13.10.2025 - Die Rheinpfalz/br>

„Dann werde ich nicht mehr leben“

Die Zweibrücker glauben nicht wirklich an die Reaktivierung der Bahnstrecke – und erheben große Vorwürfe gegen Politik und Bahn
Von Mario Moschel

Die S-Bahn-Verbindung zwischen Zweibrücken und Homburg soll bis 2028 reaktiviert werden. So richtig glauben die Zweibrücker noch nicht wirklich daran.

Marga Geisler sagt: „Wie kann ich mich auf etwas freuen, was ich nicht mehr erlebe? Bis das alles durch ist mit den Genehmigungen und dem Schriftverkehr, werde ich nicht mehr leben.“ Und sie ergänzt: „Wir haben jetzt zwar einen schönen Zug, der Zweibrücken heißt, aber immer noch keine Schienen, auf denen er nach Homburg fahren könnte.“ Denn zwischen beiden Städten habe man vor einigen Jahren die Schienen entfernt. Generell fährt Geisler gerne Bahn, aber die vielen Verspätungen und Umleitungen würden ihr das Bahnfahren schon ab und zu vermiesen. „Die Bahn hat ja einen ganzen Katalog von Ausreden, warum sie nicht fährt. Man kommt selten pünktlich an“, sagt die Zweibrückerin. Willi Richter freut sich nach eigener Aussage „schon sehr lange“ auf die Streckenreaktivierung. Er fährt gerne Bahn, allerdings nicht sehr häufig. Zumal er in Niederauerbach wohnt und dort keine direkte Bahnanbindung besteht. Daher ist er nach wie vor aufs Auto angewiesen. Trotzdem freut er sich, nach der Streckenaktivierung direkt von Zweibrücken nach Homburg und auch wieder zurück die Bahn nutzen zu können in wenigen Jahren.

Jutta Knerr aus Zweibrücken glaubt nicht daran, dass die Bahnstrecke zwischen Homburg und Zweibrücken 2028 tatsächlich fertiggestellt sein wird, „weil schon so viele Sachen dazwischen gekommen sind und das alles schon so, so, so lange dauert“. Sie wäre froh, wenn sie es noch erleben könnte, um dann vielleicht mit dem Rollator mit der Bahn nach Homburg zu kommen, sagt sie. „Ich weiß noch, als alles abgerissen wurde. Die vielen Bemühungen von ehemaligen Bahnmitarbeitern haben viel Zeit gebraucht, beispielsweise kenne ich einen Herrn, der damals noch hinter dem Schalter im Bahnhof gestanden hat“, erinnert sich Knerr. Sie fährt wenig Bahn, weil sie generell wenig verreise. Aber am Tag der Deutschen Einheit sei sie mit der Bahn von Einöd nach Saarbrücken zur Feier gefahren. Das sei schön gewesen. Am Festakt in Zweibrücken kritisiert sie, dass es für die vielen Menschen im Bahnhofsgebäude nur eine einzige Toilette gegeben habe für alle Geschlechter, und dies ohne Abfalleimer für die Einmalhandtücher.

Elisabeth Heim freut sich sehr auf die Reaktivierung. „Wir sind eine Gruppe von Frauen, die öfter Bahn fahren. Bisher fahren wir immer von Pirmasens Nord aus, würden aber die neue Strecke öfter nutzen, um von hier nach Homburg und von dort aus direkt nach Neustadt zu fahren. Bisher müssen wir immer zweimal umsteigen, was dann entfiele“, erzählt die Zweibrückerin. Sie fahre gerne Bahn, weil es bequemer sei als mit dem Bus. Zudem könne man zwischendurch aussteigen. Ob das angekündigte Datum eingehalten werden könne, weiß sie allerdings nicht.

Erhard Pitzius ist Mitglied im grenzüberschreitenden Verein Plattform Mobilität Saar-Lor-Lux und freut sich sehr auf die Streckenreaktivierung. Er sagt aber auch: „Leider kommt sie zehn Jahre zu spät.“ Denn alle saarländischen Landesregierungen seit 2012 hätten diese Reaktivierung immer wieder ausgebremst. Auch die beim Festakt anwesende Anke Rehlinger habe als saarländische Verkehrsministerin vor Jahren gefragt, warum das Saarland für die Rheinland-Pfälzer Geld ausgeben solle. „Es geht nicht um Pfälzer und Saarländer, es geht um Menschen, die ein gut ausgebautes Mobilitätsangebot brauchen“, betont Pitzius.

Ralf Fülber aus Bacharach am Rhein ist der Fahrer der rheinland-pfälzischen Umweltministerin Katrin Eder in Vertretung. „Ich habe das nur am Rande dienstlich mitbekommen. Auch Ministerin Eder hat nicht groß darüber gesprochen. Der Fahrer fährt und konzentriert sich auf die Straße“, sagt er. Privat fährt er kaum noch Bahn, allerdings war er zuvor als Hausmeister angestellt, und in dieser Zeit sei er viel Bahn gefahren. „Jetzt bin ich ständig in Bereitschaft und habe unterschiedliche Arbeitszeiten, da kann ich nicht mehr Bahn fahren. Aber das Ticket habe ich noch“, erzählt er. Seine Chefin fahre öfter Bahn. Gerade vor kurzem habe er sie nach Frankfurt gefahren, weil sie in Berlin einen Termin gehabt habe und nicht fliegen wollte.