08.01.2026 - Die Rheinpfalz -
Eine neue Buslinie für die Nachbarstädte
Wenn kaum jemand Bus fährt, darf man das Angebot nicht abschaffen, man muss es verbessern. Das sagt der Zweibrücker Nahverkehrsexperte Peter Schehl. Seine Idee: eine neue Buslinie für Zweibrücken und Homburg. Von Thomas Büffel
Manche Leute denken: Wenn keiner mit dem Bus fährt, braucht man auch keine. Der Zweibrücker Nahverkehrsexperte Peter Schehl sieht es anders: Wenn keiner mit dem Bus fährt, stimmt das Angebot nicht. Er sagt: „Angebote schaffen Nachfrage, nicht umgekehrt. Sonst hätten wir noch keine Wasserleitung, keine Stromleitung, Kanal, Gas ...“ Eine zeitgemäße Verkehrspolitik für den Raum Zweibrücken und Homburg müsse es schaffen, dass ein Teil der Autofahrer Busse und Bahnen nutzt. Er fordert einen Mentalitätswechsel vieler Verantwortungsträger: „Es müssen neue Wege gegangen, neue Verbindungen geschaffen und vorhandene Verwaltungsgrenzen überwunden werden.“
Peter Schehl kritisiert vor allem die Verbindungen zwischen den beiden Nachbarstädten Zweibrücken und Homburg, die nur mit einer einzigen Buslinie miteinander verknüpft sind: der R7. Und die habe noch dazu drei Funktionen. Sie diene als Regionalbus zwischen den beiden Innenstädten, sei der Stadtbus für Einöd und Schwarzenbach und ersetze die Bahn zwischen den Bahnhöfen Zweibrücken und Homburg. Dagegen gebe es keine Anbindung aus dem gesamten Stadtgebiet Zweibrücken an die Homburger Uniklinik.
Für Schehl ist das ein Unding, denn er verweist auf mehr als 2000 pfälzische Beschäftigte in der Klinik, jährlich 60.000 pfälzische Patienten und dazu viele Besucher. Es fehle zudem eine Verbindung zwischen den Stadtteilen Zweibrücken-Mörsbach und Homburg-Kirrberg, zumal Mörsbach ein bevorzugter Wohnort für Beschäftigte in Homburg sei, insbesondere für Beschäftigte in der Uniklinik. Eine umsteigefreie Verbindung der Hochschule Zweibrücken mit der Uniklinik und mit dem Homburger Hauptbahnhof fehle auch.
Schehl sieht die Lösung für all diese Probleme in einer neuen Buslinie, die quasi im Kreis fährt: vom Homburger Bahnhof über die Uniklinik nach Kirrberg und hoch nach Mörsbach, dann über die Hochschule in die Zweibrücker Innenstadt und über Ernstweiler nach Einöd, Schwarzenacker und Schwarzenbach noch einmal über die Uniklinik an den Homburger Bahnhof.
Der Clou: Die Strecke sollte in beide Richtungen befahren werden, im Uhrzeiger- und im Gegenuhrzeigersinn. Dadurch könnten die Busbenutzer jeden Punkt des geschlossenen Kreises in relativ kurzen Zeiten erreichen. „Andernfalls müssten sie im Extremfall ja fast eine komplette Runde fahren, um zum gewünschten Ziel zu gelangen; das wäre im zeitlichen Aufwand unattraktiv und würde sicher von den potenziellen Buskunden nur sehr bedingt angenommen und genutzt“, erklärt Peter Schehl.
Sein Vorschlag geht noch weiter: Diese Busse sollten in Mörsbach und Ernstweiler sowie in Einöd und Schwarzenbach Abstecher in die Wohngebiete machen. In Zweibrücken könnten sie dadurch die nördlich gelegenen Teile von drei Buslinien ersetzen: der 222 (Mittelbach-Ernstweiler), der 226 (Hochschule-Outlet) und der 228 (Ixheim-Ernstweiler). Das würde zugleich Kosten sparen, ohne dass Fahrten wegfallen. Die jetzige R7 von Homburg nach Zweibrücken solle stärker zur Regionalbuslinie werden.
Was zwischen Hessen und Rheinland-Pfalz, zwischen Mainz und Wiesbaden, möglich ist, sollte auch zwischen dem Saarland und Rheinland-Pfalz möglich sein, findet Schehl. Er nennt Ludwigshafen und Mannheim als weiteres Beispiel, wo der ÖPNV Stadt- und Ländergrenzen überwindet. Er sagt: „Wenn der politische Wille da ist, lässt sich unheimlich viel machen.“
Eine neue Buslinie für die Nachbarstädte
Vorschlag für neue Buslinie zwischen Zweibrücken und Homburg
Vorschlag für neue Buslinie zwischen Zweibrückn und Homburg HOM Hbf Uniklinik Mörsbach ZW Hochschule ZW ZOB Ernstweiler Einöd Schwarzenbach Uniklinik HOM Hbf
Kommentar: Busfahren ist nicht sexy
Von Thomas Büffel Zum Artikel
Busfahren hat ein Imageproblem. Das muss man lösen, wenn man Leute zum Umstieg bewegen möchte.
Die Idee des Zweibrücker Nahverkehrsexperten Peter Schehl für einen neuen Bus-Ringverkehr zwischen Zweibrücken und Homburg ist bemerkenswert. Schehl nennt ganz genau die Schwachstellen im derzeitigen Angebot und berücksichtigt die Zweibrücker Hochschule, die Uniklinik, die Wohngebiete in den Vororten und die Nähe von Mörsbach zu Kirrberg.
Ein gutes Busangebot ist auch eine soziale Frage
Aber Busfahren hat auch ein Imageproblem. Bus fahren in ländlichen Gebieten vor allem die, die keine Alternative haben. Schulkinder, Ältere, Ärmere, Ausländer. Deshalb ist ein gutes Busangebot auch eine soziale Frage: Was tun wir für die schwächer Gestellten? Aber eine gute Verkehrspolitik muss mehr leisten. Sie muss ein solch gutes Angebot schaffen, dass die Busse für alle attraktiv sind. Das wiederum sorgt für mehr Lebensqualität und Sicherheit in den Städten, wo in vielen Autos immer nur eine Person sitzt.
Für weniger genutzte Linien müssen es am Ende nicht mal die großen Busse und die festen Fahrpläne sein. Hier lohnt sich ein Blick nach Blieskastel auf das neue Flitsaar-Angebot: kleine Busse, die dann fahren, wenn man sie braucht, und ein engmaschiges Netz an Haltestellen. Das könnte auch eine Idee für Zweibrücken sein.