12.10.2025 - Die Rheinpfalz
Die Dampflok zieht mehr als der MP
Volksfeststimmung am Samstag in der Südwestpfalz: Volle Dampfzüge zum Streckenjubiläum und grünes Licht für den Bau der S-Bahn nach Zweibrücken. Landrat Dietmar Seefeldt will als oberster Pfälzer Nahverkehrspolitiker den Schwung des Erfolgs für weitere Bahn-Reaktivierungen nutzen. In der Pipeline sind vor allem vier Projekte, die die Pfalz betreffen. Von Eckhard Buddruss
Zweibrücken. Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) war schwer beeindruckt von der Menschenmenge, die auf dem Bahnsteig in Zweibrücken wartete, als er dort aus dem Zug stieg. Aber der Ministerpräsident zeigte sich der Grenzen seiner persönlichen Zugkraft bewusst: „Vielleicht haben die Menschen mehr die Dampflok begrüßt als uns“, sagte Schweitzer, der zusammen mit Zweibrückens Oberbürgermeister Marold Wosnitza (SPD) am Haltepunkt Rosengarten in den Dampfzug eingestiegen war
. Politisches Hauptthema des Tages war der Startschuss für die Arbeiten zur Reaktivierung der Bahnstrecke von Homburg nach Einöd, die zum Anschluss von Zweibrücken ans Netz der S-Bahn Rhein-Neckar nötig sind. Wosnitza und Schweitzer würdigten beide die Verdienste des Neustadter Bahnexperten Werner Schreiner, der für das Gelingen des Projekts eine maßgebliche Rolle gespielt hat. Schweitzer betonte auch mit Hinweis auf den Erfolg des Deutschlandtickets, viele Menschen wollten auf die Bahn umsteigen, wenn ihnen attraktive Angebote gemacht werden.
Rehlinger kritisiert Gegner von Bahn-Reaktivierungen Schweitzers saarländische Kollegin Anke Rehlinger (SPD) steht nun an der Spitze des Landes, das bei dem Reaktivierungsprojekt, gelinde gesagt, nicht von Anfang an Feuer und Flamme war. Rehlinger sagte dazu in Anspielung auf ein geläufiges Sprichwort: „Es hat lange gewährt, aber es wird gut.“ Für sie sei die Schiene „die edelste Form der infrastrukturellen Anbindung“. Widerstand gegen Bahnreaktivierungen bezeichnete sie als „unverantwortlich“, hatte dabei aber wohl eher aktuelle Probleme im Saarland (etwa bei der Strecke von Merzig nach Losheim) im Auge als die Politik früherer Saar-Landesregierungen bei Homburg–Zweibrücken.
Die rheinland-pfälzische Mobilitätsministerin Katrin Eder (Grüne) sprach von einem „Fest für die Eisenbahn“. Die S-Bahn-Verlängerung nach Zweibrücken stehe für eine Trendwende hin zu mehr Schienenverkehr, die zur Erreichung der Klimaziele unumgänglich sei. „Das ist der Weg, den wir in Zukunft gehen müssen“, betonte sie.
Dietmar Seefeldt (CDU), Landrat des Kreises Südliche Weinstraße und als Vorsteher des für den regionalen Nahverkehr zuständigen Zweckverbands in Kaiserslautern sozusagen oberster Nahverkehrspolitiker der Pfalz, freute sich sichtlich über den großen Erfolg der Dampfzüge. „Dampfloks ziehen Menschen an“, sagte er und betonte, dass sein Zweckverband „in enger Abstimmung mit dem Landesklimaschutz- und Mobilitätsministerium“ die Reaktivierung weiterer Strecken vorantreibe. Für vier Strecken (Glantalbahn Lauterecken–Staudernheim, Zellertalbahn Münchweiler–Monsheim, Wieslauterbahn Hinterweidenthal Ost–Bundenthal-Rumbach sowie die Untere Queichtalbahn Germersheim –Landau) seien positive Nutzen-Kosten-Indikatoren ermittelt, so dass nun die Vorbereitungen für die zur Aufnahme in die Programme zur Bundesförderung notwendigen vertiefenden Untersuchungen liefen. Für die Vorentwurfsplanung der Strecke Germersheim–Landau werde aktuell die Ausschreibung vorbereitet. „Damit starten wir die nächste Realisierungsstufe für den Lückenschluss zwischen Landau und Germersheim“, erläuterte Seefeldt.