15.03.2026 - Die Rheinpfalz
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Wieder klar erkennbar: So verläuft die Bahnstrecke nach Homburg

Gerhard Müller

„Als damals vor der Fußball-WM 2006 die Autobahnen und ganz viel Infrastruktur neu gemacht wurden, hätte man das hier gleich mit erledigen sollen“, sagte Bernhard Endres am Samstag. „Dann wäre alles viel billiger geworden als heute, und die S-Bahn würde längst schon fahren.“ Zwar hat das Ganze nun eine ganze Weile länger gedauert – aber ab Dezember 2028 soll auf der Bahnstrecke zwischen Zweibrücken und Homburg wieder Zugbetrieb herrschen. Dass die Deutsche Bahn (DB) mit der Reaktivierung jetzt Ernst macht, demonstrierte Projektleiter Sebastian Ottrembka am Samstag bei einer Publikumsführung über den frisch freigeschnittenen Schienenstrang zwischen den Haltepunkten Beeden und Schwarzenacker auf Homburger Gemarkung. Einer der 45 Interessenten, die sich vor Ort über den Stand der Reaktivierung informierten, war Bernhard Endres aus Einöd.

Auch der Zweibrücker Bahn-Aktivist Bernhard Marschall war mit dabei. „Hier ergibt jetzt alles gleich ein ganz anderes Bild“, erinnerte Marschall daran, dass die Trasse vor dem Rückschnitt bis zur Unkenntlichkeit zugewuchert war.

Alte Schienen und Schwellen werden ersetzt

„Das fünf Kilometer lange Stück vom Homburger Gleisdreieck bis nach Einöd ist jetzt komplett gerodet“, erläuterte der Ingenieur Sebastian Ottrembka vom Bahn-Tochterbetrieb DB InfraGo. „Die letzten Bäume wurden am 24. Februar gefällt.

“ Die noch vorhandenen alten Schienen und Schwellen müssen vor der Wiederbelebung der Strecke nach Zweibrücken ausgetauscht werden. Immerhin, so Ottrembka, sollen im nahe gelegenen Spezialbetrieb Bahnlog bei Kirkel-Altstadt die Steine aus dem Schotterbett aufgearbeitet und später wiederverwendet werden.

Eidechsen und Nattern: Eine Bleibe für den Übergang

Beim drei Kilometer weiten Ausflug bei nasskaltem Wetter auf und neben den Schienen erklärte der Bahnfachmann, dass von den 78 Millionen Euro, die für die Reaktivierung ausgegeben werden, etwa vier bis fünf Millionen Euro in Umwelt- und Naturschutzmaßnahmen fließen. Unter anderem habe man hier nicht nur Bäume und Gesträuch weggeschnitten, sondern auch schon viele Ersatzpflanzen gesetzt. Immer wieder passiert man entlang der Strecke grün eingezäunte Wiesenstücke mit Holzstapeln und Steinhaufen: „Hier haben wir Ausgleichszonen angelegt, in denen Eidechsen und Schlingnattern sicher unterkommen können.“ Habe die Bahn in den vergangenen zwei Jahren bereits die Haselmaus umgesiedelt, müssten nun die Eidechsen und Nattern für die Zeit der Gleisbauarbeiten umziehen.

Diese sollen zum Großteil nächstes Jahr über die Bühne gehen. Ab Frühjahr 2027, so Ottrembka, würden die alten Schienen entfernt und neue verlegt. Jener Teil des Gleisbetts, der bereits heute keine Schienen mehr aufweist – zwischen Schwarzenacker und Einöd – werde wieder mit Gleisen bestückt. „Und dann bauen wir auch die neuen Haltepunkte und Bahnsteigkanten, einige Stützwände – und bei Schwarzenacker wird eine Bahnbrücke über den Pfänderbach ganz neu gemacht.“ Letzteres soll in Höhe des früheren Aldi-Marktes nahe der Autobahn 8 erledigt werden.

Moderne Züge fahren leiser als ihre Vorgänger

„Im Jahr 2028 werden sämtliche Oberleitungsmasten für die Elektrifizierung gesetzt“, soll in den Monaten vor der Inbetriebnahme im Dezember 2028 noch einmal tüchtig in die Hände gespuckt werden. Der Projektleiter stellt eine Komplettsperrung des Gleisabschnitts zwischen Zweibrücken und Niederwürzbach für Sommer 2028 in Aussicht: Die fünf Monate ab Mai jenes Jahres sollen genutzt werden, um den Bahnhalt Einöd zum vollwertigen Bahnhof mit Weiche und neuen Bahnsteigen auszubauen. Dann soll auch das letzte Teilstück von Einöd bis zum Hauptbahnhof Zweibrücken mit Oberleitungen und der nötigen Leit- und Sicherungstechnik ausgestattet werden. „Weil bis zum Zweibrücker Hauptbahnhof elektrifiziert wird, müssen wir 2028 auch die Strecke zwischen Zweibrücken und Dellfeld für zwei Wochen sperren“, sagte Ottrembka. Für beide gesperrten Bahnstrecken soll ein Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtet werden.

Künftig, so der Projektleiter, werden die S-Bahn-Züge zwischen Homburg und Zweibrücken unterwegs die Höchstgeschwindigkeit von 80 Stundenkilometern erreichen. „Weil die Strecke dann elektrifiziert ist, werden die Züge aber viel leiser fahren als ihre Vorgänger vor der Stilllegung in den 1990er-Jahren.“