06.09.2025 - Die Rheinpfalz -

So war das damals auf dem Güterbahnhof

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Edgar Steiger
Der „Sepp vom Hallplatz“ kann sich gut daran erinnern, wie eng die Lehrzeit der Eisenbahner früher mit dem Haltepunkt Biebermühle verknüpft war.

„Do hinne“, so sagte der frühere Bahnbedienstete, „do hinne“, hatte 1971 seine Lehrzeit begonnen. „Gell, enner namens Schneider had dort es Saan gehadd“, sagte der Alte und erinnerte sich, dass ihn sein Lehrmeister stets zu einem Herrn Schneider schickte, wenn es Frachtsachen gab. Ob die genannte Person wirklich so wichtig war, ist längst vergessen, und der junge Mann machte seine Lehr. Er lernte auch Bernhard Marschall kennen, er war stolzer „Bahner“ in Zweibrücken.

Vor einigen Jahren wurde die Frachtsparte in Zweibrücken verändert, viel Stückgut kam auf die Straße. Dingler und Lanz, die Traditionsfirmen der Produkte, die lange am Güterbahnhof standen, änderten die Firmennamen und dann ihre Erzeugnisse. „Was geblibb is, is die Biewermiehl. Die sieht noch so hässlich aus wie domols, wie ich angefang hann“, sagte der Bahnbedienstete und ernte ein Kopfnicken bei seinem Gegenüber. Für die einen heißt „Biebermühle“ immer noch stur Pirmasens-Nord, und sie hat auf unserer Fahrkarte gestanden, wenn wir nach Kaiserslautern in die Berufsschule fuhren.

Wie der Strom gemacht wird

Damals, als das Saarland noch eine Grenzregion war, blieb kein anderer Weg als „iwwer die Biewermiehl“. Da hieß es beizeiten im Zug nach dem Ranzen greifen und dann mit Tempo über den Bahnsteig in den Zug nach Kaiserslautern umsteigen. Der Zug nach Pirmasens fuhr mit vielen Arbeiterinnen aus den Schuhfabriken nach Pirmasens weiter, bis es auch dort ein endgültiges Aus gab. Wie bei Dorndorf in Zweibrücken.

Nur einmal stieg der Zweibrücker am Bahnhof Pirmasens-Nord aus: „De Babbe wollt mer zeiche, wie Schdrohm gemachd werd.“ Waggonweise wurde in der Biebermühle im imposanten Kraftwerk die Kohle zu Strom verschafft. „Dess musche mol gesien hann.“ Das war wirklich beeindruckend für den Berufsanfänger einer ganz anderen Sparte.

Auf Tour zum TSC-Auswärtsspiel

Für den Bahnhof gab es keinen Blick, man wusste ja, dass er nicht schön war. Und der Erinnerung nicht wert. Eine Erinnerung, auch nicht gerade eine angenehme, an die Biebermühle gibt es aber noch: Weil Vater hin und wieder dem TSC „nachfahren wollte“, musste der Filius lernen, mit dem Rad zu fahren. Die erste Tour führte nach Waldfischbach, und an der Kreuzung stürzte der junge Radfahrer den Hang an der Umzäunung hinunter. Ein paar blutige Schrammen, aber nicht besonders schlimm.

Der Eisenbahner, längst schon im Ruhestand, hat auch keine besonders angenehmen Erinnerungen an die Umsteigestation. Er weiß lediglich, dass der Bahnhof seit Jahren immer wieder verschönt werden sollte. Dabei blieb es aber stets.

Wo Juristen günstig speisten

Inzwischen hat man sich einiges mehr bei der Bahn vorgenommen, und aus der Biebermühle soll ein attraktiver Haltepunkt werden. Die Zweibrücker Frachtgut-Abteilung sieht aber längst anders aus, und wenn Michel Wack aus der Trillerpfeife seines Vaters Schorsch – der war der letzte Bahnhofsvorstand – Töne hervorlockt, dann hat das eher musikalische Gründe als Signale für den Schienenverkehr.

Natürlich bot das Thema Fracht genug Gelegenheit, über Technik zu reden, und die Veränderungen gut oder schlecht zu finden. Beim Thema Bahn von früher wird die Eisenbahnerkantine immer wieder erwähnt. Sie war ein besonderer Treffpunkt, und dass Gerichtsbedienstete die günstigen Speisepreisen ausnutzten, ist ebenfalls noch gut bekannt. „Die hann aa ned soviel vediend wie mir domols“, bemerkte der alte Eisenbahner stolz. So muss es wohl gewesen sein.