20.09.2025 - Die Rheinpfalz -
Neuer Akkuzug für die Pfalz vorgestellt
Eckhard Buddruss Ab 2026 werden die Dieselfahrzeuge auf vielen Strecken der Pfalz von neuen Akku-Hybridtriebwagen abgelöst. Einer dieser Flirt Akkus war erstmals in Kaiserslautern zu sehen.
Dietmar Seefeldt (CDU), Landrat des Kreises Südliche Weinstraße und als Vorsteher des zuständigen Zweckverbands gewissermaßen oberster Nahverkehrspolitiker der Pfalz, betonte, dass durch die neuen Triebwagen jährlich sechs Millionen Liter Diesel eingespart werden. Der Einsatz der neuen Fahrzeuge soll im Frühjahr 2026 auf der Strecke von Neustadt über Landau nach Karlsruhe beginnen, wo nur ein 44 Kilometer langer Abschnitt im Akkubetrieb gefahren werden muss.
Die rheinland-pfälzische Mobilitätsministerin Katrin Eder (Grüne) betonte wie Landrat Seefeldt die Bedeutung des Pfalznetz-Projekts für die Dekarbonisierung des ohnehin schon umweltschonenden Schienenverkehrs. Das Vorhaben sei „aufwärtskompatibel“. Ihr Ministerium strebe weiterhin die Leitungselektrifizierung der Strecke von Neustadt nach Wörth an. In der Tat werden die künftigen deutsch-französischen Züge von Neustadt nach Straßburg mit Diesel fahren. Sie haben keinen Akku, sondern brauchen für elektrische Fahrt eine Oberleitung. Der Einsatz dieser Fahrzeuge soll nach den aktuellen Planungen Ende 2027 beginnen.
Der in Kaiserslautern ausgestellte Flirt Akku, der die Baureihenbezeichnung 6526 bekommt, darf noch keine Fahrgäste befördern, soll aber am Montag und Dienstag Probefahrten in der Pfalz absolvieren. Das Interieur des neuen Triebwagens ähnelt stark den Fahrzeugen, die in der Pfalz auf den Regional-Express-LInien RE1 und RE4 eingesetzt werden.
Ein gewisses Alleinstellungsmerkmal ist eine in Bahnfahrzeugen bisher unübliche Lounge hinter einem der Führerstände – besonders geeignet beispielsweise für Wandergruppen. Deutlich ungünstiger vor allem im Vergleich zu den Dieseltriebwagen der Baureihe 643 ist die Zuordnung von Sitzen und Fenstern. Wie in neueren ICE gibt es Fensterplätze fast ohne Fenster.
Kieler Lokführerfehler soll in der Pfalz vermieden werden
Die Fahrzeuge für das Pfalznetz sind der zweite Flirt-Akku-Großauftrag für Stadler. Das aus der Schweiz stammende Unternehmen hat bereits 55 Flirt Akku für den Einsatz in Schleswig-Holstein geliefert. Die Fahrzeuge werden dort als großer Fortschritt empfunden, haben aber zeitweise auch für einigen Ärger gesorgt. Neben einigen technischen Kinderkrankheiten war die Hauptursache dafür ein wiederholter Lokführerfehler. Der Lokführer darf vor der Einfahrt in einen Abschnitt ohne Oberleitung nicht vergessen, den Stromabnehmer zu senken. In Kiel wurde durch diesen Fehler mehrfach die Fahrstomversorgung des Hauptbahnhofs lahmgelegt. Ähnliche Vorfälle sollen in der Pfalz unbedingt vermieden werden – durch eine intensive Schulung des Personals und durch eine zusätzliche technische Vorkehrung. Die Situation, dass ein Triebwagen von Oberleitung- auf Akkubetrieb umschalten muss, ergibt sich in der Pfalz unter anderem in Landstuhl, Wörth und Neustadt.
Die Pfalz-Version des Flirt Akku ist mit acht Achsen und vier Drehgestellen (davon zwei angestrieben) größer als die Schleswig-Holstein-Version mit sechs Achsen und drei Drehgestellen (davon nur eines angetrieben).
Als erste werden ab Frühjahr 2026 in Etappen die beiden Linien (Regional-Express und Regionalbahn) von Neustadt über Landau nach Karlsruhe auf die neuen Akkufahrzeuge umgestellt. Ebenfalls schon im Laufe des Jahres 2026 soll schrittweise die Regionalbahn-Linie von Pirmasens über Zweibrücken nach Saarbrücken folgen. Ab Ende 2026 ist der Einsatz auf den Regionalbahn-Linien von Kaiserslautern nach Pirmasens, Kusel und Lauterecken geplant.
Erst ab Ende 2028 soll die Regionalbahn-Linie von Landau über Annweiler nach Pirmasens folgen. Für die werden die geplanten Oberleitungsinseln in Landau und Pirmasens Nord samt der Elektrifizierung des Abschnitts zwischen Pirmasens Nord und dem Fehrbacher Tunnel benötigt. Als letzte soll Ende 2029 die Linie von Winden nach Bad Bergzabern auf die neuen Fahrzeuge umgestellt werden, für die hier die Oberleitungsinsel in Winden gebraucht wird.
Vermisst wurde am Samstag der angekündigte Bundesbahn-Akkutriebwagen der Baureihe 515. Seine Überführung aus dem Eisenbahnmuseum in Nördlingen wäre wegen Streckensperrungen in Baden-Württemberg so aufwendig geworden, dass die Aktion abgeblasen wurde.
Akkuzüge: Schwarz-grüne Eintracht
Eckhard Buddruss Die Einführung der neuen Akkuzüge in der Pfalz ist ein gutes Beispiel dafür, dass auch Politiker verschiedener Lager konstruktiv kooperieren können.
Als am Samstag in Kaiserslautern der erste Akkuzug für das Pfalz-Netz vorgestellt wurde, echauffierte sich die rheinland-pfälzische Mobilitätsministerin Katrin Eder (Grüne) zwar – durchaus zu Recht – etwas über Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU), der versucht, den Bundesländern den schwarzen Peter für die Preiserhöhung beim Deutschlandticket zuzuschieben. Aber beim eigentlichen Thema des Tages gab es einen breiten Konsens.
Landrat Dietmar Seefeldt (CDU), sozusagen oberster Nahverkehrspolitiker der Pfalz, betonte, welch große Menge Diesel und damit CO 2 -Emissionen durch die neuen Triebwagen eingespart werden. Seefeldts Vorgänger Fritz Brechtel (CDU) hat große Verdienste daran, dass hierfür die Weichen richtig gestellt wurden. Katrin Eder war nicht an der Konzeption beteiligt, hat aber eine wichtige Rolle dabei gespielt, das Projekt umzusetzen. Seefeldt betonte auch noch einmal, dass er ein „Anhänger des Erfolgsmodells Deutschlandticket“ ist – das ist in seiner Partei leider nicht selbstverständlich, aber gerade deshalb besonders wichtig.
Einig waren sich Seefeldt und Eder auch in der Forderung nach mehr Zuverlässigkeit im Bahnverkehr. Am vergangen Montag fielen einen halben Tag lang auf allen Bahnstrecken nach Pirmasens sämtliche Züge aus, weil ein Fahrdienstleiter fehlte. Wenn niemand Signale und Weichen stellt, nützen auch die schönsten Fahrzeuge wenig.