02.04.2026 - Die Rheinpfalz

Aufbruch in Bitsch

Sophie Pastor ist neue Bürgermeisterin von Bitsch. Sie hat viele Pläne für die französische Stadt: von neuen Nutzungen alter Gebäude bis zu Festen – auch für deutsche Gäste. Von Klaus Kadel-Magin

Bitsch. Die Überraschung war auch für die neue Bitscher Bürgermeisterin Sophie Pastor am Wahlabend perfekt: Mit 53,55 Prozent schaffte die Grundschullehrerin im ersten Wahlgang den Einzug ins Rathaus. Fünf Tage nach der Wahl nahm sie die Arbeit auf. Die 47-Jährige ist gebürtige Bitscherin und lebt „schon immer“ in der Stadt, wie sie im Bürgermeisterbüro fröhlich erzählt. Vor der Wahl war sie als Springerin in mehreren Schulen der Region eingesetzt. Als Erstes möchte sie jetzt die Bitscher treffen und sehen, was sie wollen und brauchen, betont sie.

Ideen für ein Kultur-und ein Sportviertel

Das hatte sie auch bereits vor der Wahl getan. Als einzige Kandidatin informierte sie mit einer eigenen Internetseite und einem Wahlbüro in der Innenstadt, wo sie jeden Samstag zu finden war. Politisch war sie bereits als Mitglied des Departementrats in Metz aktiv. Sie fühlt sich parteipolitisch der Gruppe der „Indépendants“ zugehörig. Das ist eine Gruppierung, die eher Mitte-rechts einzuordnen ist und im Jahr 2017 gegründet wurde.

In Bitsch gibt es viel zu tun für die neue Bürgermeisterin. Da gibt es beispielsweise den Veranstaltungssaal „Espace René Cassin“ am Ortsausgang Richtung Pirmasens, der in die Jahre gekommen sei und dringend einer Sanierung bedürfe. Der Saal solle zusammen mit Teilen der früheren Kaserne zu einem Kulturviertel entwickelt werden. Auch ein Sportviertel wünscht sich die Lehrerin. Räume und Flächen habe die 5000 Einwohner zählende Stadt genug.

Direkt neben dem „Espace Cassin“ befinden sich die alten Kürassier-Kasernen, die seit Jahrzehnten leerstehen. Eine neue Nutzung sei schwierig, da die Kasernen nicht behindertengerecht erschlossen werden könnten. Wenn die Norm für Personen mit eingeschränkter Mobilität nicht eingehalten werden könne, gebe es keine Genehmigung, erläutert die 47-Jährige.

Ein anderer großer Leerstand ist das frühere Internat „Collège Saint-Augustin“ mit 30.000 Quadratmetern Nutzfläche. Im Jahr 2012 wurde das Internat geschlossen. Kleine Teile des riesigen Gebäudekomplexes konnten mit einer Kinderkrippe und einer Schule für Holzberufe wie Schreiner wiederbelebt werden. Das Collège gehöre heute der „Communauté des Communes Pays de Bitche“ – einer Art Verbandsgemeinde – sowie dem Departement, erzählt Pastor. „Wir suchen Projekte für das Collège.“ Eine Idee war, dort ein Schwimmbad zu bauen, da Bitsch nur über ein kleines Schwimmbad in der Ortsmitte verfügt. Aktuell laufe ein Verfahren über fünf Jahre, um neue Nutzungen für das Collège zu finden.

Kommt Bahn-Reaktivierung mit neuartigem Zug?

Große Hoffnungen setzt die neue Bürgermeisterin in die Reaktivierung der Bahnstrecke nach Niederbronn-lès-Bains. Es liefen derzeit Tests mit einer neuen Zuggeneration. Kleine Elektrozüge, Draisy genannt, die extra für den ländlichen Raum entwickelt worden sind, könnten auf der Strecke verkehren. Wobei einiges in die vernachlässigte Schieneninfrastruktur zu investieren wäre. Eine Million Euro pro Kilometer seien nötig. 25 Kilometer misst die Strecke.

