14.03.2025 - Die Rheinpfalz -

S-Bahn nach Zweibrücken: Anwohner haben Angst vor Lärmbelästigung

Bei der Veranstaltung im Rathaus wird deutlich, dass bei den Homburgern nicht nur Zustimmung herrscht.

Der größte Teil der Reaktivierungsstrecke befindet sich auf Homburger Terrain. Dort scheint die Wiederbelebung der Bahnstrecke nach Zweibrücken auf weniger Begeisterung zu stoßen als in der Pfalz.

Prall gefüllt waren die Zuschauerreihen im Homburger Forums-Sitzungssaal. Die saarländische Mobilitätsministerin Petra Berg zeigte sich „begeistert von diesem Projekt“. Weil überall im Land die Züge jetzt „voller und voller“ würden, sei es an der Zeit, dass auch auf der Schiene zwischen Homburg und Zweibrücken „das Angebot der Nachfrage folgt“.

Laut Projektleiter Sebastian Ottrembka ist der Streckenverlauf seit der ersten Zugfahrt im Jahr 1857 trotz der zwischenzeitlichen Stilllegung bis heute durchgehend „dem Bahnverkehr gewidmet“. Homburgs Oberbürgermeister Michael Forster erinnerte daran, dass die Reaktivierung längst beschlossen ist. „Deshalb braucht man heute über das Für und Wieder nicht mehr zu diskutieren.“

Doch genau diese Diskussion wurde in der Fragestunde nach Ottrembkas Präsentation im Saal geführt. Beeder und Schwarzenbacher fragten nach dem Sinn des Ganzen; einige Bürger beklagten, dass sich niemand ihre Bedenken habe anhören wollen. Anwohner ließen sich in ihrer Sorge vor Lärmbelästigung auch von dem Zweibrücker Bernhard Marschall nicht beruhigen: Der Eisenbahnfachmann skizzierte die modernen S-Bahn-Züge als derart leise, dass ihre Geräuschentwicklung bei Tempo 100 „mit Bürolärm vergleichbar“ sei.

Rollen künftig auch laute Güterzüge über die Trasse? Sebastian Ottrembka sagte, dort sei „zurzeit nur Personennahverkehr bestellt“. Nachgehen will der Projektleiter einem Vorwurf aus Beeden: Demnach habe es bei ersten Rückschnitt-Arbeiten an den Gleisen derart „brachiale Fällungen“ gegeben, „dass Eichhörnchen von den Bäumen gefallen sind“.ghm

Kommentar: Dieses Projekt dient der Allgemeinheit

Von Gerhard Müller
Niemand kann ernsthaft behaupten, man habe ihm in all den Verfahren um die Bahn-Reaktivierung keine Einflussnahme ermöglicht. Nach einer mehr als 20-jährigen Hängepartie ist die Reaktivierung der Bahnstrecke Homburg - Zweibrücken nun gesichert. Sie kommt. Seit Januar 2024 ist das schier endlose Planfeststellungsverfahren auch im Saarland rechtskräftig.

Die Jahrzehnte davor waren von Machbarkeitsstudien, Gefeilsche mit dem Saarland ums Geld und ungezählten Genehmigungs- und Beteiligungsverfahren geprägt. Immer neue Anhörungen gaben der Öffentlichkeit ausgiebig Gelegenheit, Bedenken und Anregungen einzubringen. Zum Beispiel haben Bürger in Einöd dabei erreicht, dass ein Bahnübergang an einen für sie günstigeren Standort verlegt wird. Und der Bahnhaltepunkt Beeden rückt nun an eine nutzerfreundlichere Stelle.

Niemand kann ernsthaft behaupten, man habe ihm keine Einflussnahme ermöglicht. Während jeder den Klimaschutz und die Verkehrswende ganz toll findet, scheint manch einer, der nun gegen die Rückkehr der Eisenbahn vor seine Haustür wettert, wohl dem St. Floriansprinzip zu folgen.

Vorschriften und Bürokratie haben das Projekt viel zu lange gelähmt. Jetzt sollten wir dieses zukunftsweisende Vorhaben annehmen. Es dient der Allgemeinheit.