04.09.2025 - Die Rheinpfalz -

Petition für „Eisenbahn-Romantik“: Speyerer Eisenbahn-Fan sorgt für Furore

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DPS<)br> Ulrich Klumpp ist in Speyer kein Unbekannter. Er führt den Pharmagroßhandel Bestphago und die Kasse des TSV. Überregional überrascht er als Kämpfer für „Eisenbahn-Romantik“.

„Eisenbahn-Romantik“ heißt eine Kultsendung im Fernsehen des Südwestrundfunks (SWR). Seit Anfang der 1990er-Jahre sind mehr als 1000 Folgen produziert worden. Vorwiegend historische Loks ziehen Waggons durch idyllische Regionen Süddeutschlands – die Kamera ist stets dabei. Dass der öffentlich-rechtliche Sender angekündigt hat, die Produktion zum Jahresende einzustellen, will Klumpp nicht hinnehmen. Er hat dagegen eine Petition bei der Plattform Open Petition gestartet, in die sich Unterstützer eintragen können.

Die Eingabe sorgt bundesweit für Furore. 16.700 Unterschriften waren bis Mittwoch schon zusammengekommen – Tendenz steigend. „Damit hätte ich nie gerechnet“, sagt Klumpp, der auf 10.000 Unterstützer bis Ende Oktober gehofft hatte. Jetzt könnten eher die 20.000 erreicht werden, sagt er. „Das wäre ein echtes Pfund.“ Er hofft, dass der Sender noch umgestimmt werden kann und tut dafür alles. Seit größeren Medienberichten sei er in dieser Woche besonders gefragt. Auch in seinem Betrieb in der Brunckstraße ist er mit dem Thema beschäftigt. Mehrere Medien hätten ihn schon interviewt, so der Speyerer.

Nicht nur Modellbaufreund

Er sei gar kein „Hardcore-Eisenbahner“, sagt Klumpp. Dennoch ist er hochinteressiert an der Materie. Das habe sich wohl entwickelt, als er in jungen Jahren alltäglich mit einer kleinen badischen Privatbahn zur Schule gefahren sei. Er wurde Vorsitzender der Speyerer Modellbaufreunde und entdeckte irgendwann zufällig die „Eisenbahn-Romantik“ im TV. Seither habe er allein die Folge zur Sauschwänzlebahn bestimmt 20 Mal anschaut. Die Sendung habe Zugfans wie ihm Inspiration für Reisen zu speziellen Strecken, Bahnhöfen, Lokomotiven und Waggons gegeben und habe somit auch touristische Wirkung. Klumpp hofft nun auf ein Treffen mit SWR-Intendant Kai Gniffke, um ihn zu überzeugen, die Sendung weiterzuproduzieren.

Trotz des großen Medienechos und des Erfolgs der Petition hatte sich der Sender diese Woche noch nicht bei dem Speyerer gemeldet. Klumpp bedauert das, weil er gute Argumente hätte, wie er glaubt. Die Sendung schaffe etwas, was im Fernsehen immer schwieriger werde: Sie werde von Jung und Alt geschaut, wecke auch bei vielen Frauen Interesse an technischen Themen und verbinde durch ihre Übernahme in anderen Regionalprogrammen deutsche Zuschauer „von Kiel bis Garmisch-Partenkirchen“. Er erhalte bisher nur Zuspruch für seine Initiative, sein Anliegen sei „eine ziemlich eindeutige Sache“, so der 57-jährige Speyerer.

Einschaltquoten schwächeln

Der SWR hingegen verweist auf niedrige Quoten im linearen Fernsehen. „Eisenbahn-Romantik“ habe in den vergangenen zehn Jahren zwischen 3,2 und 4,2 Prozent Marktanteil im SWR-Sendegebiet erreicht. „Das heißt, zwischen 15.000 und 67.000 Menschen haben jeweils zugesehen.“ Im Bundesgebiet habe der Marktanteil zwischen 1,2 und 2,5 Prozent gelegen. Es hätten zwischen 60.000 und 270.000 Menschen eingeschaltet. „Im letzten Jahr lagen die Zahlen am unteren Ende der Skala.“ Zahlreiche Einzelfolgen sind aber auch in der ARD-Mediathek sowie im Youtube-Kanal „SWR Eisenbahn Romantik“ abrufbar. Einzelne Videos wurden bis zu 1,6 Millionen Mal angesehen. In der Anfangszeit war die zunächst als Pausenfüller gedachte Sendung als Überraschungserfolg gefeiert worden. Zu den bekanntesten Folgen der Serie über Themen aus der Pfalz gehörten die Sendungen über die Wieslauterbahn im Dahner Felsenland und die beiden großen Pfälzer Plandampf-Veranstaltungen in den Jahren 2000 und 2005.

Klumpp freut sich über die Unterstützung. Er habe zuvor noch nie eine solche offene Petition gestartet und habe sich im Juni „völlig aus dem Bauch heraus“ dafür entschieden. Er sei bereits im Austausch mit Hagen von Ortloff, dem früheren Moderator der Serie, der in einem Youtube-Video an den SWR appelliert: „Bitte lasst die Redaktion von ,Eisenbahn-Romantik’ bestehen.“ Einiges hätten auch die Eisenbahn-Fanforen erreicht, in denen seine Initiative bekannt gemacht worden sei. Er wäre gut gerüstet, wenn es zu einer Diskussion mit SWR-Verantwortlichen käme, ist Klumpp überzeugt. Dann würde er auch grundsätzlich werden, was die Ausrichtung des Senders angeht: „Warum es so viele Talk-, Koch- und inzwischen auch Kuppel-Shows braucht, erschließt sich mir jedenfalls nicht.“


Zur Petition


Youtube: SWR Eisenbahn-Romantik

SWR: SWR Eisenbahn-Romantik