Die Bitscher Schullandschaft ist der Pädagogin natürlich besonders wichtig. In Bitsch gibt es fünf Schulen und den Plan, alle in einer neuen Schule zu konzentrieren. Pastor hält dies für keine gute Idee. Sie spricht sich dafür aus, alle fünf Schulen, die hohen Sanierungsbedarf aufweisen, zu erneuern. Ein Neubau würde mehr als 20 Millionen Euro kosten. Und dann würden fünf leere Gebäudekomplexe in Bitsch stehen, für die eine neue Nutzung gefunden werden müsste. Überhaupt müsste sich in den Bitscher Schulen einiges ändern, findet Pastor. Überall im Departement Moselle gingen die Schüler nur an vier Tagen in der Woche in die Schule. Der Mittwoch sei im ganzen Departement schulfrei. Nur in Bitsch gebe es noch die Fünf-Tage-Woche für Schüler, die zudem von 8 bis 16 Uhr in der Schule sein müssten. Das ermüde die Kinder, findet Pastor, die selbst drei Kinder hat. Nur der Freitagnachmittag sei für Kultur oder Sport offen, bedauert sie. Im Wahlkampf hatte sie unter anderem mit Neuerungen für die Weihnachtszeit geworben. Bitsch sollte sich beim Noël de Moselle beteiligen, findet sie. An den Wochenenden vor Weihnachten soll es besondere Aktionen geben. Der beliebte Laternenweg mit metergroßen, kunstvollen Lichtobjekten im Stadtpark soll auch zur Weihnachtszeit wieder kommen.

Das Bitscher Stadtfest „Les Estivales“ will sie auf drei Tage ausgedehnt sehen und der Karneval mitsamt Umzug soll wiederbelebt werden. „Das gehört zum Herzen der Stadt“, findet sie. Das Gemeinschaftliche ist der neuen Bürgermeisterin sehr wichtig. Gelegenheiten für Geselliges hätte sie gerne mehr in der Stadt. Pastor will auch wieder auf den Verein zugehen, der im Fort Saint-Sébastian und der Zitadelle Veranstaltungen angeboten hatte. Dessen Vorsitzender Pascal Leichtnam war jedoch mit dem früheren Bürgermeister Benoît Kieffer zerstritten. „Da ist ein großes Potenzial. Wir werden den Verein wieder unterstützen“, kündigte sie an.

Gourmetwanderung soll Gäste anziehen

Die deutsch-französischen Kontakte will sie mit der offiziellen Partnerstadt Lebach im Saarland auf jeden Fall ausbauen – auch im Hinblick auf die Schulen, wo 13 Stunden pro Woche Deutsch unterrichtet werde. Sport, Mathematik und Kultur würden komplett in Deutsch unterrichtet. Viele Bitscher Schüler würden auch Pirmasens gut kennen, weil sie dort Projekte in der Jugendkulturwerkstatt (Jukuwe) besuchten, wie Pastor aus eigener Erfahrung als Lehrerin weiß. Sie selbst gehe immer gerne mit ihren Kindern in das Pirmasenser Plub.

Den Bürgermeister der Verbandsgemeinde Pirmasens-Land, Klaus Weber, kenne sie ganz gut und freue sich auf die Zusammenarbeit. Zur Völkerverständigung plane sie einen „Marche Gourmande“, eine Gourmetwanderung. Diese solle einmal im Jahr in Bitsch angeboten werden. Die Idee: Die Gourmetwanderer laufen dabei eine bestimmte Strecke ab und erhalten an Stationen immer jeweils einen Gang eines Menüs. „Bitsch hat eine gute Ausstrahlung und wir freuen uns, die deutschen Gäste begrüßen zu können“, betont Sophie Pastor mehrmals im Gespräch.


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