14.03.2025 - Die Rheinpfalz -
So ist der Ausbau der Bahnstrecke geplant
Von Januar 2026 bis 2028 wird die seit 1996 stillgelegte Bahnstrecke Homburg - Zweibrücken wiederhergestellt, auf den technischen Stand der Zeit gebracht und durchgehend elektrifiziert. Ende 2028, zum Start des Winterfahrplans der S-Bahn Rhein-Neckar, soll der Zugverkehr wieder aufgenommen werden. Erste Arbeiten haben jetzt begonnen. Von Gerhard Müller
„Die S-Bahnlinie S1 verläuft durch die Pfalz bis nach Osterburken“, verdeutlichte Projektleiter Sebastian Ottrembka am Mittwochabend. „Das liegt ein gutes Stück hinter Heidelberg. So weit reicht also das Einzugsgebiet der Menschen, die in den Zug steigen und künftig zum Beispiel in Schwarzenacker aussteigen können, um das Römermuseum zu besuchen. Und um hier in der Gegend Geld auszugeben.“ Ottrembka von der Bahn-Tochterfirma DB Infra-Go leitet die Wiederherstellung und den Ausbau der Eisenbahnstrecke mit der Nummer 3283: 1991 stillgelegt, sollen die Eisenbahngleise zwischen Homburg und Zweibrücken ab Ende 2028 wieder von Zügen befahren werden. Bei einer Bürger-Informationsveranstaltung im Homburger Rathaus erläuterte er, dass die Deutsche Bahn (DB) dafür unter anderem die Haltepunkte Beeden, Schwarzenacker und Einöd ausbauen werde; im Hauptbahnhof Zweibrücken soll der Bahnsteig an Gleis 1 für die neuen Züge auf 76 Zentimeter Höhe anwachsen. Die Station Einöd wird ausgebaut.
Die S-Bahnlinie S1 beginnt in Osterburken. Über Heidelberg, Mannheim und Ludwigshafen rollen die Züge durch die Pfalz, wo sie unter anderem in Neustadt und Kaiserslautern halten. An der derzeitigen Endstation im Homburger Hauptbahnhof steht die Bahn 30 bis 50 Minuten ungenutzt still, ehe sie zur Rückfahrt gen Osterburken aufbricht. Dieser Zeitraum, sagt Sebastian Ottrembka, reiche problemlos aus, um den in Homburg angekommenen Zug weiter auf die Verlängerungsrunde nach Zweibrücken und zurück zu schicken. „Dafür sind weder zusätzliche Fahrzeuge noch zusätzliches Personal erforderlich.“
17 Züge hin und zurückKünftig sollen an jedem Werktag 17 Zugpaare das reaktivierte Streckenstück passieren. Nach Angaben des Projektleiters verkehrt die S1 täglich zwischen 6 und 22 Uhr; an jedem Bahnhalt stoppt sie pro Fahrtrichtung je einmal in der Stunde. An Sonn- und Feiertagen werden 16 Zugpaare unterwegs sein.
So bekommt die Südwestpfalz wieder ihre direkte Zuganbindung ab Zweibrücken zum überregionalen Bahnknoten Homburg. Beeden und Schwarzenacker kehren mit eigenen Haltepunkten ans Schienennetz zurück. Reisende können am Bahnhof Einöd nach Pirmasens, Landau und Blieskastel-Lautzkirchen umsteigen.
Damit die Elektro-Triebzüge die bis Zweibrücken verlängerte Strecke bewältigen können, wird die komplette Trasse zwischen den beiden Hauptbahnhöfen mit 11,5 Kilometer Oberleitung elektrifiziert. Hinzu kommen der Neubau eines elektronischen Stellwerks in Einöd und eines Zugfunkmasts. 6,3 Kilometer Gleis werden neu verlegt, in Beeden und Einöd je zwei Bahnübergänge errichtet.
Im Januar 2026 sollen die Bauarbeiten an den Schienen und Oberleitungen beginnen. Bereits im Februar 2025 haben Arbeiter in Beeden erstes Gestrüpp vom verwilderten Gleisbett weggeschnitten. Dieser Rückschnitt setzt sich entlang der Trasse etappenweise fort. „Geschnitten wurde auch schon in der Nähe des Gleisdreiecks zwischen Homburg und Beeden“, sagte Ottrembka, „weil wir dort für die Zeit der Bauarbeiten Übergangs-Lebensräume für Reptilien herstellen müssen. Und die Haselmaus wurde schon im Sommer umgesiedelt.“ Gebaut wird in drei Abschnitten. Anfang 2026 geht es vom Homburger Hauptbahnhof bis zur sogenannten Anschlussgrenze am Beeder Gleisdreieck los. Die zweite Etappe bis Einöd, 6,3 Kilometer lang, ist derzeit stillgelegt und zum Teil demontiert. Der dritte Abschnitt, die Route von Einöd bis Zweibrücken, ist aktuell in Betrieb; jedoch ohne Elektrifizierung. Damit man die Oberleitungen verlegen kann, wird das Teilstück Einöd - Zweibrücken von Mai 2028 bis zum Start der S-Bahn-Verlängerung im Dezember 2028 für Züge gesperrt.
Zehn Minuten nach HomburgEin vergilbter Fahrplan von 1975 gibt die Gesamtfahrzeit zwischen den beiden Städten mit elf Minuten an – drei Minuten von Zweibrücken nach Einöd, ab dort zwei Minuten bis Schwarzenacker und weitere sechs Minuten bis Homburg. Die modernen Züge von heute sollen eine Gesamtfahrzeit von unter zehn Minuten leisten.
90 Prozent der auf 78 Millionen Euro veranschlagten Ausbaukosten werden vom Bund übernommen; den Rest teilen sich Rheinland-Pfalz und das Saarland sowie der ÖPNV-Zweckverband Rheinland-Pfalz Süd und der Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) als S-Bahn-Betreiber. Die Stadt Homburg wird für die Zugpassagiere drei neue Parkplätze an den Haltepunkten anlegen: an der Station Beeden in Höhe des Pfalzwerke-Kraftwerks, in Schwarzenacker am Ende der Sackgasse Am Schwedenhof sowie in Einöd. Und zwar dort, wo Ortsbewohner vor einigen Jahren in Eigenleistung eine Schutzhütte mit Sitzgelegenheiten gebaut hatten. „Dass diese schöne Anlage weichen muss, tut auch mir in der Seele weh“, räumte Sebastian Ottrembka ein. „Vielleicht können wir dort mit den Einödern ja etwas Neues schaffen.“
Info - Im Internet kann man das Bauvorhaben unter bauprojekte.deutschebahn.com/p/homburg-zweibruecken abrufen. - Weitere Informationsabende für die Öffentlichkeit folgen 2026, 2027 und 2028.