12.05.2026 - Die Rheinpfalz

Akkuzüge für die Pfalz rollen an

In Kaiserslautern sind die ersten der 44 neuen Akku-Hybridtriebwagen eingetroffen, die künftig in weiten Teilen der Pfalz die bisher eingesetzten Dieselfahrzeuge ablösen sollen. Fahrgäste befördern dürfen sie allerdings noch nicht. Erste Einsätze im regulären Verkehr wird es voraussichtlich im Herbst geben.
Von Eckhard Buddruss

Kaiserslautern. Der Fahrzeughersteller Stadler rechnet für August mit der Zulassung der neuen Akkuzüge für den Fahrgastbetrieb. Bis Ende 2027 sollen alle 44 von der Deutschen Bahn (DB) für das Pfalz-Netz bestellten Flirt Akku geliefert werden. Bei der Terminplanung für die Einführung der neuen Fahrzeuge gab es mehrfach Verschiebungen, teils wegen der Zulassung der Akkuzüge, teils wegen der für ihren Einsatz erforderlichen Ladeinfrastruktur. Der aktuelle Ablaufplan sieht folgendermaßen aus: Mit den vier bereits gelieferten Fahrzeugen finden nun Testfahrten in ihrem künftigen Einsatzgebiet statt. Außerdem werden rund 300 Lokführer auf den neuen Fahrzeugen ausgebildet. Für die ersten Einsätze im regulären Verkehr ist im Herbst die Strecke von Neustadt über Landau nach Karlsruhe vorgesehen, und zwar sowohl auf der Regionalbahn-Linie RB 51 als auch auf der Regional-Express-Linie RE6 von Kaiserslautern über Neustadt nach Karlsruhe. Die Strecke hat den Vorteil, dass hier keine neue Ladeinfrastruktur erforderlich ist, weil lediglich die nicht elektrifizierte 44 Kilometer lange Lücke zwischen Neustadt und Wörth überbrückt werden muss.

Akku-Hybrid-Triebwagen ziehen Strom aus Oberleitung Anders als frühere, vor Jahrzehnten auch in der Pfalz eingesetzte, Akkutriebwagen (Baureihe 515) können die neuen Akku-Hybrid-Triebwagen Strom nicht nur aus ihrer Batterie, sondern auch aus der Oberleitung ziehen und dabei sogar ihren Akku aufladen. Das ist gerade auf der Linie RE6 sehr vorteilhaft. Zwischen Kaiserslautern und Neustadt sowie zwischen Wörth und Karlsruhe können die Triebwagen ihren Fahrstrom aus der Oberleitung holen. Nur zwischen Neustadt und Wörth brauchen sie dafür den Akku.

Als zweite Einsatzstrecke in der Pfalz ist noch im Jahr 2026 die Regionalbahn-Linie von Pirmasens über Zweibrücken nach Saarbrücken vorgesehen, die einen elektrifizierten Abschnitt zwischen Rohrbach und Saarbrücken hat. Bis Ende 2026 soll auch die kurze Strecke von Dillingen nach Niedaltdorf im Saarland folgen.

Gegenüber bisherigen Planungen um rund ein halbes Jahr verschoben wurde der Start auf den Linien von Kaiserslautern nach Pirmasens, Kusel und Lauterecken, der nun für Mitte 2027 geplant ist. Erst ab Ende 2028 soll die Regionalbahn-Linie von Landau über Annweiler nach Pirmasens folgen. Für die werden die geplanten Oberleitungsinseln in Landau und Pirmasens Nord samt der Elektrifizierung des Abschnitts zwischen Pirmasens Nord und dem Fehrbacher Tunnel benötigt. Als letzte soll Ende 2029 die Linie von Winden nach Bad Bergzabern auf die neuen Fahrzeuge umgestellt werden, für die hier die Oberleitungsinsel in Winden gebraucht wird.

Für die Aufrüstung der Werkstatt in Kaiserslautern wurden rund 6 Millionen Euro investiert. Der Hersteller Stadler wird vier Jahre lang mit eigenem Personal in Kaiserslautern präsent sein. Die Fahrzeuge für das Pfalznetz sind der zweite Flirt-Akku-Großauftrag für Stadler. Das aus der Schweiz stammende Unternehmen hat bereits 55 Flirt Akku für den Einsatz in Schleswig-Holstein geliefert. Die Pfalz-Version des Flirt Akku ist mit acht Achsen und vier Drehgestellen (davon zwei angetriebene) größer als die Schleswig-Holstein-Version mit sechs Achsen und drei Drehgestellen (davon nur eines angetrieben). Sie bietet 172 Sitzplätze, das ist deutlich mehr als in den bisher in der Pfalz eingesetzten Dieseltriebwagen der Baureihe 642 und 643.

Die neuen Akku-Hybridtriebwagen, die für Tempo 140 zugelassen sind, erhalten die Baureihenbezeichnung 6526. Mit der größeren Höchstgeschwindigkeit und der dank einer Nennleistung von 1320 Kilowatt erheblich schnelleren Beschleunigung der neuen Triebwagen könnte es ihnen leichter als den derzeitigen Dieselfahrzeugen fallen, die Fahrzeiten einzuhalten und gegebenenfalls auch kleinere Verspätungen aufzuholen.

Kommentar Im Nahverkehr ist Kontinuität gefragt

Von EckHard Buddruss
Beim Ausbau des Bahnverkehrs in der Pfalz gibt es einen breiten Konsens. Eine wichtige Rolle spielen dabei engagierte Landräte der CDU.

In Baden-Württemberg und in Rheinland-Pfalz müssen die Grünen fast gleichzeitig nach den jüngsten Landtagswahlen die Zuständigkeit für den regionalen Bahnverkehr an die CDU abgeben. Die Umstände sind allerdings ganz unterschiedlich. Der grüne Verkehrsminister Winfried Hermann war für die CDU teilweise eine Hassfigur – ganz besonders für seine Nachfolgerin Nicole Razavi. Eine zentrale Rolle spielte dabei vor allem das polarisierende Projekt Stuttgart 21.

In Rheinland-Pfalz ist die Situation zum Glück ganz anders. Trotz Dissens bei anderen Themen (etwa dem Jagdgesetz) gab es in der Bahnpolitik eine konstruktive Zusammenarbeit der Grünen-Ministerin Katrin Eder vor allem mit Landräten der CDU wie Susanne Ganster und Dietmar Seefeldt. Ein besonders gutes Beispiel dafür ist die Wieslauterbahn im Dahner Felsenland. Dass Eder für ihren Nahverkehrsplan breite Zustimmung in den von CDU-Landräten geführten Nahverkehr-Zweckverbänden bekam, sollte ihren künftig zuständigen Nachfolger ermutigen, gute Projekte weiterzuführen. Dazu gehört der maßgeblich von CDU-Landrat Fritz Brechtel eingefädelte Einsatz von Akkuzügen in der Pfalz ebenso wie die Reaktivierung weiterer Bahnstrecken. Politischen Rückenwind hat dabei dank zweier interessierter CDU-Landräte besonders das Vorhaben Landau–Germersheim. In der Sache noch dringlicher ist allerdings die nordpfälzische Zellertalbahn, die technisch sehr viel weiter fortgeschritten ist, dringender als Ausweichstrecke gebraucht wird und zudem auch für den Güterverkehr große Bedeutung hat.