24.09.2024 - Die Rheinpfalz -
Bahnhofshallen: Jetzt verkommen sie privat
Von Sigrid Sebald
Die Privatisierung von Bahnhofsgebäuden hat sich längst als Unfug erwiesen. Schöner und einladender sind sie keineswegs geworden. Für Zweibrücken kommt diese Einsicht zu spät.
Bahnhofstoiletten haben ja nun nicht den allerbesten Ruf. Wenn es sich vermeiden lässt, sucht man sie lieber nicht auf. Manchmal lässt es sich aber nicht vermeiden, und das vor allem dann nicht, wenn man unterwegs ist. So gesehen ist es schon eine kleine Katastrophe, wenn es in einem Bahnhof keine einzige öffentliche Toilette mehr gibt. Das weiß jeder, der schon mal irgendwo aus dem Zug geklettert ist und dringend musste. Und weil der Bahnhof auch ein Einfallstor zur Stadt ist, wirft das Fehlen von Toiletten an so einem neuralgischen Punkt auch kein gutes Licht auf die Stadt. Von der Tatsache, dass die Bahnhofshalle schmutzig und schmuddelig aussieht, ganz zu schweigen.
Nicht schön, das alles, und eigentlich genau das, was vermieden werden sollte. Denn auch wenn das Bahnhofsgebäude nicht mehr der Bahn gehört, steht die Halle den Zugreisenden offen – allerdings ganz sicher nicht auf eine freundliche und einladende Art, wie man sich das gewünscht hatte.
Die Bahn selbst hat inzwischen einen Rückzieher gemacht mit dem von Anfang an heftig kritisierten Verkauf der Bahnhofsgebäude an private Investoren. Denn das Resultat war fast überall dasselbe: Die Bahnhofshallen sind in einem Zustand, der sie für Zugreisende geradezu unnutzbar macht. Für die Zweibrücker Halle kommt die Erkenntnis zu spät, sie ist verkauft, ihr Schicksal liegt in der Hand von Investoren, für die die Fahrgäste nicht oberste Priorität haben.