07.06.2025 - Pfälzischer Merkur -

Bald sollen Akkuzüge in Zweibrücken fahren

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Landau/Mainz/Zweibrücken • Elektrobatterien statt Diesel: Der Bahnverkehr in West- und Südpfalz bis ein Stück ins Saarland soll umweltfreundlicher werden. Möglich machen das neue Triebwagen und neue Ladeinfrastruktur. Das Pilotprojekt ist am Freitag einen großen Schritt vorangekommen.
Von dpa und PM Redaktion

Pilotprojekt im Bahnverkehr in der West- und der Südpfalz: Dort sollen auf 240 Kilometern Schiene von Dezember an Akkuzüge rollen, zunächst im Probe- und dann nach und nach im Regelbetrieb. Ziel ist es, bis 2029 die bislang dort eingesetzten Dieselzüge komplett zu ersetzen. Dafür braucht es eine neue Generation an Zügen sowie den Aufbau einer neuen Ladeinfrastruktur, wie das Mobilitätsministerium in Mainz erklärte.

Neben dem Land sind der Zweckverband ÖPNV Rheinland-Pfalz Süd (ZÖPNV Süd), die Deutsche Bahn in Form der DB Energie und der Infrastrukturgesellschaft DB InfraGO Partner bei dem Projekt. Sie haben einen Realisierungs- und Finanzierungsvertrag geschlossen, der am Freitag in Landau unterzeichnet wurde.

Das Projekt läuft unter dem Namen „Pfalznetz“. Das 240 Kilometer lange Netz, auf dem die neuen Züge zum Einsatz kommen sollen, umfasst Strecken vom baden-württembergischen Karlsruhe via Wörth, Landau, Pirmasens sowie Zweibrücken nach Saarbrücken, eine Strecke von Landau via Neustadt/Weinstraße nach Kaiserslautern sowie Abschnitte von Kaiserslautern nach Kusel und Lauterecken-Grumbach. Nach und nach sollen Regionalexpress- sowie Regionalbahn-Linien umgestellt werden. Die neuen Triebwagen werden auf elektrifizierten Abschnitten mit Strom fahren und ihre Akkus laden, die sie auf nicht elektrifizierten Passagen nutzen, wo sie im Batteriebetrieb unterwegs sind.

Für das Laden während der Fahrt sind sogenannte Oberleitungsinselanlagen notwendig. Sie dienen der Zwischenladung der Fahrzeugbatterien und werden in den Bahnhöfen Landau, Winden/Pfalz, Pirmasens Nord, Lauterecken und Kusel errichtet. Wegen der besonderen Gegebenheiten an der Steilstrecke von Pirmasens Nord nach Pirmasens Hauptbahnhof – der Höhenunterschied beträgt rund 120 Meter, die auf knapp sieben Kilometer zu bewältigen sind – wird der Streckenabschnitt zwischen dem Bahnhof Pirmasens Nord und dem Fehrbacher Tunnel (ca. 3,5 km) zusätzlich elektrifiziert. Außerdem werden in Kaiserslautern Hauptbahnhof das Gleis 39, auf dem planmäßig die Lautertalbahn startet sowie in Zweibrücken Hauptbahnhof das Gleis 3 elektrifiziert. Dies erfolgt in Ergänzung zur Elektrifizierung der Gleise 1 und 2 im Rahmen der bis Dezember 2028 realisierten Reaktivierung der Bahnstrecke Homburg–Zweibrücken, erläutert der ZÖPNV Süd. Hierfür werde auch die Teilstrecke Zweibrücken Hauptbahnhof – Homburg-Einöd elektrifiziert.

Dank der neuen Züge sollen nach Angaben des ZÖPNV Süd gegenüber dem heutigen Betrieb mit Dieseltriebwagen jährlich rund sechs Millionen Liter Dieselkraftstoff gespart werden. Außerdem ist geplant, zu 100 Prozent Ökostrom einzusetzen. Die Deutsche Bahn spricht von einem „Leuchtturmprojekt“ für die Region.

„Die Schiene ist der Weg in eine klimafreundliche Zukunft“, sagte die rheinland-pfälzische Mobilitätsministerin Katrin Eder (Grüne). Mit diesem innovativen Projekt werde die Elektrifizierung von Bahnstrecken vorangetrieben, ohne eine komplette Oberleitungsinfrastruktur bauen zu müssen. „Wir sind hier mit Schleswig-Holstein zusammen Pioniere“, sagte Eder. In dem norddeutschen Bundesland sind Akkuzüge bereits seit Herbst vergangenen Jahres unterwegs, auf insgesamt elf Linien.

Laut dem Ministerium werden etwa 154 Millionen Euro in Schieneninfrastruktur gesteckt, der Bund stellt dafür voraussichtlich mehr als 121 Millionen zur Verfügung.

Am Ende sollen 44 Akku-Oberleitungs-Hybridfahrzeuge im Pfalznetz fahren. Laut Deutscherf Bahn erreichen die Fahrzeuge die in dem Netz maximal benötigten 48 Kilometer unter Akkubetrieb jederzeit und unter allen Bedingungen. Die Züge bieten 172 Sitzplätze und damit deutlich mehr als die bisher dort eingesetzten Züge.

Neue Züge für das Akkuzug-Zugnetz ab Frühjahr 2026
Zeitplan: Der Einsatz der neuen Akku-Fahrzeuge vom Typ „Stadler Flirt“ erfolgt nach Beginn der Auslieferung und Erprobung in der Region sukzessive ab Frühjahr 2026 wie folgt:
Regionalexpresslinie sowie Regionalbahn Neustadt/W Hbf. – Landau Hbf. – Karlsruhe Hbf. (Beginn der sukzessiven Umstellung ab Frühjahr 2026)
Regionalbahn Pirmasens Hbf. – Zweibrücken Hbf. – Saarbrücken Hbf. (Beginn der sukzessiven Umstellung ab Frühjahr 2026)
Regionalbahnlinien Pirmasens Hbf. – Kaiserslautern Hbf., Kaiserslautern Hbf. – Kusel und Kaiserslautern Hbf. – Lauterecken (Beginn der sukzessiven Umstellung ab Dezember 2026)
Regionalbahnlinie Landau Hbf. – Pirmasens Hbf. (Beginn der sukzessiven Umstellung ab Dezember 2028)
Regionalbahnlinie Winden – Bad Bergzabern (ab Dezember 2029)