15.05.2026 - Pfälzischer Merkur Zum Artikel
Wandgemälde nur noch durch Übermalen zu retten
Zweibrücken • Die Schutzschicht über den Malereien an der Bahnhofs-Unterführung ist ab – Graffiti-Entfernungs-Team hilflos. Von Jan Althoff Redaktionsleiter Pfälzischer Merkur
(jam) Es sah erst nach einer guten Nachricht aus: Am Dienstag und Mittwoch wurde am Zweibrücker Hauptbahnhof mal richtig sauber gemacht: Ein Trupp war mit Leitern, Werkzeugen und Hochdruckreiniger angerückt und arbeitete sich über Bahnsteige und durch die Unterführung. Zweibrücken war in diesem Jahr Teil der Bahn-Aktion Frühjahrsputz. Am Abend dann die erste Ernüchterung: Der Schmutz und die jahrelange Vernachlässigung hatten sich offenbar derartig festgesetzt, dass die Anlage hinterher nur unwesentlich präsentabler aussah. Der echte Tiefschlag kam aber erst nach der Antwort der Bahn auf eine Merkur-Anfrage zum Hintergrund der Aktion.
Denn zu den Graffiti und ihrer Entfernung schreibt die Bahn: „In den vergangenen Jahren mussten [...] zahlreiche neue Graffitis entfernt werden, wodurch der ursprünglich aufgetragene Schutz mittlerweile nahezu vollständig verloren gegangen ist. Unser Graffiti-Entfernungs-Team war bereits gestern [Dienstag. Anm. d. Red.] vor Ort und hat festgestellt, dass weitere Entfernung nicht möglich ist, ohne die bestehende Gestaltung nachhaltig zu beschädigen. Aus diesem Grund wird keine weitere Reinigung vorgenommen. Wir haben Kontakt zu damaligen Ansprechpartner:innen aufgenommen und planen spätestens nächste Woche gemeinsam das weitere Vorgehen.“
Ziel ist laut Bahn entweder, im Rahmen eines neuen Schulprojekts die Gestaltung aufzubereiten oder alternativ die Fläche einheitlich zu überstreichen. Grundsätzlich sei der Graffitivandalismus am Zweibrücken Hauptbahnhof weiterhin sehr hoch. „Wir sind bestrebt, gemeinsam mit lokalen Akteuren und Projekten nach nachhaltigen Lösungen zu suchen, um die Gestaltung des Bahnhofs langfristig zu erhalten“, heißt es abschließend.
Zur Erinnerung: Im Sommer 2023 hatte eine Gruppe von Zweibrücker Gymnasiasten und der Jugendkunstschule Zweibrücken unter der Leitung von Iris Seyler die Unterführung am Zweibrücker Hauptbahnhof neu gestaltet. Sogar die Zweibrücker Beigeordnete Christina Rauch hatte dort den Pinsel geschwungen. Beteiligt an dem Projekt waren auch die Bahn und die Stadt Zweibrücken. Seitdem ist – soweit nicht unter Graffiti aller Art verborgen – unter den Gleisen eine vielfältige Landschaft zu sehen mit etlichen Tieren und Pflanzen, sogar ein Zug, mutmaßlich ein ICE der Bahn, fährt dort die Wand entlang.