08.07.2026 - Die Rheinpfalz Zum Artikel
Bahn: Mitdenkender Mensch fehlt oft
Eckhard Buddruss Die Bahn setzt bei der Kundeninformation verstärkt auf KI. In manchen Fällen kann das Verbesserungen bringen, aber ein zentrales Problem löst es nicht.
Zu den Klassikern an einem neuralgischen Punkt des Pfälzer Bahnverkehrs gehört die folgende Szene: Eine S-Bahn aus Richtung Mannheim erreicht Neustadt mit einigen Minuten Verspätung, der Anschluss nach Landau ist gefährdet. Kurz vor Neustadt kommt im Zug eine langatmige automatisierte Durchsage von (teilweise irrelevanten) Anschlüssen. Dann fasst sich manchmal ein engagierter Lokführer, der an die Fahrgäste denkt, ein Herz, greift ein und sagt ohne High-Tech mit gesundem Menschenverstand das, worauf viele in der S-Bahn hoffen: „Anschlusszug nach Landau wartet am selben Bahnsteig.“
Auch bei dem stark frequentierten Anschluss von Frankenthal nach Bad Dürkheim in Freinsheim wird oft bei kleinen Verspätungen im Zug automatisiert nicht der vernünftigerweise wartende Anschlusszug nach Neustadt genannt, sondern der nächste eine halbe Stunde später, auf den aber zum Glück dann meist gar nicht gewartet werden muss.
Diese beiden Beispiele zeigen, warum viele Fahrgäste häufig den qualifizierten Menschen als Informationsquelle vermissen, den die Technik bisher oft nicht adäquat ersetzen kann. Im ersten Beispiel gibt es den mitdenkenden Menschen zum Glück an anderer Stelle bei der DB – nämlich den Fahrdienstleiter, der in solchen Situationen oft die S-Bahn aus Mannheim in Neustadt auf Gleis 4 leitet und so das Umsteigen nach Landau schnell und reibungslos am selben Bahnsteig ermöglicht.