04.12.2024 - Die Rheinpfalz -
Seefeldt ist eine gute Wahl
Von Eckhard Buddruss Um den Chefposten beim Nahverkehr-Zweckverband in Kaiserslautern gibt es kaum Wirbel. Dort löst nun ein Südpfälzer CDU-Landrat einen anderen ab. Beiden liegt viel an diesem Thema. Für die CDU generell gilt das eher nicht.
Solide, geräuschlose Arbeit findet leider oft nicht die gebührende Aufmerksamkeit. Dass Streit als Selbstzweck zur Profilierung allerdings auch kein Erfolgsgarant ist, muss gerade die Bundes-FDP schmerzlich erfahren, nachdem sie es damit übertrieben hat. Dass es in Kaiserslautern einen Zweckverband gibt, der für den regionalen Bahnverkehr zuständig ist, ist beim breiten Publikum wenig bekannt. Sämtliche Regionalzüge in der Pfalz werden von diesem Zweckverband bestellt und bezahlt. Leider fahren seit einiger Zeit viele Züge nicht so wie sie eigentlich sollen oder fallen sogar ganz aus. Häufig ist der Grund dafür Personalmangel bei den beauftragten Unternehmen – derzeit beispielsweise auf der Strecke von Frankenthal nach Grünstadt, wo nur die Hälfte der bestellten Züge fährt. Noch gravierender ist es, wenn Personal auf Stellwerken fehlt und deswegen ganze Strecken nicht befahrbar sind.
Besonders wichtig ist es nun, sich von solchen akuten Ärgernissen nicht die Energie für die Weiterentwicklung des Zugangebots rauben zu lassen, die verkehrs- und umweltpolitisch mehr denn je geboten ist. Dies ist eine der Hauptaufgaben des Zweckverbands in Kaiserslautern. Dabei muss ein Interessenausgleich zwischen den Kreisen und Städten gefunden werden, die im Zweckverband vertreten sind. Dass dies in den fast drei Jahrzehnten seit 1996 meist gelungen ist, ist auch das Verdienst der Landräte an der Spitze dieses Zweckverbands. Auf Georg Kalbfuß (SPD), der wegen der Pionierarbeit seines Landkreises Bad Dürkheim die Idealbesetzung als Gründungsvorsteher war, folgte 2001 Winfried Hirschberger (SPD, Kreis Kusel), der besonders darauf geachtet hat, dass die Interessen ländlicher Regionen nicht unter die Räder kamen, und mit strategischer Beharrlichkeit den S-Bahn-Ausbau in der Westpfalz erst bis Homburg und dann bis Zweibrücken vorangetrieben hat. 2017 wurde mit Fritz Brechtel (Kreis Germersheim) erstmals ein CDU-Politiker an die Spitze des Zweckverbands gewählt. Qualifiziert dafür war er vor allem dadurch, das er sich engagiert und erfolgreich für die Stadtbahn nach Germersheim eingesetzt hat.
Einen optimalen Nachfolger hat er nun in seinem Parteifreund Dietmar Seefeldt, der gleich nach seiner Wahl deutlich gemacht hat, welch hohe Priorität für ihn weitere Streckenreaktivierungen haben – und zwar nicht nur sein eigenes Projekt Landau–Germersheim, sondern beispielsweise auch die Zellertalbahn, für die sich die Perspektiven nun dank eines neues Gutachtens mit überraschend gutem Ergebnis deutlich verbessert haben.
Derzeit spricht viel dafür, dass die CDU den nächsten Kanzler stellen wird. In dieser Perspektive sind engagierte CDU-Landräte für die Zukunft des Bahnverkehrs besonders wichtig. Am Bahnverkehr interessierte CDU-Verkehrspolitiker gibt es nämlich leider nicht gerade wie Sand am Meer. In dieser Situation müssen engagierte CDU-Landräte wohl darauf hoffen, dass auf Bundesebene der künftige Koalitionspartner ihrer Partei (wahrscheinlich die SPD) dafür sorgt, dass mit der nötigen Priorität Mittel für Ziele von Deutschlandticket bis Infrastrukturausbau bereitgestellt werden. Von CDU-Politikern wie Friedrich Merz oder Carsten Linnemann ist das leider eher nicht zu erwarten.
Es gilt nun, sich von den akuten Ärgernissen nicht die Energie für die Zukunftsplanung rauben zu lassen.