25.07.2024 - Die Rheinpfalz -

Bahnhaltepunkt Böbig: Spannende Geschichte, große Herausforderungen

Neustadter Erfolgsgeschichte
Der Bahnhaltepunkt Böbig ist ein entscheidendes Plus im Nahverkehrsangebot der Stadt Neustadt. Über die spannende Geschichte vor dem Beginn der Umbauarbeiten vor 30 Jahren – und warum die Anlage jetzt vor neuen Herausforderungen steht.

Wer sich über den Bahnhaltepunkt Böbig unterhalten möchte, muss Werner Schreiner nicht lange bitten. Der Neustadter, der sich für die SPD immer noch im Stadtrat engagiert, ist nicht nur ein Nahverkehrsexperte. Er hat als Projektverantwortlicher das Böbig-Projekt hautnah miterlebt.

„Am 11. Mai 1994 war es soweit, die Bauarbeiten für den neuen Haltepunkt Böbig begannen und leiteten damit eigentlich die Bauarbeiten für die S-Bahn Rhein-Neckar ein, die zu diesem Zeitpunkt aber noch etwas in weiterer Ferne war“, erinnert sich Schreiner. Er wohnt ganz in der Nähe und kann zum Böbig noch viel mehr erzählen. „Eigentlich war der Haltepunkt weiter südlich und ging bis zum Harthäuser Weg. Der Böbig lag damals nur an der Dürkheimer Strecke und war marode.“

Den Böbig gibt es als Haltepunkt seit 1974. Zunächst aber nur als Haltepunkt aus Richtung Dürkheim für die damaligen Schulen, also das heutige Kurfürst-Ruprecht-Gymnasium, die Berufsbildende Schule und die Realschule. Werner Schreiner erinnert sich sogar noch an die Eröffnung der Schulen: „Man hatte die Landwehrstraße gesperrt, damit Eltern ihre Kinder nicht bis zum Schulgebäude fahren.“ Den Begriff Elterntaxi kannte man damals noch nicht, aber eben das Phänomen ...

In den ersten Böbig-Jahren hielten dort nur die „Schülerzüge“. Die Stadt Neustadt musste dafür tief in die Tasche greifen. 300.000 Mark pro Jahr, nennt Schreiner eine Zahl. Die Verlegung der Schulen in den östlichen Stadtbereich war eben eine Herausforderung – auch mit Blick auf die Organisation des Schülerverkehrs. „Die Züge konnten eine Buskarawane von bis zu zwölf Bussen im Stadtbereich ersetzen. Da die Stundenpläne sich nicht immer an die Fahrpläne anpassen ließen, kam es oft zu Wartezeiten“, berichtet Schreiner.

Daher habe es 1976 eine erste Weiterentwicklung gegeben. Schreiner spricht vom Nahverkehrsmodell Mittlere Weinstraße. Es sah vor, dass alle Züge – und nicht mehr nur die für die Schüler – zwischen Neustadt und Bad Dürkheim am Haltepunkt Böbig Station machen würden und die Busse der Region in Deidesheim mit den Zügen verknüpft wurden. Vorteil für die Stadt: Ihr Zuschuss zum Zugangebot konnte halbiert werden.

Die Stadt hatte den Haltepunkt Böbig in den 70er-Jahren unter Oberbürgermeister Wolfgang Brix selbst gebaut und bekam zunehmend Schwierigkeiten, die Bausubstanz zu erhalten. Das machte laut Schreiner die weiteren Verkehrsüberlegungen mit der Bahn schwierig. Denn die Bahn war mit dem Zustand des Haltepunkts nicht zufrieden und lehnte eine Übernahme in unsaniertem Zustand ab. Ein Gutachten habe 1989 die Baufälligkeit bescheinigt. Man habe sich schließlich auf das Konzept geeinigt, dass die Stadt das Bauwerk saniere, die Kosten dann aber später bei der geplanten Einführung der S-Bahn Rhein-Neckar und dem Rheinland-Pfalz-Takt angerechnet werden.

So kam es Anfang der 90er-Jahre unter Oberbürgermeister Jürgen Weiler zu den Überlegungen, den Haltepunkt so zu verlegen und quasi neu zu errichten, dass an ihm auch die Züge aus Ludwigshafen und nach Kaiserslautern halten können. „So kam es auch. Den Spatenstich dafür haben wir 1994 gefeiert“, sagt Schreiner. Gebaut wurden ein neuer Außen- und ein neuer Mittelbahnsteig.

Zuvor gab es etliche Verhandlungen mit dem Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN). Denn der Böbig sollte zur Umsteigestation für die Linien in der Pfalz werden – und zwar ab dem Sommerfahrplan 1995. „Alles wurde gleich ausgelegt für drei S-Bahnen, das war der Schlüssel“, so Schreiner. 1993 habe man mit den Überlegungen begonnen, 1995 war alles fertig. „Das ging, weil alle Arbeiten auf Bahngelände stattfanden.“ Die Vertragsunterzeichnung für den neuen Haltepunkt zwischen der Stadt und der Bundesbahndirektion Karlsruhe fand am 2. September 1993 im Kurfürst-Ruprecht-Gymnasium statt. Weniger als zwei Jahre später – am 20. Mai 1995 – war der neue Haltepunkt fertiggestellt.

