saargemünd. 1997 wurde die Strecke stillgelegt, ihre Trasse zu einem Bahnradweg umgebaut, der Teil des Glan-Blies-Weges ist. Im Januar wurde dann bekannt: Das Land will mehrere Bahnstrecken im Saarland reaktivieren - darunter die Bliestalbahn. Eine Machbarkeitsstudie sollte aufschlüsseln, ob das Projekt realistisch ist und vor allem, was es kostet.
Die Studie ist fertig. Die „neue“ Bliestalbahn hat dabei aber kaum etwas mit der alten Trasse gemeinsam - mal abgesehen vom Namen. Wenn die Bahnstrecke von Homburg nach Zweibrücken reaktiviert ist und in Schwarzenacker ein neuer Bahnhof steht, dann könnte laut Plan von eben diesem Haltepunkt eine neue Schiene bis hin zur bestehenden Anbindung Zweibrücken-Saarbrücken geführt werden − also ein Gleisdreieck. Das weitere Teilstück der Strecke soll bis zum St. Ingberter Bahnhof mit Oberleitungen versehen werden. Dann könnten dort E-Loks fahren, aktuell gibt es auf der Strecke nur Diesel-Züge. Die „neue“ Bliestalbahn würde laut Plan also von Schwarzenacker über Bierbach und Lautzkirchen führen. Blieskastel bekäme somit keinen neuen Bahnhof, bis auf das Gleisdreieck bei Einöd würde auch keine einzige neue Bahnschiene verlegt werden.
Schlechtes Kosten-Nutzen-Verhältnis attestiert
Die Bliestalbahn war nicht die einzige Strecke, deren Reaktivierung geprüft worden ist. Ebenfalls in der Machbarkeitsstudie aufgeführt: Rossel- und Bisttalbahn, die Trasse Merzig-Losheim sowie die Primstalbahn. Im Vergleich dazu ist die Bliestalbahn in Sachen Kosten-Nutzen-Verhältnis schlecht davongekommen. Ob die Reaktivierung - die ja eigentlich gar keine ist - vom Bund gefördert wird, ist fraglich. Inklusive Planungskosten würde die „neue“ Bliestalbahn 16,4 Millionen Euro kosten. Zusätzliche Haltepunkte sind nicht geplant, Dörfer im Bliesgau werden also nicht zusätzlich ans Bahn-Netz angeschlossen. Mehr öffentlichen Nahverkehr auf Land zu bringen, wird mit und ohne „Reaktivierung“ nicht passieren. Dafür würden mehr Züge im Bliestal unterwegs sein − die der „neuen“ Bliestalbahn und die bisherigen Regionalbahnen zwischen Saarbrücken und Pirmasens.
Als Anfang des Jahres noch jeder glaubte, dass die Bliestalbahn auf der alten Trasse reaktiviert werden könnte, herrschte in Blieskastels Rathaus sowie bei der Kreisverwaltung große Skepsis. Blieskastels Rathaussprecher Uwe Brengel glaubte von Anfang an nicht daran, dass eine ganz neue Strecke gebaut wird. Saarpfalz-Kreis-Sprecherin Sandra Brettar warnte vor enormen Kosten. Für Brettar wichtiger war von Anfang an die zügige Reaktivierung der Bahnstrecke Homburg-Zweibrücken, weil es dadurch „in besonderem Maße im innerpfälzischen Verkehr zwischen Landau/Pirmasens und Kaiserslautern/Mannheim zu neuen Fahrmöglichkeiten kommt.“
Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie sollen in den kommenden Wochen den Kommunen vorgestellt werden. Zu einer Infoveranstaltung des Mobilitätsministeriums dieser Tage war laut Brengel auch die Blieskasteler Verwaltung geladen. Der Kollege habe dabei den Eindruck gewonnen, dass das Land selbst nicht an die Realisierung der „neuen“ Bliestalbahn glaubt.