19.03.2025 - Die Rheinpfalz -

Des Bahnchefs „Herzensstrecke“

Die Zugstrecke Homburg-Zweibrücken sei seine „Herzensstrecke“, sagt Bahn-Chef Richard Lutz. Die geplante Reaktivierung zählt zu den Vorhaben, die Lutz beim Bahngipfel am Montagmittag besprach. Auch die Regionalbahnen sollen öfter fahren. Aber nicht jeder findet die Pläne gut.
Von Patrick Göbel und Katja Sponholz (DPA)

Saarbrücken/Homburg. Wenn der Bahn-Chef nach Saarbrücken kommt, will das schon etwas heißen. Am Montagmittag trafen sich in der Staatskanzlei beim sogenannten Bahngipfel unter anderem der Bahn-Chef und die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD). Lutz hatte einige Infos im Gepäck, wie man Zugfahren für die Menschen im Saarland besser machen möchte.

Laut dem Bahn-Chef, der in Saarbrücken studiert hat, sollen ländliche Regionen besser an den ÖPNV angebunden werden. Dazu gehört für ihn vor allem die Reaktivierung der seit 1991 stillgelegten Bahnstrecke Homburg-Zweibrücken. Ende 2028 sollen dort wieder Züge fahren können. „Für mich als gebürtigen Pfälzer, der im Saarland studiert hat, ist das eine Herzensstrecke, weil es die beiden Bundesländer miteinander verbindet“, verrät Lutz. 80 Millionen Euro soll das Ganze kosten. Am Montag brachte Lutz den Zuwendungsbescheid mit, „sodass es hier in den nächsten Jahren vorangehen kann“. Der größte Brocken – also 90 Prozent – sei damit gesichert.

„Mehr Mobilität bei weniger Verkehr.“ Mit den Worten von Mobilitätsministerin Petra Berg (SPD) könnte man das Ziel von Bahn und Landesregierung zusammenfassen, das beim Bahngipfel durchschimmerte.

Züge bei Homburg und Saarbrücken sollen öfter fahren Dort wurde etwas beschlossen, das auch viele Homburger und Zweibrücker Saarland-Pendler freuen dürfte: Die Regionalbahnen im Saarland sollen in Zukunft statt wie bisher im 30-Minuten-Takt schon alle 20 Minuten fahren. Diese neue Taktung soll besonders im Kernnetz von Homburg über Neunkirchen und Saarbrücken bis nach Saarlouis gelten. Für die Strecke von Homburg über St. Ingbert bis nach Saarbrücken betrifft das etwa die Regionalbahnen (RB) 70 und 71. 2200 Menschen arbeiten im Saarland bei der Bahn – weitere 100 möchte die Bahn dieses Jahr mindestens neu einstellen.

„Die Schiene ist das stärkste Zugpferd eines modernen ÖPNV“, sagte Ministerpräsidentin Rehlinger. „Damit ist jeder Euro, den wir in den Ausbau und die Modernisierung der Bahn investieren, ein handfester Beitrag hin zu einem stärkeren Personenverkehr insgesamt und somit auch für mehr Umwelt- und Klimaschutz. In einen attraktiven Schienenverkehr zu investieren, lohnt also doppelt.“

„Die Schienen im Saarland weiter stärken“ – dazu gehört laut Lutz die Sanierung und Modernisierung des Saar-Schienennetzes. Aber auch der Saarbrücker Hauptbahnhof soll aufgewertet werden: Wartezonen, Gleiszugänge und Unterführungen sollen schöner werden. Hintergrund ist das Bürgerfest, das das Saarland zum Tag der Deutschen Einheit ausrichten wird. Rehlinger schätzt die Kosten dafür auf etwas über eine halbe Million Euro, die sich Land und Bahn zur Hälfte teilen wollen. Auch andere Saar-Bahnhöfe sollen barrierefrei erschlossen werden – dazu stünden Bahn, Land und Bund im Austausch.

Auf zusätzliche Fernverbindungen angesprochen, unterstrich Lutz, dass bestehende Angebote – wie etwa eine zusätzliche Direktverbindung nach Berlin oder vier von Berlin über Saarbrücken nach Paris – nicht zuletzt auch auf die Interventionen der Ministerpräsidentin zurückgingen. „Wenn Nachfrage da ist und die Kapazität vorhanden, sind wir die Letzten, die sagen, wir wollen den Fernverkehr nicht ausbauen“, betonte er. Was die Saarländer tun könnten, sei, diese Strecken oft zu nutzen. „Das würde wahnsinnig helfen, denn das macht solche Verbindungen attraktiv.“

Der Saarbrücker Oberbürgermeister (OB) Uwe Conradt ist wie seine CDU-Fraktion im Stadtrat mit den Ergebnissen des Bahngipfels nicht gerade zufrieden. Nach dem Treffen sagte er, wichtige Fragen zur dringend notwendigen Verbesserung der Schienenanbindung von Saarbrücken blieben unbeantwortet; konkrete Maßnahmen zur Stärkung des Fernverkehrs seien nicht vereinbart worden. Dass Schienen und Bahnhöfe saniert werden sollen, findet er gut. Aber: „Es reicht nicht, bestehende Strukturen zu sanieren – wir müssen die Zukunft des Schienenverkehrs aktiv gestalten. Hierzu gehört eine klare Strategie für den Ausbau des Fernverkehrs.“

OB: „Saarbrücken darf nicht abgehängt werden“ Es brauche „endlich konkrete Zusagen für eine leistungsfähige und zukunftsorientierte Bahninfrastruktur“, sagte Conradt. Schon vor dem Bahngipfel hatte er gefordert, die Fernverkehrsverbindungen von Saarbrücken nach Paris, Berlin, München oder Hamburg auszubauen. „Die Eurometropole Saarbrücken mit 1,5 Millionen Menschen im 45-Minuten-Radius um den Hauptbahnhof darf nicht weiter vom Fernverkehr abgehängt bleiben“, meinte er. Die Stärkung des grenzüberschreitenden Schienenverkehrs sei entscheidend, um die Wettbewerbsfähigkeit der Region zu sichern.