Schreiner erinnert sich daran noch gerne, denn während der Bauarbeiten fand ganz in der Nähe der reguläre Schulbetrieb statt. Er erwähnt dies deshalb, weil die Schulleiter hinter dem Projekt standen und es keine Probleme wegen des Lärms gab. Für Schreiner ist der Böbig daher eine Erfolgsgeschichte und ein zentraler Bestandteil des Bahnangebots auf den Pfälzer Strecken.

Daher erhebt er auch jetzt wieder den Finger und weist auf mögliche Themen und Probleme hin. Da ist zum einen die große Treppe, die die Reisenden in Richtung Schulen bringt. Auf einen Lift habe man damals verzichtet, „das hätte hohe Folgekosten gegeben und man hat erst einmal an die Schüler gedacht“. Zudem wurde zum Mittelsteig, der ja die Anbindung Richtung Ludwigshafen ermöglichte, eine Rampe eingebaut. Wer sich diese ansieht, denkt, da kommt ein Rollstuhlfahrer gut hoch. Doch Schreiner war ja in die Planung involviert und weiß, dass die Steigung nicht mehr heutigen Kriterien entspricht. „Wir erfüllen dort zwar unten die Sechs-Prozent-Vorgabe, aber oben nicht, da sind es acht Prozent“, erläutert Schreiner.

Das Thema brenne ihm deswegen auf den Nägeln und er spreche es regelmäßig in den städtischen Gremien an, weil beim Böbig 2027 ein Eingang zur Landesgartenschau sein soll, sodass die Anreise mit der Bahn für Besucher attraktiv ist. „Dafür brauchen wir aber behindertengerechte Zugänge“, so Schreiner. Nun könnte man sagen, die Stadt kann dort doch aktiv werden und alles entsprechend gestalten. Ja, stimmt Schreiner zu. Und verweist im nächsten Satz aufs Jahr 2029, wenn die Bahn die Generalsanierung der Bahnstrecke von Saarbrücken nach Mannheim plant. Dann werde alles für sechs Monate gesperrt und auch die Unterführung zum Haltepunkt Böbig erneuert. Also bestehe die große Aufgabe darin, dass die Stadt ihre Überlegungen genau mit denen der Bahn abstimmt – auch mit Blick auf die Bushaltestellen am Böbig. „Die Treppe zu Gleis eins weist Schäden auf und muss wohl saniert werden, hinzu kommt das Thema Barrierefreiheit. Das alles abzustimmen, wird herausfordernd“, warnt Schreiner. In den Gremiensitzungen hat der zuständige Dezernent Bernhard Adams wiederholt darauf verwiesen, dass die Stadt dies alles auf dem Schirm habe und entsprechende Gespräche führe.

Schreiner sagt, er wolle dennoch immer wieder darauf hinweisen. Da man vor 30 Jahren beim Bau des jetzigen Haltepunktes vieles gut miteinander verknüpft habe. Er hoffe, dass dies auch mit Blick auf Landesgartenschau und Generalsanierung gelingt. „Nicht, dass etwas gemacht wird, was zwei Jahre später wieder weg muss, das verstehen die Leute dann nicht“, meint Schreiner.ax

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16.11.2024 Bahnhaltepunkt Böbig: Vorplatz wird neu gestaltet

Neustadt. Die Stadt Neustadt will den Vorplatz des Bahnhaltepunkts Böbig komplett neu gestalten. Alles soll grüner und ansprechender werden. „Wir wollen die Aufenthaltsqualität steigern“, betonte Neustadts Baudezernent Bernhard Adams bei der Vorstellung der Pläne am Donnerstagabend. Dazu wird der Parkplatz neu angelegt und die Straße umgestaltet. Zudem wird ein neuer barrierefreier Zugang zu Gleis eins geschaffen, und es werden barrierefreie Bushaltestellen angelegt. Ziel ist, alle Mobilitätsformen miteinander zu verknüpfen. Durch die Umgestaltung gehen zwar Parkplätze verloren, aber die Stadt will sich um Ersatz bemühen und verweist zudem auf geplante neue Radabstellanlagen am Bahnhaltepunkt. Alleine für die barrierefreie Rampe wird mit Kosten von 1,3 Millionen Euro gerechnet. Mitte 2025 sollen diese Arbeiten beginnen. Der Bahnhaltepunkt Böbig ist mit mehreren tausend Fahrgästen pro Tag der zweitwichtigste Bahnhof in Neustadt. Genutzt wird er von vielen Pendlern, die am dortigen Park-and-Ride-Parkplatz halten und in die Bahn umsteigen, sowie von Schülern, die eine der weiterführenden Schulen im Böbig besuchen. Zudem ist der Haltepunkt eine zentrale Umsteigestation für die S-Bahn-Linien in der Pfalz. Eine zusätzliche Bedeutung bekommt das Gelände angesichts der Landesgartenschau, die 2027 in Neustadt stattfindet. Viele Besucher sollen per Bahn anreisen und über den Böbig das Gartenschaugelände betreten. ax