30.09.2024 - Die Rheinpfalz -

„E Emailschild un e schbitzer Pfeil“

Der Sepp vom Hallplatz: Ein Bahnhof war schon immer etwas Besonderes – Vor allem jener in Zweibrücken
Von Edgar Steiger

„Kenne ihr eich vorschdelle, dass mit dene Ziech friehjer aa noch Bahnposchd dransbordierd wor is? Pakede un manchmol lebendische Hinkele im Käfich!“ Dass auf jedem Bahnhof der Zug von „Uniformierten“ auf dem Bahnsteig erwartet wurde, war einem von Kind an vertraut. Der „Bahner“ blickte streng in die Richtung, aus der schon der Zug zu hören war. Ihm taten es die Bahnkunden nach und schauten nach Ixheim oder „ins Saargebiet“, wie damals noch viele sagten.

In der Nähe des „Vorstehers“ stand ein Bahn-Mitarbeiter auf dem Bahnsteig an einem Pritschenwagen. Er war schon bereit, Pakete aufzufangen, die trotz des Hinweises „nicht werfen“ aus dem ankommenden Paketwagen flogen. Gerade mal zwei Minuten Aufenthalt „an jeder Milchkann“ waren auf dem gelben Fahrplan zu erkennen. Und der Zug sollte doch pünktlich sein. Der „Eisebahner“ hatte schon wieder „sei Zwiwwel“, die Dienstuhr, in der Hand.

Wie DIE RHEINPFALZ jüngst berichtete, wird es im Zweibrücker Bahnhof eine Menge Veränderungen geben und, ja schön wäre es, wenn es auch wieder ordentliche „Heisjer“ für die Notdurft geben könnte. Leicht lesbar „zu den Aborten“ und mit einem spitzen Pfeil drauf, der uns zeigte, in welcher Richtung es zur „Sanitärabteilung“ ging. Wer heute nicht wagt, auf die Toilette zu gehen, wenn der Zug im Bahnhof steht, kennt vermutlich noch das andere Schild, das im Wagen angebracht war: Es verbot den Reisenden im Bahnhof die Toiletten zu benutzen. Schließlich konnte man damals vom „Abord aus“ die Schottersteine neben den Gleisen betrachten. Mancher dachte höchstens mal daran: „Die arme Aweider!“. Schienen zu verlegen bei Wind und Wetter war schon schwer genug, da konnte nicht jeder Einsatz auch noch „scheisslich“ sein. Der Zweibrücker Bahnhof war ein Schmuckstück, auch wenn es manchmal Monate dauerte, bis die Uhr, der viele Blicke galten, repariert war. Da war für die Rosenstadt schon Saarbrücken zuständig und die hatten es damit nicht eilig. Wie heute beim Bau der Anbindung an Homburg, könnte man sagen. Vom frühen Morgen bis wiederum in die Nacht war am Hauptbahnhof Betrieb. Und wenn einer rannte, dann hörte man oft von Vorübereilenden „Dummel dich, denne krieche noch!“. Es fuhren die „Bergmannszüge“ und es fuhren ständig Züge mit Produkten von Dingler und Lanz und anderen Betrieben am Güterbahnhof ab. In der Urlaubszeit gab es auch Betriebsausflüge, die mit den Zügen unternommen wurden. Nicht alle, die zum Bahnhof kamen, „um Besuch“ abzuholen, gaben 20 Pfennig für eine Bahnsteigkarte aus und an der separaten Saarlandunterführung standen erwartungsvolle Angehörige und flüsterten halblaut: „Hasche alles riwwer gried?“ Und jeder Ältere weiß heute: Es ging dabei ums Schmuggeln! Am Bahnhof war Betrieb und in der Stadt ging es wieder aufwärts.

Eine wahre, selbst erlebte Geschichte aus der „Vor-Navi-Zeit“ soll am Ende nicht fehlen. Das einheimische Auto war „beim Veithe Arthur“ vor dessen Halle in der Luitpoldstraße abgestellt. Da hielt ein auswärtiger Pkw neben dem Einheimischen: „Wo issen do die Bahnhofschdroß?“ „Do gebbds ke Bahnhofschdroß!“ „Dess kanns ned gewwe! Wo issen de Bahnhof?“ „Do driwwe! E Bahnhofschdroß gebbds nur in Rimschwiller! Awwer in Zweebrigge gebbds ke Bahnhofschdroß!“ Der entsetzte auswärtige Kraftfahrer schrie: „Zweebrigge, was machen ich in Zweebrigge? Ich hann die verkehrd Abfahrt genomm, ich will doch no Neinkerje!“

Am Ende der Poststraße ist der Bahnhof ein Schmuckstück. Es wäre schön, wenn dieses großartige Gebäude mit neuem Leben aufgewertet werden könnte.