Förderverein Schieneverkehr Zweibrücken: Presseberichte 2017

23.02.2018
Die Rheinpfalz

Stalter: „Bahnfahren ist umständlich“

Rieschweiler-Mühlbach: Mehrheit des Rates will aber prüfen, was neue Parkplätze gegenüber dem Bahnhof kosten würden
Von Andreas Sebald

Die Ortsgemeinde Rieschweiler-Mühlbach will prüfen, was ein Parkplatz mit 16 Stellplätzen in der Bahnhofstraße nahe dem Bahnhaltepunkt Rieschweiler kostet. Der Ortsgemeinderat sprach sich am Mittwoch bei zwei Enthaltungen und einer Gegenstimme dafür aus, sich die Option auf das Grundstück für zwei Jahre zu sichern und einen Planer mit einem Entwurf zu beauftragen. Gleichzeitig soll geprüft werden, woher Zuschüsse für das Projekt kommen könnten.

Dass die Gegenstimme vom Beigeordneten Winfried Stalter (SPD) kommen würde, war nach seinem Redebeitrag wenig verwunderlich. Er eröffnete die Diskussion rund um das Projekt (Parkplätze für Bahnfahrer, womöglich Ladestationen für Elektroautos, auf dem Grundstück nahe dem „Birkenhof“ gelegen, wo früher eine Minigolfanlage war), das Bürgermeister Heino Schuck (SPD) zuvor vorgestellt hatte, mit einer Warnung. Er erachte das Ganze „nicht für sinnvoll“ und „nicht für notwendig“. Die vier Stellplätze am Haltepunkt, so seine Beobachtung der vergangenen Wochen, würden wenig genutzt. Wer Bahn fährt, insbesondere weitere Strecken, orientiere sich eher zu den Bahnhöfen Homburg oder Kaiserslautern. „Die Leute fahren eher Auto. Bahnfahren ist umständlich“, befand Stalter, der auch an den umliegenden, größeren Bahnhöfen – Pirmasens Nord „eine Katastrophe“, Zweibrücken „ein Dreckloch“ – kein gutes Haar ließ. Stalter stellte Kosten von „60 000 bis 80 000 Euro“ für den Parkplatz in den Raum, seiner Ansicht nach zu viel. Schuck widersprach Stalter. Der Öffentliche Nahverkehr habe Zukunft: „Da tut sich was.“ Der Bahnhof Pirmasens Nord werde demnächst grundlegend saniert (Schuck: „Die Pläne liegen vor“), die Verbindung nach Homburg komme. „Wenn man will, dass Bahn gefahren wird, muss man Parkplätze anbieten“, befand Schuck. Zumindest zu prüfen, was der Parkplatz koste, „wäre einen Versuch wert“. Der Rat beschließe „noch keine Ausschreibung“ und „noch keinen Kaufvertrag“. Und: Die Ortsgemeinde sei bei dem Projekt unbedingt auf Zuschüsse angewiesen.

„Das Grundstück konnte schon viele Jahre nicht verkauft werden. Vielleicht kann es mit dem Parkplatz einem Nutzen zugeführt werden“, sprang SPD-Fraktionssprecher Reiner Peschel dem Ortschef bei. Zwar müsse die Ortsgemeinde nun Geld für die Planung ausgeben, „dann sehen wir aber, was es kostet“. Hans-Dieter Bißbort (FWG) pflichtete dem bei: „Wenn die Kosten vorliegen, wissen wir, worüber wir reden.“ Manuel Gödel (CDU) wollte wissen, wie sich verhindern lasse, dass der Parkplatz auch von Nicht-Bahnnutzern belegt werden wird, Stichwort Gastronomie. Gödel regte zudem an, noch andere Flächen in Bahnhofsnähe zu prüfen. „Darüber können wir gerne reden“, antwortete Schuck, der aber durchblicken ließ, dass es im Umfeld wenig geeignete Flächen gibt. Und: „Wir werden es nicht verhindern können, dass auch andere den Platz nutzen.“

Für Pascal Schuck (SPD) bietet ein ortskernnaher Parkplatz Vorteile mit Blick auf Veranstaltungen wie Weihnachtsmarkt und Kerwe. Auch Stefan Garbsch (SPD) sah die Zukunft des Bahnverkehrs nicht so düster wie Stalter. „Ich musste zuletzt beruflich nach Berlin. Ich war von Höhmühlbach aus mit zweimal Umsteigen in Berlin“, sagte er. „Wir können uns glücklich schätzen, dass wir im Ort zwei Bahnhaltepunkte haben.“

Am Bahnhaltepunkt im Ortsteil Höhmühlbach sind ebenfalls Stellplätze im Gespräch. Auf Nachfrage Gödels erklärte Schuck, dass auf beiden Seiten der Stichstraße, unmittelbar vor der Auffahrt zur Brücke über die Bahntrasse, Stellplätze entstehen könnten. Für die Bahn habe der Haltepunkt in dieser Hinsicht „Priorität eins“, sagte Schuck.