24.09.2025 - Die Rheinpfalz -
Stilechte Dampfzüge durch das Queichtal
Ausflugstipp: Das Jubiläum der vor rund 150 Jahren eröffneten Bahnstrecke von Annweiler nach Zweibrücken wird am zweiten Oktoberwochenende mit Dampfzügen gefeiert. An den Details wird noch gefeilt, aber einiges ist schon klar. In Zweibrücken fällt der Startschuss für den Anschluss ans S-Bahn-Netz ohne einen potenziell peinlichen Spatenstich. Von Eckhard Buddruss
Am 11. Oktober gibt es in Zweibrücken doppelt Grund zum Feiern. Auf der Jubiläumsstrecke nach Pirmasens Nord fahren Dampfzüge und gleichzeitig gibt es einen symbolischen Startschuss für die Integration der südwestpfälzischen Stadt ins Netz der S-Bahn Rhein-Neckar durch die Reaktivierung der Strecke von Homburg nach Zweibrücken. Dafür kommen Ministerpräsident Alexander Schweitzer und seine Saar-Kollegin Anke Rehlinger nach Zweibrücken. Da es hier aber zunächst keine Bauarbeiten gibt, die sich halbwegs sinnvoll mit einem Spatenstich einleiten lassen, ist stattdessen eine besser passende Zeremonie geplant. Dabei soll ein S-Bahn-Triebwagen (der dafür mangels Oberleitung nach Zweibrücken geschleppt werden muss) auf den Namen Zweibrücken getauft werden. Derlei Fahrzeugtaufen hat es bei der S-Bahn Rhein-Neckar schon einige gegeben, allerdings noch nie bei einer Stadt, deren Einbindung ins S-Bahn-Netz noch in der Zukunft liegt.
In den Dampfzügen gelten reguläre Fahrkarten
Wie bei Pfälzer Bahnjubiläen üblich gelten in den Dampfzügen reguläre Fahrkarten, also auch das Deutschlandticket. Wer kein Deutschlandticket hat, fährt meist am besten mit einem Tagesticket des Verkehrsverbunds Rhein-Neckar (VRN), das es in Varianten für eine Person, zwei Personen oder einer Gruppe bis zu fünf Personen gibt. Der Andrang auf die Dampfzüge ist bei solchen Gelegenheiten oft so groß, dass man manchmal kaum Chancen hat, bei einem Zwischenhalt noch einen Platz zu ergattern. Deutlich besser sind die Aussichten in aller Regel am Startbahnhof des Zuges. Platzreservierungen sind generell nicht möglich. Die Dampfzüge zwischen Zweibrücken und Pirmasens Nord sollen am Samstag, 11. Oktober, mit der 23 058 am einen Ende und einer (auch schon historischen) Diesellok der Baureihe V 100 am anderen Ende bespannt werden. Die relativ moderne Dampflok-Baureihe 23, von der insgesamt 105 Stück in den 1950er-Jahren gebaut wurden, ist in besonderer Weise mit dem Bahnbetriebswerk Kaiserslautern verbunden.
Fast bis zum Ende fuhren 23er-Loks in Kaiserslautern
Ihr Einsatz endete dort erst im Januar 1975, dem Jahr in dem die Baureihe von der Bundesbahn schließlich komplett ausgemustert wurde. Viele Pfälzer Eisenbahner und Fahrgäste erinnern sich wohl noch an diese Lok. Zwischen Zweibrücken und Landau kehrt sie auf eine Strecke zurück, auf der sie früher im planmäßigen Betrieb sogar vor lang laufenden Eilzügen wie dem E 131 von Saarbrücken nach München eingesetzt wurde. Eine solche Konstellation ist angesichts der sinkenden Anzahl betriebsfähiger Dampfloks inzwischen eine besondere Rarität.
Am 12. Oktober fährt die 23 058 zwischen Pirmasens Nord und Landau und zwar in beiden Richtungen als einzige Lok. Ein zweiter Dampfzug fährt auf der Queichtalbahn am 12. Oktober mit der Dampflok 58 311 am einen Ende und einer V 100 am anderen. Diese Zugeinheit macht auch Abstecher nach Dahn an der Wieslauterbahn. Die Güterzuglok 58 311 hat sich in der Pfalz schon bei diversen Eisenbahnjubiläen bewährt, zuletzt im Oktober 2024 bei der Jubiläumsfeier der Eistalbahn-Reaktivierung.
Die schon über 100 Jahre alte Lok hat dank ihrer enormen Zugkraft bei der Deutschen Reichsbahn der DDR so lange überlebt, dass ihr technikgeschichtlicher Wert sie schließlich vor der Verschrottung bewahrte. Sie wurde erst 1977 ausgemustert, von 1977 bis 1984 stand sie im Deutschen Dampflokmuseum in Neuenmarkt-Wirsberg bei Bayreuth. 1984 wurde die Lok von den Ulmer Eisenbahnfreunden gekauft und 1985 nach einer Hauptuntersuchung wieder in Betrieb genommen. Stationiert ist sie in Ettlingen bei Karlsruhe.