06.06.2025 - Die Rheinpfalz -
Wichtige Weichenstellung für Akkuzüge
In Landau wird an diesem Freitag ein Vertrag unterzeichnet, der eine wichtige Etappe für die Elektrifizierung des Bahn-Regionalverkehrs in weiten Teilen der Süd- und Westpfalz darstellt. Hier werden ab Frühjahr 2026 die heute eingesetzten Diesel-Fahrzeuge schrittweise von 44 fabrikneuen Akku-Hybridtriebwagen abgelöst. Von Eckhard Buddruss
Landau. Bundesweit ist die Ablösung Dieseltriebwagen angelaufen, die auf den nicht elektrifizierten Strecken im Bahn-Regionalverkehr bisher fast uneingeschränkt dominieren. Dabei konkurrieren Wasserstoffzüge und Akku-Hybrid-Triebwagen. In der Pfalz war diese Frage zeitweise strittig. Den Ausschlag für die Entscheidung des zuständigen Zweckverbands zugunsten der Akku-Hybrid-Technik gab 2019 ein Gutachten eines anerkannten Experten der Technischen Universität Dresden.
In zwei Ausschreibungen wurden dann der künftige Betrieb an die Deutsche Bahn (DB) und die Lieferung der Fahrzeuge an Stadler vergeben. Bei Stadler sind 44 Triebwagen vom Typ Flirt Akku bestellt. Eine erste Serie des Flirt Akku hat Stadler nach Schleswig-Holstein geliefert. Die dort eingesetzte Variante ist allerdings etwas kleiner als die für die Pfalz bestellten Fahrzeuge. Trotz Verzögerungen bei der Auslieferung der Triebwagen und einigen Störungen werden die neuen Akku-Züge in Schleswig-Holstein überwiegend als bedeutender Fortschritt empfunden.
Der wesentliche Vorteil des Flirt Akku gegenüber den früher auch in der Pfalz eingesetzten Bundesbahn-Akkutriebwagen der Baureihe 515 besteht in der Fähigkeit, Strom nicht nur aus dem Akku, sondern auf elektrifizierten Strecken auch aus der Oberleitung zu ziehen und dabei gleichzeitig den Akku zu laden.
Akkubetrieb beginnt auf Strecke Neustadt–Karlsruhe Wertvoll ist dies vor allem auf Linien, bei denen ein Teil der Strecke elektrifiziert ist. In der Pfalz ist dies beispielsweise bei der Linie von Kaiserslautern nach Kusel auf dem Abschnitt zwischen Kaiserslautern nach Landstuhl der Fall. Der Regional-Express RE6 von Kaiserslautern über Neustadt und Landau nach Karlsruhe hat sogar zwei solche Abschnitte, nämlich Kaiserslautern–Neustadt und Wörth–Karlsruhe. Der planmäßige Einsatz der neuen Akku-Hybrid-Triebwagen soll deshalb im Frühjahr 2026 auf den Linien RE6 und RB 51 (von Neustadt über Landau nach Karlsruhe) beginnen, weil die Züge hier nur die 44 Kilometer lange Elektrifizierungslücke zwischen Neustadt und Wörth überwinden müssen und an den elektrifizierten Linienendpunkten aufgeladen werden können. Im Gegensatz zu anderen Linien kann der Betrieb deshalb ohne zusätzliche Ladeinfrastruktur aufgenommen werden.
Während die Umstellung auf die neuen Triebwagen in der Südpfalz mit nur moderater Verspätung anläuft, gibt es auf anderen Linien, wo zusätzliche Ladeinfrastruktur gebraucht wird, teilweise etwas größere Verzögerungen.
Um den Einsatz der Fahrzeuge mit einem leicht veränderten Betriebskonzept 2026 auch in der Westpfalz aufzunehmen, werden in Pirmasens, Kusel und Lauterecken als provisorische Lösung für eine Übergangszeit 1000-Volt-Elektranten installiert. Damit soll im Frühjahr 2026 schrittweise die Regionalbahn-Linie von Pirmasens über Zweibrücken nach Saarbrücken auf die neuen Akkuzüge umgestellt werden. Sie können hier ihren Strom auf dem elektrifizierten Abschnitt zwischen St. Ingbert und Saarbrücken aus der Oberleitung ziehen.
Ab Ende 2026 ist der Einsatz auf den Regionalbahn-Linien von Kaiserslautern nach Pirmasens, Kusel und Lauterecken geplant. Erst ab Ende 2028 soll die Regionalbahn-Linie von Landau über Annweiler nach Pirmasens folgen. Für die werden die geplanten Oberleitungsinseln in Landau und Pirmasens Nord samt der Elektrifizierung des Abschnitts zwischen Pirmasens Nord und dem Fehrbacher Tunnel gebraucht. Als letzte soll Ende 2029 die Linie von Winden nach Bad Bergzabern auf die neuen Fahrzeuge umgestellt werden, für die hier die Oberleitungsinsel in Winden gebraucht wird.
Fortschritt durch Vernunft
Von Eckhard Buddruss Bei der Einführung der Akkuzüge läuft nicht alles rund. Aber das gut durchdachte Projekt wurde gekonnt an widrige Umstände angepasst.
Im Pkw-Verkehr ist der Diesel für manche eine Art Glaubensfrage, um die es hoch emotionale Kämpfe gibt. Umso lobenswerter ist, wie sachorientiert und pragmatisch in der Pfalz bei der Ablösung der Dieselfahrzeuge im regionalen Bahnverkehr vorgegangen wird. Beim für den Nahverkehr in der Pfalz zuständigen Zweckverband gab es unter der Führung von Landrat Fritz Brechtel (CDU) einen breiten Konsens, dass bei der anstehenden Neuausschreibung des Betriebs auf den meisten Pfälzer Regionalverkehrslinien die Dieselfahrzeuge abgelöst werden sollen – allerdings mit möglichst niedrigen Kosten. Deshalb fiel auf fachlich fundierter Grundlage die Entscheidung gegen die von einigen favorisierten Wasserstoffzüge und für die kostengünstigere Akku-Hybrid-Technik. Dass diese Entscheidung richtig war, wurde inzwischen nicht zuletzt durch das Wasserstoffzug-Desaster im hessischen Taunus deutlich.
Auch bei der Einführung der Akku-Hybrid-Triebwagen gibt es nun leider einige Komplikationen. Es wurde aber ein vernünftiges Konzept entwickelt, um sie in Grenzen zu halten. Dabei verdient es große Anerkennung, dass es um das Projekt nie parteipolitischen Streit gab. Das ist sowohl das Verdienst von Fritz Brechtel und Dietmar Seefeldt (ebenfalls CDU), seinem Nachfolger an der Spitze des Zweckverbands, als auch von Mobilitätsministerin Katrin Eder (Grüne) in Mainz, die das Projekt zwar nicht initiiert, aber stets engagiert unterstützt hat.