Förderverein Schieneverkehr Zweibrücken: Presseberichte 2017

02.09.2017
Pfälzischer Merkur

Hauptbahnhof Zweibrücken
Der letzte Bahner Zweibrückens geht

Zweibrücken. Das Stellwerk macht dicht. Fahrdienstleiter Kurt Blinn nach 51 Jahren im Ruhestand.

Gestern Abend, viertel nach acht. Ein besonderer Moment. Zum letzten Mal drückt Kurt Blinn den Knopf für den Bahnübergang im John-Deere-Werk. „Dann warte ich noch, bis der Zug in Würzbach ist. Dann ist Schluss“, sagt der 65-jährige Mörsbacher. Es wird auch kein Kollege mehr folgen. Denn Blinn ist der letzte Eisenbahner im Zweibrücker Bahnhof. Er geht in Ruhestand.

Der Betrieb des Stellwerks wird eingestellt. Künftig fahren die Züge nicht mehr unter der Regie eines Menschen im Zweibrücker Bahnhof. „Die Weichen und Signale werden vom Elektronischen Stellwerk in Neustadt aus gesteuert“, sagt Blinn (wir berichteten). Bei dem Gespräch mit dem Merkur hat der Fahrdienstleiter die Schalttafeln, auf der die Weichen, Signale, Bahnübergänge und Strecke überwacht werden stets im Auge. Auch die drei Bahnübergänge, die bereits geschlossen sind. Dazu kommen immer wieder Anrufe mit den Hinweisen, dass die Züge an den Bahnhöfen Dellfeld oder Würzbach angefahren sind. „Das muss auch am letzten Tag funktionieren“, betont Blinn. Ab und an schaut er auch auf den Bahnsteig, wo Fahrgäste auf den Zug warten. „Der Zugverkehr geht auch ohne einen Zweibrücker Bahner weiter“, sagt Blinn. Allerdings fehle eine Person, die einem mal weiterhilft. Sei es mit Auskünften am Fahrscheinautomat oder wenn jemand mit dem Fernbus falsch ausgestiegen ist und hilflos herumsteht, schildert Blinn ein Erlebnis vor einigen Wochen. „Da habe ich die Frau aus Syrien nach Homburg gefahren.“ Von dort kommt man auch später noch mit der Bahn nach Saarbrücken. Auf die Frage, wer Ratsuchenden künftig helfe, antwortet Blinn knapp. „Da gibt es eine Bahn-App oder so.“

„Früher war noch viel mehr los auf dem Bahnhof“, erinnert sich Blinn, der am 1. September 1966 seine Ausbildung auf dem Zweibrücker Bahnhof begann. „Rund 150 Leute haben damals hier gearbeitet.“ Lokführer, Zugbegleiter, Schrankenwärter, Fahrdienstleiter, Mitarbeiter der Bahnmeisterei, der Güterabfertigung und der Bahnpolizei. Eine eigene Kantine versorgte die Eisenbahner und Gäste. „Ein bisschen Wehmut ist schon dabei“, schildert Blinn. „Aber es ist auch gut, dass ich nicht mehr um vier aufstehen muss“, fügt er gleich hinzu.

Zur Wehmut gehören auch die Gedanken, dass einst von Zweibrücken Züge nach München und Berchtesgaden oder nach Norddeutschland fuhren. Dazu noch der Güterverkehr. Doch Ende der 1970er, Anfang der 1980er Jahre wurde es immer weniger. „Die Autolobby hat uns klein gemacht“, beklagt der Eisenbahner. „Wenn dann die vierspurige Autobahn nicht ausreichte, wurde daraus eine Sechsspurige.“ Bei der Bahn habe man dagegen abgebaut. Eine Beruhigung habe der Rheinland-Pfalz-Takt Anfang der 90er Jahre gebracht. Seitdem fahren stündlich Züge Richtung Pirmasens und Saarbrücken, wie der um 20.15 Uhr, für den Blinn die letzten Knöpfe drückt. Das Schaltpult aus dem Jahr 1979 hat dann auch ausgedient. „Dann wird das alles mit einem Rechner am Bildschirm geregelt. Das ist dann wie ein Computerspiel.“ Nach dem letzten Zug wird der reguläre Zugverkehr zwischen Pirmasens über Zweibrücken nach Rohrbach bis Montagmorgen eingestellt. Als Ersatz fahren Busse zwischen den Bahnhöfen (wir berichteten). „Am Sonntag wird mit einer Lok ausprobiert, ob es über das zentrale Stellwerk in Neustadt funktioniert.“ Kommt er nochmal, wenn es nicht funktioniert? Blinn antwortet mit einem Lächeln: „Das wird solange probiert, bis es geht.“ So schaut er, der fast sein ganzes Leben dafür sorgte, dass die Züge sicher um Zweibrücken fuhren, noch einmal auf das antiquiert wirkende Schaltpult. Nach dem Stellwerk schließt am 15. September auch der DB-Store im Hauptbahnhof.

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