Förderverein Schieneverkehr Zweibrücken: Presseberichte 2017

26.09.2017
Die Rheinpfalz

Brechtel folgt auf Hirschberger

Germersheimer Landrat einstimmig zum Vorsteher des Schienenverkehr-Zweckverbands gewählt
Von Eckhard Buddruss

Neustadt. Fritz Brechtel (CDU), der Landrat des Kreises Germersheim, wurde gestern in Neustadt zum Vorsteher des für den regionalen Bahnverkehr in der Pfalz zuständigen Zweckverbands gewählt. Brechtel tritt am 14. Oktober die Nachfolge von Winfried Hirschberger (SPD) an.

Brechtel hatte keinen Gegenkandidaten und erhielt die Stimmen aller anwesenden stimmberechtigten Mitglieder der Zweckverbandsversammlung, in der das Land sowie sämtliche Landkreise und kreisfreien Städte im südlichen Rheinland-Pfalz Sitz und Stimme haben. Hirschberger, der scheidende Landrat des Kreises Kusel, war seit 2001 Vorsteher des Zweckverbands mit Sitz in Kaiserslautern, sein Vorgänger in dieser Funktion war von 1996 bis 2001 der Bad Dürkheimer Landrat Georg Kalbfuß (SPD).Brechtel ist seit 2001 Landrat des Kreises Germersheim und wurde in diesem Jahr zum zweiten Mal für acht Jahre wiedergewählt. Vor seiner Wahl zum Landrat war der promovierte Biologe ehrenamtlich in führender Position für die Pfälzer Naturschutzorganisation Pollichia aktiv. Bei Brechtels Engagement für den regionalen Schienenverkehr kombinieren sich umwelt- und wirtschaftspolitische Motive. Brechtel sagte gestern, bei der mit erheblichen Arbeitsplatzeffekten verbundenen Entscheidung der beiden Unternehmen ITK und Eizo für die Ansiedlung in Rülzheim an der Strecke Wörth–Germersheim habe der Stadtbahnanschluss eine ganz wesentliche Rolle gespielt. Die Inbetriebnahme der Stadtbahn Ende 2010 war nur möglich, weil der Kreis Germersheim damals zu einer landesweit einzigartigen Mitfinanzierung des Stadtbahnbetriebs bereit war.

Brechtel sagte gestern nach seiner Wahl, der öffentliche Nahverkehr sei eine wichtige Zukunftsaufgabe. Hohe Bedeutung habe dabei für ihn die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse von Stadt und Land. Es gehe nicht zuletzt darum, die Mobilität auch in der Fläche aufrecht zu erhalten und möglichst noch zu verbessern. Dabei setzt er auf Kontinuität. Brechtel sagte der RHEINPFALZ, der Zweckverband habe eine hervorragend funktionierende Geschäftsstelle in Kaiserslautern und mit Michael Heilmann einen sehr guten Geschäftsführer, der loyal die Interessen der Zweckverbandsmitglieder vertrete. Neu zu besetzen ist bald auch die Position des stellvertretenden Verbandsvorstehers, die derzeit der demnächst scheidende Neustadter Oberbürgermeister Hans Georg Löffler (CDU) innehat.

Hirschberger, der in den vergangenen 16 Jahren innerhalb des Zweckverbands fast immer auf Ausgleich bedacht war, aber vor allem bei Konflikten mit der Bundesregierung deutliche Worte nicht gescheut hatte, kritisierte gestern massiv die Pläne des Bundesverkehrsministeriums, eine einheitliche Bahnsteighöhe von 76 Zentimetern durchzusetzen. Wie am 8. September berichtet, könnte dies für Jahrzehnte verheerende Folgen für die Barrierefreiheit im Pfälzer Regionalverkehr haben. Hirschberger nannte die Pläne „Blödsinn“ und Forderungen nach ihrer Umsetzung „ein Ding der Unmöglichkeit“.

Kommentar: Gute Wahl

Von Eckhard Buddruss

Fritz Brechtel hat sich besonders für den regionalen Bahnverkehr engagiert. Das qualifiziert ihn für den Chefposten in Kaiserslautern.

Der Zweckverband mit Sitz in Kaiserslautern, der die Regionalzüge im südlichen Rheinland-Pfalz bestellt, ist beim breiten Publikum relativ unbekannt, aber enorm wichtig. Hier werden die wichtigsten Weichen für den regionalen Bahnverkehr gestellt. Dass es in der Zweckverbandsversammlung in aller Regel kaum Streit gibt, liegt zum einen an der guten und effizienten Arbeit der Geschäftsstelle in Kaiserslautern. Zum anderen ist es der politischen Führung des Zweckverbands aber auch meist recht gut gelungen, einen Ausgleich zwischen den unterschiedlichen Interessen von Städten und Landkreisen zu finden.

Hinzu kam, dass die beiden ersten Landräte an der Spitze des Zweckverbands durch Kompetenz und Engagement überzeugt haben. Georg Kalbfuß (SPD) spielte als Landrat des Kreises Bad Dürkheim eine Pionierrolle nicht zuletzt bei der Reaktivierung stillgelegter Bahnstrecken und war eine Idealbesetzung als erster Verbandsvorsteher. Winfried Hirschberger (SPD) hat besonders darauf geachtet, dass die Interessen ländlicher Regionen nicht unter die Räder kamen und sich mit strategischer Beharrlichkeit insbesondere für die Verlängerung der S-Bahn Rhein-Neckar zuerst nach Homburg und dann weiter nach Zweibrücken engagiert.

Fritz Brechtel (CDU) ist vor allem durch sein Engagement für die Stadtbahn nach Germersheim bestens qualifiziert dafür, diesen Kurs fortzusetzen. Dass auf zwei SPD-Landräte nun ein CDU-Landrat folgt, hat gewissen Symbolwert für den parteiübergreifenden Konsens in der regionalen Bahnpolitik.