18.09.2025 - Die Rheinpfalz -

Premiere für den Pfalz-Bemu

Beim Tag der Schiene in Kaiserslautern gibt es einen Vorgeschmack auf die Bahn-Zukunft der Region
Von Eckhard Buddruss

Außerhalb von Fachkreisen kann bisher wohl kaum jemand etwas mit dem Wort „Bemu“ anfangen. Es dürfte sich aber bald verbreiten, weil es sich wesentlich einfacher spricht als die korrekte Bezeichnung „Akku-Hybridtriebwagen“. Die Abkürzung BEMU steht für Battery Electric Multiple Unit und bezeichnet einen batterieelektrischen Triebwagen, bei dem das gekuppelte Fahren mehrerer Einheiten möglich ist. So gut wie niemand in der Pfalz versucht, diese Abkürzung englisch auszusprechen, aber für viele Eisenbahner in der Region sind die Bemus schon jetzt und erst recht künftig ein großes Thema.

44 solcher Triebwagen sind bei Stadler für den Einsatz in der Pfalz und im Saarland bestellt. Am kommenden Samstag ist von 10 bis 16 Uhr im DB-Regio-Werk Kaiserslautern ganz in der Nähe des Hauptbahnhofs erstmals in der Pfalz einer der neuen Triebwagen zu sehen, die ab Mitte 2026 schrittweise auf den meisten Strecken der Region ohne Oberleitung die bisher eingesetzten Dieselfahrzeuge ablösen werden.

Manch älterer Eisenbahner hält den Wirbel um die neuen Fahrzeuge für etwas übertrieben und verweist darauf, dass Akkuzüge ein alter Hut sind. Tatsächlich wird in Kaiserslautern auch daran erinnert, dass der Einsatz von Akkutriebwagen gerade in der Pfalz eine lange Tradition hat. Bei der Bundesbahn gab es über 200 Exemplare der Baureihe 515, einer davon ist am Samstag in Kaiserslautern zu sehen.

Eine 515-Hochburg war das Bahnbetriebswerk Worms. Hier waren die Fahrzeuge stationiert, die lange Jahre auf vielen Strecken Rheinhessens und der Pfalz unterwegs waren. Sie verschwanden im Lauf der 1980er Jahre, weil Dieseltriebwagen damals kostengünstiger waren.

Der entscheidende Vorteil der neuen Akku-Hybrid-Triebwagen ist, dass sie auf elektrifizierten Streckenabschnitten wie zwischen Kaiserslautern und Landstuhl auf dem Weg nach Kusel oder von Wörth nach Karlsruhe Strom aus der Oberleitung ziehen und dabei auch ihren Akku aufladen können. Das konnten die Bundesbahn-Akkutriebwagen nicht, die damals auch niemand als Bemu bezeichnet hat.