08.03.2026 - Pfälzischer Merkur -

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„Schneise der Verwüstung“ in Homburg-Beeden – Bahn erklärt Abholzungen

Ein Leser berichtet über „eine Schneise der Verwüstung“ rund um die stillgelegten Bahngleise, 50 Bäume sollen der Abholzarbeiten bereits zum Opfer gefallen sein. Der Grund: die geplante reanimierte Bahnstrecke Homburg-Zweibrücken.

VON ANTONIA TRINKAUS

HOMBURG/BEEDEN | Von „radikalen“ Abholzungen, die er „so noch nie erlebt“ habe, berichtet ein Leser unserer Zeitung in der vergangenen Woche. Die stillgelegten Bahngleise hinter seinem Haus in Beeden, die sich über die Jahre zueinem kleinen Dschungel entwickelt hätten, gleiche „einer Schneise der Verwüstung“. „Ohne Rücksicht“ seien große Bäume gefällt, Sträucher und He-cken abgeholzt worden, so der aufgebrachte Leser. Sogar von „einer ferngesteuerten Ameise“, die alles klein mache, hat er berichtet. Was ist also los in Beeden, Höhe Beeder Straße/ Pirminiusstraße?

1991 ist laut der Deutschen Bahn (DB) der letzte Zug über die nun lange zugewachsenen und verrotteten Gleise gefahren. Der Streckenabschnitt Schwarzenacker bis Einöd auf der Bahnlinie von Zweibrücken nach Homburg wurdevom Netz genommen. 1,7 Kilometer sind damals weggefallen. Die Bahnhöfe wurden stillgelegt. Andere Gleise außer Betrieb in der Region wurden über die Jahre ganz abgebaut, die um Beeden sind geblieben.

Doch was ist jetzt der Grund für die aktuellen Rodungen? Knapp 40 Jahre später soll hier wieder der erste Zug fahren. Grund ist die Reaktivierung der alten Bahntrasse von Homburg nach Zweibrücken, über die seit Jahrzehnten diskutiert wird und deren Umsetzung allmählich Formen annimmt (wir berichteten ausführlich). „Die Bahn plant, die stillgelegte Bahnstrecke zwischen Homburgund Zweibrücken 2028 zu reaktivieren“, bestätigt eine Bahnsprecherin dennauch auf Anfrage unserer Zeitung. Die alten Gleise sind allerdings so nicht mehr zu gebrauchen. „Voraussichtlich“ im Frühjahr 2026, so die Bahn, solle die Erneuerung der Gleise inklusive des Gleisunterbaus beginnen. Dafür muss die Bahn frei sein, die „gegenwärtig stattfindenden Rodungen“ seien dafür notwendig, heißt es weiter. Konkret berichten der Leser und seine Nachbarin von Rodungen im Gleisdreieck. „Auf einer Strecke von ungefähr 750 Metern“, von der Eisenbahnbrückein Richtung Industriegebiet West, bis zur Mündung Pirminusstraße/Bogenstraße (siehe Karte). Vor rund drei Wochen, schätzen die Anwohner, hätten die Arbeiten begonnen. Mindestens 50 Bäume, sagen sie, seien bereits abgerodet worden. „So etwas habe ich noch nie erlebt“, sagt der Leser in Hinblick auf die „aggressive und radikale“ Vorgehensweise mit Baggern und Motorsägen.

Der Bürger erzählt von „vielen Tierarten, die über Jahrzehnte hier ihr Zuhause hatten“, deren Lebensraum innerhalb weniger Tage „komplett vernichtet“ worden sei. Spechte, Eichhörnchen, Rehe, sie alle wären auch regelmäßige Besucher in den benachbarten Gärten der Bahnstrecke gewesen, so der Leser. Auf Nachfrage betont die Bahn, dass für die dort heimischen Eidechsen „in räumlicher Nähe einen alternativen Lebensraum“ geschaffen werde, bevor die Bauarbeiten beginnen. Die Umsiedlung, so die Bahn, sichere den Artenschutz. Obund welche Maßnahmen für die anderen Tierarten ergriffen werden, dazu hat sich die Bahn bislang nicht geäußert (Bericht folgt).

Aber was ist für die neue Bahnstrecke eigentlich konkret geplant? Zuerst einmal brauche es neue Weichenverbindungen, in Einöd und in Homburg, die die stillgelegten Strecken wieder an das Schienennetz anbinden, erklärt die Bahnsprecherin. Der Haltepunkt Einöd werde zu einem sogenannten Mittelbahnsteig ausgebaut, ein Bahnsteig zwischen zwei Gleisen; an beiden Bahnsteigkanten fahren die Züge in je entgegengesetzte Richtungen. Andere Haltepunkte wie Beeden, Schwarzenacker werden „S-Bahn-gerecht“ umgebaut, also die Bahnsteige auf 76 Zentimeter erhöht, das teilte die Bahn im August 2024 mit. Auch wettergeschützte Sitzmöglichkeiten, „dynamische Schriftzüge“ und „taktile Leitstreifen für Sehbehinderte“ soll es geben, so die Bahn. Homburg bekomme zudem ein neues elektronisches Stellwerksmodul (ESTW)– Software und Rechner steuern Weichen und Signale.

Die gesamte Bahnstrecke zwischen Homburg und Zweibrücken statte die DB zudem mit einer Oberleitungsanlage aus, die die Triebfahrzeuge mit Bahnstrom versorgen. Außerdem würden an der Strecke entlang „einige alte Bahnübergänge, Brücken und Stützbauwerke“ erneuert. Bis es so weit ist, dauert es, vor 2028 werde voraussichtlich kein Zug fahren. Über die geplante Reaktivierung der Bahnstrecke berichtete die Deutsche Bahn im August 2024, sie bezeichne den Beschluss als einen „Meilenstein für den Nahverkehr in der Westpfalz“. Die Idee, die Bahnstrecke wieder in Betrieb zunehmen, war keine neue. Bereits 2005/06 sei die erste Kosten-Nutzen-Untersuchung durchgeführt worden. 2024 letztendlich habe man sich gemeinsam mit dem saarländischen und dem pfälzischen Umweltministerium, sowie den Zweckverbänden des Verkehrsverbunds und DB-Konzernbevollmächtigen für die neue alte Bahnstrecke entschieden. Umweltministerin Petra Berg (SPD) bezeichnete die Reaktivierung damals als „einen wichtigen Schritt für mehr Mobilität bei weniger Verkehr in unserer Region“. Die Kosten werden auf derzeit 78 Millionen Euro geschätzt und von Bund, Ländern und Zweckverband Verkehrsverbund Rhein-Neckar getragen.

Am Mittwoch, 12. März, findet um 17.30 Uhr eine Informationsveranstaltung für die Bürgerinnen und Bürger zur Reaktivierung der Bahnstrecke im Homburger Rathaus statt (Bericht folgt).